Wortgefecht zwischen Trump und Qalibaf: Iran kontert mit „Make America Hungry Again“
Donald Trump und der iranische Parlamentspräsident Mohammad Baqir Qalibaf haben sich am Montag einen neuen öffentlichen Schlagabtausch geliefert. Trump erklärte, der Iran befinde sich in einer schweren wirtschaftlichen Lage und werde „vollständig zusammenbrechen“, während Qalibaf mit einer Abwandlung von Trumps bekanntem Wahlkampfslogan konterte: „Make America Hungry Again“. Der Streit fällt in eine Phase, in der Washington den wirtschaftlichen Druck auf Teheran massiv erhöhen will und der Konflikt zwischen beiden Ländern weiter eskaliert.
Trump stellt Iran als wirtschaftlich geschwächt dar
Trump griff Qalibaf nach dessen Äußerungen über die wirtschaftliche Situation Irans an. Der US-Präsident verbreitete dabei nach den vorliegenden Berichten einen Ausschnitt beziehungsweise eine Darstellung von Qalibafs Aussagen, die den Eindruck erweckte, der iranische Parlamentspräsident habe eingeräumt, sein Land könne wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht mehr durchhalten. Iranische Stellen widersprachen dieser Darstellung später.
Der iranische Parlamentspräsident hatte bei einem Treffen mit iranischen und irakischen Wirtschaftsvertretern tatsächlich über die wirtschaftlichen Probleme seines Landes gesprochen. Nach Angaben des iranischen Parlaments ging es dabei jedoch vor allem darum, wie Iran und Irak gemeinsam mit den Folgen der US-Sanktionen umgehen und ihre wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit stärken können.
Qalibaf argumentierte demnach, militärische Stärke allein reiche nicht aus, wenn wirtschaftliche Aktivität und die Lebensbedingungen der Bevölkerung unter Druck gerieten. Zugleich forderte er wirtschaftliche Maßnahmen gegen die Sanktionen und eine engere Zusammenarbeit mit Partnerstaaten.
Qalibaf kontert mit Trumps eigenem Slogan
Qalibaf reagierte auf Trumps Darstellung mit einem direkten Angriff auf den US-Präsidenten. Auf X veröffentlichte er am Montag die Botschaft „MAKE AMERICA HUNGRY AGAIN!“ – eine ironische Abwandlung von Trumps Wahlkampfslogan „Make America Great Again“.
Der iranische Parlamentspräsident warf Washington zudem vor, eigene Misserfolge mit falschen Behauptungen zu verdecken. Das iranische Parlament erklärte anschließend, Trump habe Qalibafs Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen und dadurch eine falsche Darstellung erzeugt.
Damit wurde aus einer Debatte über die wirtschaftliche Lage Irans ein propagandistischer Schlagabtausch über die Lebensbedingungen in beiden Ländern.
Qalibaf verwies dabei auf Zahlen zur Ernährungsunsicherheit in den Vereinigten Staaten. In der von ihm veröffentlichten Grafik wird unter anderem die Zahl von 47 Millionen Menschen genannt, die von Ernährungsunsicherheit betroffen seien. Die Zahl sollte Trumps Darstellung der iranischen Wirtschaft mit einem Hinweis auf soziale Probleme in den USA kontern.
Wichtig ist dabei die Einordnung: Ernährungsunsicherheit bedeutet nicht automatisch, dass 47 Millionen Menschen täglich hungern. Die unterschiedlichen Statistiken zu Hunger und Food Insecurity messen verschiedene Sachverhalte. Qalibaf verwendete die Zahlen politisch, um die Aufmerksamkeit von der wirtschaftlichen Situation Irans auf die USA zu lenken.
Wirtschaftskrieg zwischen Washington und Teheran
Der Wortwechsel kommt nicht zufällig. Washington bereitet nach Angaben mehrerer aktueller Berichte eine weitere Verschärfung der Sanktionen gegen Iran vor.
