US-Staatsschulden überschreiten 40 Billionen Dollar – Trumps Haushaltsversprechen geraten unter Druck
Washington – Die US-Staatsverschuldung hat erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Damit gerät ein zentrales Versprechen von Präsident Donald Trump zunehmend unter Druck: Bei seiner Rückkehr ins Weiße Haus hatte er angekündigt, die Staatsausgaben zu senken, die Bundesregierung effizienter zu machen und mit stärkerem Wirtschaftswachstum die wachsenden Defizite einzudämmen. Stattdessen steigen die Schulden weiter – und zugleich verteuert sich ihre Finanzierung. Das Problem betrifft nicht nur Washington: Höhere US-Zinsen können auch globale Finanzmärkte und damit Unternehmen, Investoren und Verbraucher in Europa beeinflussen.
US-Staatsschulden steigen trotz Sparversprechen
Trump war mit einem klaren finanzpolitischen Versprechen in seine zweite Amtszeit gestartet. Die Bundesregierung sollte kleiner und effizienter werden, kostspielige Ausgaben sollten verschwinden und die USA sollten wirtschaftlich stärker wachsen.
Auch die sogenannten „endlosen Kriege“ wollte Trump beenden, um die finanziellen Belastungen für den Staat zu reduzieren.
Die Entwicklung der vergangenen 19 Monate fällt jedoch anders aus. Die Staatsausgaben sind nicht dauerhaft gesunken, während die Gesamtverschuldung die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten hat.
Für Haushalsexperten ist das kein isoliertes Problem der aktuellen Regierung. Die amerikanische Verschuldung ist über Jahrzehnte gewachsen und wurde von Regierungen beider Parteien beeinflusst.
Maya MacGuineas, Präsidentin des Committee for a Responsible Federal Budget, bezeichnete die Bilanz Trumps in dieser und seiner ersten Amtszeit als keinen fiskalischen Erfolg. Zugleich betonte sie, dass die heutige Situation nicht allein auf Trump zurückzuführen sei.
Steuersenkungen, höhere Ausgaben und teure Schulden
Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung sind die Steuer- und Ausgabenentscheidungen der vergangenen Jahre.
Nach Berechnungen des Committee for a Responsible Federal Budget verursachten Trumps Steuersenkungen während seiner ersten Amtszeit zusätzliche Schulden von 8,4 Billionen Dollar.
Auch in seiner zweiten Amtszeit belastet die Finanzpolitik den Haushalt. Das Steuer- und Einwanderungsgesetz der Regierung erhöhte die Schuldenprojektion nach Berechnungen des Congressional Budget Office um weitere 4,7 Billionen Dollar.
Das Weiße Haus weist diese Kritik zurück. Sprecher Kush Desai erklärte, Trump sei der erste Präsident, der weit verbreiteten Missbrauch, Betrug und Verschwendung in der Bundesregierung ernsthaft bekämpfe. Durch Entlassungen von Tausenden Bundesbeschäftigten und die Abschaffung aus Sicht der Regierung unnötiger Programme seien Ausgaben reduziert worden.
Das jährliche Haushaltsdefizit konnte 2025 zwar verringert werden. Der Rückgang fiel jedoch gering aus und änderte nichts daran, dass die Gesamtverschuldung weiter zunahm.
Musk und das Sparversprechen von zwei Billionen Dollar
Besonders große Erwartungen hatte Trump im Wahlkampf mit einem radikalen Programm zum Abbau staatlicher Ausgaben geweckt. Elon Musk wurde mit der Leitung des inzwischen aufgelösten US-Ministeriums für Regierungseffizienz beauftragt.
Musk hatte Einsparungen von rund zwei Billionen Dollar in Aussicht gestellt.
Am Ende meldete die Behörde Einsparungen von etwa 110 Milliarden Dollar. Diese Zahl wurde später vom Government Accountability Office infrage gestellt. Nach dessen Einschätzung beruhten Teile der Angaben auf überhöhten oder nicht überprüfbaren Berechnungen.
Damit blieb die tatsächliche Größenordnung deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück.
Warum die Zinskosten zum Problem werden
Die Höhe der Schulden ist jedoch nur ein Teil des Problems. Entscheidend ist zunehmend, wie viel die USA für deren Finanzierung bezahlen müssen.
Steigende Renditen auf US-Staatsanleihen erhöhen die Kosten, mit denen sich der Staat refinanzieren muss. Einige Renditen erreichten zuletzt den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten.
