EU-Kommission: TikTok verletzt Jugendschutz-Regeln für Minderjährige
Die Europäische Kommission sieht erhebliche Mängel beim Schutz minderjähriger Nutzer auf TikTok. Nach vorläufigen Ergebnissen einer Untersuchung verstößt die chinesische Videoplattform gegen den Digital Services Act (DSA), weil Inhalte von Minderjährigen teilweise auch für Personen ohne TikTok-Konto zugänglich sind. Für Nutzer in Deutschland und der Europäischen Union könnte das Verfahren weitreichende Folgen haben, da es den Umgang großer Online-Plattformen mit dem Jugendschutz neu prägen könnte.
TikTok verstößt nach Ansicht der EU gegen Jugendschutz-Regeln
Die am Freitag veröffentlichten vorläufigen Ergebnisse der EU-Kommission kommen zu dem Schluss, dass die Konto- und Datenschutzeinstellungen für Minderjährige sie weiterhin Risiken wie unerwünschten Kontaktaufnahmen, Cybermobbing und ausbeuterischem Verhalten aussetzen.
Konkret kritisiert die Behörde, dass Jugendliche ihre Konten öffentlich schalten können. Dadurch können ihre Inhalte auch von Personen gefunden und angesehen werden, die nicht bei TikTok registriert sind. Nach Auffassung der Kommission erhöht dies das Risiko, dass Minderjährige von Fremden kontaktiert oder ihre Inhalte missbräuchlich verwendet werden.
Darüber hinaus weist die Behörde darauf hin, dass Jugendliche selbst bei privaten Kontoeinstellungen über die „Folge ich“-Listen anderer Nutzer gefunden werden können. Auch Profilbilder seien weiterhin öffentlich sichtbar.
EU-Kommission fordert Änderungen bei TikTok
Die Brüsseler Behörde verlangt von TikTok, die Standardeinstellungen für öffentliche Konten Minderjähriger anzupassen. Künftig sollen von Jugendlichen veröffentlichte Inhalte standardmäßig ausschließlich für Follower sichtbar sein, die von den betroffenen Nutzern ausdrücklich akzeptiert wurden.
Nach Auffassung der Kommission sollten ältere Minderjährige zwar weiterhin die Möglichkeit haben, ihre Inhalte mit einem größeren Publikum innerhalb der Plattform zu teilen. Diese Inhalte dürften jedoch unter keinen Umständen außerhalb von TikTok zugänglich sein.
Zudem fordert die EU-Kommission, Inhalte von Minderjährigen nicht mehr aktiv anderen Nutzern zu empfehlen.
TikTok weist die Vorwürfe zurück
Die Untersuchung läuft seit Februar 2024 auf Grundlage des Digital Services Act. Die nun veröffentlichten Ergebnisse sind vorläufig und stellen noch keine endgültige Entscheidung dar.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, droht TikTok eine Geldbuße von bis zu sechs Prozent seines weltweiten Jahresumsatzes.
Ein Sprecher des Unternehmens erklärte, Konten von Jugendlichen verfügten bereits über mehr als 50 voreingestellte Datenschutz- und Sicherheitsfunktionen. TikTok werde die vorläufigen Ergebnisse prüfen und die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union fortsetzen.
Warum der Fall für Deutschland und die EU wichtig ist
TikTok zählt zu den beliebtesten sozialen Netzwerken bei Kindern und Jugendlichen. Nach Unternehmensangaben nutzten Ende 2025 rund 178 Millionen Menschen die Plattform innerhalb der Europäischen Union.
Die aktuelle Untersuchung ist Teil einer umfassenderen Kontrolle großer Online-Dienste durch die EU. Bereits im Februar hatte die Kommission TikTok wegen des möglichen Suchtpotenzials seiner Plattform kritisiert und Änderungen am grundlegenden Design des Dienstes gefordert.
Mit dem Verfahren macht die Europäische Kommission deutlich, dass der Digital Services Act konsequent durchgesetzt werden soll. Besonders der Schutz von Minderjährigen gehört zu den zentralen Zielen des Gesetzes. Für Plattformbetreiber könnte der Fall daher richtungsweisend sein und Auswirkungen auf künftige Datenschutz- und Sicherheitsstandards im gesamten EU-Binnenmarkt haben.
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