US-Zerstörer vier Tage ohne Strom: Neue Details werfen Fragen über die Belastung der US-Marine auf
Die US-Marine steht wegen eines ungewöhnlichen Zwischenfalls im Südchinesischen Meer unter Druck. Der Lenkwaffenzerstörer USS Benfold verlor am 24. Juli wegen eines Problems mit seinen Generatoren vollständig die Stromversorgung und war anschließend vier Tage lang nicht aus eigener Kraft einsatzfähig. Rund 300 Besatzungsmitglieder mussten ohne Trinkwasser, warme Mahlzeiten, funktionierende Toiletten und Klimaanlage auskommen, bevor das Schiff am 28. Juli in die philippinische Subic Bay geschleppt wurde.
USS Benfold vier Tage ohne Strom
Die USS Benfold ist ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse und Teil der amerikanischen Flugzeugträgerkampfgruppe um die USS George Washington. Der Vorfall ereignete sich während eines Routineeinsatzes im Indopazifik.
Nach Angaben von Commander Matthew Comer, Sprecher der 7. US-Flotte, meldete die Benfold am 24. Juli einen technischen Ausfall im Zusammenhang mit ihren Generatoren. Die vollständige Stromunterbrechung beeinträchtigte zentrale Versorgungssysteme des Schiffes.
Für die Besatzung hatte das weitreichende Folgen. Die Kombüse konnte nicht normal betrieben werden, die Toiletten fielen aus, die Klimaanlage funktionierte nicht und auch die Versorgung mit Trinkwasser war beeinträchtigt. Ein Teil der Versorgung wurde deshalb von anderen Schiffen der Kampfgruppe übernommen. Der Kreuzer USS Robert Smalls brachte unter anderem Mahlzeiten für die Besatzung.
Die Benfold blieb jedoch nicht nur kurzzeitig manövrierunfähig. Vertraglich eingesetzte Schlepper brachten den Zerstörer am 28. Juli nach Subic Bay auf den Philippinen. Dort übernahmen Spezialisten des Ship Repair Facility–Japan Regional Maintenance Center die weiteren Arbeiten.
Erst Tage später wurde das Ausmaß bekannt
Bemerkenswert ist auch der Zeitpunkt, zu dem der Vorfall öffentlich wurde. Der Stromausfall ereignete sich Ende Juli, wurde aber erst Mitte August durch USNI News öffentlich bekannt. Die US-Marine erklärte anschließend die Einzelheiten des Vorfalls.
Die Stromversorgung wurde am 30. Juli wiederhergestellt. Bis zum 7. August waren die erforderlichen Reparaturen abgeschlossen, am 8. August verließ die Benfold Subic Bay. Anschließend lief das Schiff den japanischen Hafen Yokosuka an. Die Marine untersucht weiterhin, warum es zu dem Generatorausfall kam.
Verletzt wurde nach Angaben der 7. US-Flotte niemand. Die Marine lobte die Besatzung für ihre Belastbarkeit und Professionalität während des Ausfalls.
Der Vorfall ist deshalb nicht automatisch ein Beleg für einen generellen technischen Niedergang der US-Marine. Er zeigt aber, wie schnell ein einzelner Ausfall auf einem modernen Kriegsschiff grundlegende Lebensbedingungen beeinträchtigen kann.
Die US-Marine steht gleichzeitig vor größeren Belastungen
Die Benfold-Panne kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die US-Marine ihre Schiffe ungewöhnlich stark beansprucht. Mehrere Kriegsschiffe waren zuletzt über lange Zeiträume im Einsatz, während Washington gleichzeitig militärische Operationen im Nahen Osten und andere globale Verpflichtungen bewältigen muss.
Besonders viel Aufmerksamkeit erhält derzeit der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln. Das Schiff und seine mehr als 5.000 Besatzungsmitglieder waren über Monate im Einsatz und unterstützten die amerikanischen Operationen gegen Iran. Die ursprünglich geplante Einsatzdauer wurde mehrfach verlängert.
