Epstein-Akten enthüllen begrenzte Verbindungen nach Polen
Kürzlich veröffentlichte US-Dokumente zu Jeffrey Epstein belegen begrenzte Verbindungen nach Polen. Dazu zählen Kontakte zu mehreren Polinnen, zwei langjährigen polnischen Geschäftspartnern sowie ein kurzer Austausch mit dem ehemaligen Tennisspieler Wojciech Fibak.
Die rund drei Millionen Seiten umfassenden Akten zeigen keine Verbindungen zu polnischen Politikern. Dennoch erregten sie in Polen Aufmerksamkeit. Premierminister Donald Tusk setzte daraufhin ein Sonderteam zur Untersuchung der polnischen Aspekte des Falls ein.
E-Mails und die Suche nach Frauen
Eines der meistdiskutierten Dokumente ist eine E-Mail aus dem Jahr 2009 von Daniel Siad. Opferanwälte bezeichneten ihn als „Anwerber für Mädchen und/oder Frauen für Epstein“. Siad beschrieb darin seine Suche nach Frauen in ländlichen Gebieten Polens, der Slowakei, Ungarns und Tschechiens. Er schrieb, dass „bereits Mädchen in Polen auf ihn warten“, und erwähnte seinen Aufenthalt in Krakau.
Siad, ein schwedischer Staatsbürger berberischer Abstammung, arbeitete eng mit Epstein und dem Modelagentur-Inhaber Jean-Luc Brunel zusammen. Brunel starb 2022 durch Suizid, bevor er sich wegen des Missbrauchs von Minderjährigen vor Gericht verantworten musste. Siad schickte Epstein Fotos von Frauen, darunter ein polnisches Model, das er in Dubai kennengelernt hatte.
Engere Kontakte und polnische Geschäftspartner
Die Akten legen nahe, dass Epstein zu einem ungenannten polnischen Model engere Beziehungen pflegte. Er gab ihr Karrieretipps und führte politische Gespräche. In einem Austausch empfahl sie ihm die Lektüre des russischen Ideologen Alexander Dugin. Epstein, der sie sowohl als Angestellte als auch als Freundin bezeichnete, wies einige ihrer Ansichten zurück – darunter Verschwörungstheorien zum Absturz des polnischen Präsidentenflugzeugs 2010.
Weitere Nachrichten betrafen polnische Frauen, die in New York nach Jobs suchten oder Reisen planten. Mehrere Dokumente erwähnen Flugtickets, die Epstein bezahlte.
Zwei Polen gehörten zu Epsteins engstem Kreis: Adrianna Mucińska Ross, ein Model, das mit seinem Privatjet reiste und in seinem Strafverfahren von 2008 als mögliche Komplizin geführt wurde, sowie Janusz Banasiak. Banasiak verwaltete 20 Jahre lang Epsteins Anwesen in Palm Beach und sagte aus, Ross habe kurz vor einer Polizeirazzia Computer und Dokumente entfernt.
Treffen mit Wojciech Fibak
Die einzige erwähnte polnische Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ist der ehemalige Tennisstar Wojciech Fibak. In einer E-Mail aus dem Jahr 2013 gratuliert Epstein ihm und fragt, ob er in Paris sei. Fibak antwortete: „Ja, merci. Rufen Sie jederzeit an!“ In Epsteins Kalender ist ein Treffen mit dem Vermerk „Kunstinvestitionen“ vermerkt.
Gegenüber der polnischen Presseagentur spielte Fibak die Verbindung herunter: „Wir waren kaum bekannt. Wir wohnten in New York in der Nähe voneinander und trafen uns gelegentlich. Ich nehme an, er kontaktierte mich wegen Kunstgalerien. Ich wurde nie von ihm irgendwohin eingeladen.“
Relevanz für Polen und EuropaDie Epstein-Akten Polen zeigen begrenzte, aber konkrete Verbindungen. Die Einsetzung eines Sonderteams durch Premier Tusk unterstreicht das öffentliche Interesse in Polen. Für Deutschland und die EU ist der Fall relevant, weil er grenzüberschreitende Netzwerke und die Anwerbung junger Frauen aus mehreren europäischen Ländern berührt. Die Dokumente liefern keine Hinweise auf politische Verstrickungen in Polen, werfen jedoch erneut Licht auf Epsteins internationales Netzwerk.
Mehr zum Thema „Epstein Akten„







2 Kommentare
Der Epstein-Fall betrifft schwere Verbrechen und viele Opfer. Von Bürokraten, Technokraten, Diplomaten, Politikern und Prominenten bis hin zu den jungen Opfern aus ärmeren Verhältnissen scheint es, als ob dieses Netzwerk sehr professionell organisiert gewesen wäre
Es bleibt die Frage, ob es heute noch weitere verborgene Netzwerke gibt und welche internationalen Verbindungen dabei möglicherweise eine Rolle spielen.