Die Abgründe der Ghislaine Maxwell
Die britische Politjournalistin Anne McElvoy kannte Ghislaine Maxwell aus Studientagen in Oxford. Im Gespräch erklärt sie, wie aus ihrer früheren Freundin eine Komplizin des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein werden konnte und wie sein Netzwerk aus Politik und Wirtschaft funktionierte.
Die Freundin aus Oxford und die spätere Komplizin
„Die Ghislaine, die ich kannte, war offen, witzig und glamourös“, sagt McElvoy. Schon früh musste Maxwell für ihren Vater, den umstrittenen Verleger Robert Maxwell, als eine Art Mitarbeiterin fungieren und dafür sorgen, dass die richtigen Leute im Raum waren. Diese Rolle setzte sich später auf verhängnisvolle Weise in ihrer Beziehung mit Jeffrey Epstein fort. Was sie tat, kam für McElvoy und alle, die sie von früher kannten, einem Schock gleich.
Maxwell habe die Opfer nicht als Frauen auf Augenhöhe mit ihren Freundinnen aus Oxford gesehen, sondern als eine andere Kategorie Mensch, die zur Bedienung von Epstein da war.
Wie Maxwell die Taten rechtfertigte
Als Frau einem Mann minderjährige Mädchen zuzuführen – wie konnte sie das tun? McElvoy glaubt, Maxwell habe sich das so vorgestellt: Wo reiche Männer sind, gibt es immer junge Frauen, die das wollen und gut dafür bezahlt werden. Sie habe es in einer Aussage als „Entfaltungsmöglichkeit“ für diese Mädchen bezeichnet, als Chance, eine neue Welt kennenzulernen. Heute tue Maxwell sich vor allem selbst leid.
Warum Maxwell schweigt
Maxwell könnte zur Aufklärung beitragen, schweigt aber eisern. Das sei eine Strategie, so McElvoy. Sie sitze im Gefängnis, während viele andere Verantwortliche frei seien. Sie fühle sich ungerecht behandelt und warte auf eine mögliche Begnadigung, möglicherweise von Donald Trump. Die ganze Wahrheit werde sie wohl nur im Gegenzug für ihre Freiheit erzählen.
Wie Epstein sein Netzwerk aufbaute
Epstein hatte die Fähigkeit, die Träume der Menschen zu erfüllen. Wer reich werden wollte, bekam Geld. Wer einen aufregenden Lebensstil mit Privatjets wollte, bekam ihn. Wer seine sexuellen Fantasien ausleben wollte, durfte das tun. Er war ein zynischer Manipulator, der die Leute in eine Abhängigkeit zog.
Informationen seien eine Währung gewesen. Man handelte damit, um in Epsteins Netzwerk aufzusteigen. Man tauschte Geheimnisse gegen Zugang – das sei das eigentlich Schockierende, weil es die Demokratie untergrabe.
Die wichtigste Lehre
Die wichtigste Lehre aus dem Skandal sei, dass dieser Kreis aus Komplizen und Mitwissern in totaler Arroganz dachte, ihre Taten würden nie ans Tageslicht kommen. Sie glaubten, in einer privaten Welt zu leben, in der für sie keine negativen Konsequenzen entstehen. Der Fall sei eine Mahnung, dass diese Arroganz der Macht irgendwann ein Ende finde.
Die Ghislaine Maxwell Rolle im Epstein-Netzwerk zeigt, wie persönliche Nähe, soziale Herkunft und die Bereitschaft, andere Menschen zu instrumentalisieren, zusammenwirken können. McElvoys Einblicke machen die menschliche Dimension hinter den abstrakten Anschuldigungen greifbar.
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