Das bedeutet: Ein immer größerer Teil des Staatshaushalts wird für den Schuldendienst benötigt, anstatt für Infrastruktur, Verteidigung, Sozialprogramme oder andere politische Vorhaben zur Verfügung zu stehen.
Gleichzeitig konkurriert die US-Regierung auf den Kapitalmärkten mit privaten Unternehmen um Investitionen.
Kevin Warsh, Vorsitzender der US-Notenbank, verwies beim Treffen der G20-Finanzminister auf die außergewöhnlich hohen Investitionen in künstliche Intelligenz und große Technologieunternehmen. Seiner Einschätzung zufolge deutet diese Entwicklung auf eine zunehmende Knappheit an Kapital hin.
Wenn Regierungen und Unternehmen gleichzeitig um Kapital konkurrieren, kann dies den Druck auf die Zinsen erhöhen.
Das Problem reicht Jahrzehnte zurück
Die aktuelle Schuldenentwicklung lässt sich nicht allein mit der Politik Trumps erklären.
Republikanische Präsidenten wie Ronald Reagan und George W. Bush senkten die Steuern und erhöhten damit teilweise die Defizite. Unter Bush kamen zusätzlich die Kosten der Kriege hinzu.
Demokratische Präsidenten erhöhten wiederum die Ausgaben durch große Konjunkturprogramme nach der Finanzkrise von 2008 und während der Corona-Pandemie.
Eine Ausnahme bildete die zweite Amtszeit von Bill Clinton. In einer Phase starken Wirtschaftswachstums und nach Reformen der Sozialprogramme erzielte die US-Regierung im Zusammenspiel mit einem republikanisch dominierten Kongress moderate Haushaltsüberschüsse.
Heute sind die strukturellen Herausforderungen allerdings größer.
Alternde Bevölkerung verschärft die Haushaltslage
Eine zentrale Belastung entsteht durch den demografischen Wandel.
Die Generation der sogenannten Babyboomer geht zunehmend in den Ruhestand. Dadurch steigen die Ausgaben für Sozialprogramme, während die Einnahmen aus Lohnsteuern nicht ausreichen, um die künftig erwarteten Leistungen vollständig zu finanzieren.
Besonders betroffen sind die Treuhandfonds der Sozialversicherung und von Medicare.
Das macht eine Reform politisch schwierig. Kürzungen bei Sozialleistungen sind äußerst unpopulär. Gleichzeitig sind Steuererhöhungen ebenfalls schwer durchzusetzen.
Romina Boccia vom konservativen Cato Institute sieht deshalb eine politische Verschiebung. Republikaner suchten zunehmend nach Möglichkeiten, zusätzliche Einnahmen zu erzielen, um politisch heikle Reformen bei den Sozialleistungen zu vermeiden.
Damit gerät ein Grundkonflikt der amerikanischen Haushaltspolitik immer stärker in den Vordergrund: Wie lassen sich die staatlichen Leistungen finanzieren, ohne die Wirtschaft oder die politische Unterstützung der Wähler zu belasten?
Trump setzt weiter auf Wachstum
Trump argumentiert, dass vor allem stärkeres Wirtschaftswachstum das Problem lösen könne.
Seine Regierung setzt deshalb auf niedrigere Steuern, weniger Regulierung und eine wirtschaftsfreundliche Politik. Die dahinterstehende Annahme lautet, dass zusätzliche Investitionen und ein stärker wachsender Wirtschaftsraum langfristig höhere Einnahmen erzeugen können.
Trump selbst zeigte sich zuletzt ausgesprochen optimistisch. Er erklärte, das Wachstum werde das Haushaltsproblem lösen, und stellte sogar eine mögliche Steigerung der Wirtschaftsleistung um 20 Prozent jährlich in Aussicht.
Eine solche Größenordnung wäre historisch außergewöhnlich. Nach den vorliegenden Angaben wurde ein vergleichbares Wachstum seit 1947 nur einmal erreicht – im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Wiederaufschwung nach den Corona-Beschränkungen im Jahr 2020.
Haushaltsexperten halten deshalb eine Strategie, die sich allein auf Wachstum stützt, für riskant.
MacGuineas argumentiert, dass Steuersenkungen grundsätzlich möglich seien. Sie müssten jedoch mit entsprechenden Ausgabenkürzungen verbunden werden. Genau diese Verbindung sei bislang nicht ausreichend umgesetzt worden.