Familien von Besatzungsmitgliedern berichteten über Probleme mit Versorgung, Wasser, Sanitäranlagen und psychischer Belastung. US-Abgeordnete forderten deshalb vom Pentagon Auskunft über die Bedingungen an Bord. Die US-Marine hat zugleich erklärt, keine Zunahme suizidaler Gedanken oder Versuche an Bord festgestellt zu haben.
Besonders schwer wiegen Berichte über mehrere Vorfälle, bei denen Besatzungsmitglieder der Lincoln über Bord zu gehen versuchten. Ein Navy Times-Bericht stützt sich dabei auf Aussagen von Angehörigen; die Marine bestätigte außerdem, dass Anfang August ein Besatzungsmitglied über Bord ging, gerettet und medizinisch versorgt wurde. Ob es sich dabei um einen Suizidversuch handelte, wollte die Marine nicht bestätigen.
Kein Einzelfall – aber auch kein Beweis für einen Zusammenbruch
Die beiden Entwicklungen müssen voneinander getrennt werden. Bei der USS Benfold geht es um einen technischen Ausfall, dessen Ursache noch untersucht wird. Bei der USS Abraham Lincoln stehen dagegen Fragen nach Einsatzdauer, Versorgung und psychischer Belastung der Besatzung im Mittelpunkt.
Gemeinsam werfen die Fälle jedoch eine größere Frage auf: Wie lange kann die US-Marine ihre Schiffe und Besatzungen unter einem außergewöhnlich hohen globalen Einsatztempo halten, ohne dass Wartung und Lebensbedingungen darunter leiden?
Der Wechsel im Einsatz der Flugzeugträger zeigt bereits, wie stark die amerikanischen Ressourcen beansprucht werden. Die USS George Washington, die zuvor mit der Benfold unterwegs war, wurde in Richtung Nahost verlegt und soll die Lincoln ablösen. Damit entsteht gleichzeitig die Frage, wie lange die USA ihre Präsenz im Indopazifik aufrechterhalten können, wenn zusätzliche Kräfte für den Iran-Krieg benötigt werden.
Für Deutschland und Europa ist diese Entwicklung nicht nebensächlich. Die USA bleiben der wichtigste militärische Akteur innerhalb der NATO. Wenn amerikanische Kriegsschiffe über längere Zeit für Einsätze im Nahen Osten gebunden sind, kann dies Auswirkungen darauf haben, welche Kräfte Washington gleichzeitig in Europa und im Indopazifik bereitstellen kann.
Was jetzt entscheidend ist
Bei der USS Benfold kommt es zunächst auf das Ergebnis der technischen Untersuchung an. Sollte sich ein spezifisches Problem mit den Generatoren herausstellen, wäre zu klären, ob weitere Schiffe der Klasse betroffen sein könnten. Dafür gibt es derzeit jedoch keinen bestätigten Hinweis.
Größer ist die strategische Frage nach der Belastbarkeit der gesamten Flotte. Die US-Marine muss gleichzeitig einsatzbereit bleiben, Wartungszyklen einhalten und Tausende Soldaten über lange Zeiträume auf See halten.
Der Stromausfall der Benfold macht dabei ein grundlegendes Problem sichtbar: Auf einem modernen Kriegsschiff hängen selbst elementare Dinge wie Trinkwasser, Toiletten, Essen und Klimatisierung von einer funktionierenden Energieversorgung ab. Ein technischer Defekt kann deshalb aus einem militärischen Einsatz innerhalb kurzer Zeit eine erhebliche Belastungsprobe für die gesamte Besatzung machen.
Der Fall der USS Benfold ist damit mehr als eine ungewöhnliche Panne auf See. Zusammen mit den Berichten über die außergewöhnlich lange Einsatzdauer der USS Abraham Lincoln zeigt er, welchem Druck die US-Marine derzeit ausgesetzt ist. Ob daraus ein strukturelles Problem entsteht, wird sich erst anhand weiterer technischer Untersuchungen, Wartungsdaten und der Entwicklung der Einsatzzeiten beurteilen lassen.
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