Was die US-Schulden für Europa bedeuten
Die Entwicklung in Washington ist auch für Deutschland und die Europäische Union relevant.
US-Staatsanleihen gehören zu den wichtigsten Anlageinstrumenten der Welt. Ihre Renditen beeinflussen die globalen Kapitalmärkte und wirken sich damit auch auf die Finanzierungskosten von Unternehmen und Staaten außerhalb der USA aus.
Für Verbraucher können steigende Zinsen ebenfalls Folgen haben. In den USA wirken sich die Renditen von Staatsanleihen beispielsweise auf Hypothekenzinsen aus. Ein anhaltend hohes Zinsniveau kann zudem Investitionen verteuern und die wirtschaftliche Entwicklung bremsen.
Für Europa kommt eine weitere Dimension hinzu: Die USA sind ein zentraler Akteur der Weltwirtschaft. Veränderungen bei US-Zinsen, Steuern, Staatsausgaben und Handelspolitik können deshalb über Finanzmärkte und Wechselkurse auch deutsche Unternehmen und Investoren erreichen.
Die US-Schuldenkrise ist damit nicht nur eine innenpolitische Frage.
Analyse: Wann wird die Verschuldung zum politischen Problem?
Die entscheidende Frage ist weniger, ob die USA hohe Schulden haben. Das tun sie seit Jahrzehnten. Entscheidend ist, ob die Schulden schneller wachsen als die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes und wie stark die Zinszahlungen den Haushalt belasten.
Solange die US-Wirtschaft ausreichend stark wächst und Anleger bereit sind, US-Staatsanleihen zu kaufen, kann Washington hohe Schulden finanzieren. Schwieriger wird die Situation, wenn gleichzeitig die Zinsen steigen, die Ausgaben zunehmen und das Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Dann verschiebt sich der politische Spielraum.
Ein künftiger Kongress oder Präsident könnte gezwungen sein, Ausgaben zu kürzen oder Steuern zu erhöhen. Besonders konfliktträchtig wären Reformen der Sozialversicherung und anderer staatlicher Leistungen.
Genau darin liegt die langfristige Gefahr: Je länger Reformen ausbleiben, desto härter könnten die später notwendigen Maßnahmen ausfallen.
Für Trump ist die Entwicklung zudem politisch heikel. Er war mit dem Versprechen angetreten, Washington effizienter zu machen und die finanzielle Belastung des Staates zu reduzieren. Die Marke von 40 Billionen Dollar zeigt nun, wie weit Anspruch und Realität auseinanderliegen.
Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um ein Problem seiner Präsidentschaft. Die Verantwortung verteilt sich über Jahrzehnte und auf beide politischen Lager. Doch Trump bestimmt als Präsident die aktuelle politische Agenda – und muss deshalb auch erklären, wie seine Regierung die Dynamik künftig bremsen will.
Der nächste Test kommt mit den Zwischenwahlen
Politisch könnte die Entwicklung bereits bei den Zwischenwahlen im November an Bedeutung gewinnen.
Dann entscheiden die Wähler darüber, ob die Republikaner in der zweiten Hälfte von Trumps letzter Amtszeit die Kontrolle über den Kongress behalten.
Die Haushaltslage dürfte dabei allerdings nicht automatisch das dominierende Wahlkampfthema werden. Viele Bürger beschäftigen sich mit Staatsverschuldung erst dann intensiv, wenn sie konkrete Auswirkungen spüren.
Dazu gehören höhere Finanzierungskosten, steigende Hypothekenzinsen, mögliche Steuererhöhungen oder Kürzungen staatlicher Leistungen.
Genau deshalb könnte die Schuldenfrage langfristig wichtiger werden, als es die aktuellen politischen Debatten vermuten lassen.
Die Marke von 40 Billionen Dollar ist letztlich weniger wegen ihrer Größe allein bemerkenswert als wegen der Entwicklung dahinter: Trotz angekündigter Einsparungen steigen die Ausgaben und die Verschuldung weiter, während gleichzeitig die Finanzierung teurer wird. Die nächste US-Regierung – unabhängig davon, welcher Partei sie angehört – dürfte deshalb vor einer schwierigen Entscheidung stehen: höhere Einnahmen, weniger Ausgaben oder ein deutlich stärkeres Wachstum. Eine einfache Lösung zeichnet sich bislang nicht ab.
Mehr zum Thema „Nordamerika“