US-Finanzminister Scott Bessent kündigte eine umfassende wirtschaftliche Offensive an. Unternehmen und Staaten, die weiterhin wirtschaftliche Beziehungen zu Iran unterhalten, müssen demnach mit Konsequenzen durch die USA rechnen. Die Regierung Trump setzt darauf, den wirtschaftlichen Druck so weit zu erhöhen, dass Teheran seine Position im Konflikt ändern muss.
Die wirtschaftliche Auseinandersetzung ist inzwischen eng mit dem Konflikt um die Straße von Hormus verbunden. Washington verlangt eine Wiederöffnung der strategisch wichtigen Schifffahrtsroute, während Iran mit Gegenmaßnahmen droht.
Für Europa ist diese Entwicklung besonders relevant. Eine weitere Verschärfung der Sanktionen oder eine Eskalation rund um die Straße von Hormus könnte nicht nur die Beziehungen zwischen den USA und Iran belasten, sondern auch Energiepreise, Handelswege und die wirtschaftliche Planung europäischer Unternehmen beeinflussen.
Der Streit zeigt die neue Front des Konflikts
Bemerkenswert ist, dass sich die Auseinandersetzung zunehmend auf wirtschaftliche Kennzahlen und die Lebensbedingungen der Bevölkerung verlagert. Trump will die wirtschaftliche Schwäche Irans als Beleg für den Erfolg des amerikanischen Drucks darstellen. Qalibaf versucht dagegen, die sozialen Probleme in den USA in den Mittelpunkt zu rücken.
Beide Seiten kämpfen damit auch um die öffentliche Deutung des Konflikts. Es geht nicht allein darum, wer wirtschaftlich stärker ist, sondern darum, welche Regierung ihre Bevölkerung und die internationale Öffentlichkeit davon überzeugen kann, dass ihre Strategie funktioniert.
Gerade deshalb kommt der Auseinandersetzung über Qalibafs ursprüngliche Aussage eine besondere Bedeutung zu. Der iranische Parlamentspräsident bestreitet nicht, dass sein Land vor erheblichen wirtschaftlichen Problemen steht. Er stellt jedoch die Schlussfolgerung zurück, daraus folge eine Niederlage Irans.
Die USA wiederum setzen darauf, dass der wirtschaftliche Druck Teheran zu Zugeständnissen zwingt. Der aktuelle Schlagabtausch zeigt, dass beide Seiten derzeit nicht bereit sind, die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts als Zeichen einer Niederlage anzuerkennen.
Trump Qalibaf Wortgefecht: Was als Nächstes entscheidend wird
Entscheidend wird sein, wie weit Washington seine angekündigte Sanktionspolitik tatsächlich ausweitet und wie Iran darauf reagiert. Besonders wichtig ist dabei die Frage, ob weitere Staaten und Unternehmen durch sogenannte Sekundärsanktionen unter Druck geraten.
Für die europäische Wirtschaft könnte dies schnell relevant werden. Je umfassender die US-Maßnahmen ausfallen, desto größer wird der Druck auf Unternehmen außerhalb der Vereinigten Staaten, ihre Geschäfte mit Iran zu überprüfen.
Das Wortgefecht zwischen Trump und Qalibaf ist damit mehr als ein persönlicher Schlagabtausch. Es ist Teil eines umfassenderen wirtschaftlichen und politischen Konflikts, in dem beide Seiten versuchen, Stärke zu demonstrieren und die Schwächen des Gegners hervorzuheben.
Der öffentliche Streit macht zugleich deutlich, wie stark sich der Konflikt zwischen Washington und Teheran inzwischen auf die wirtschaftliche Ebene verlagert hat. Während Trump auf maximalen Druck setzt, versucht Iran, die amerikanische Strategie als gescheitert darzustellen. Welche Darstellung sich durchsetzt, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, ob die wirtschaftlichen Maßnahmen tatsächlich zu politischen Zugeständnissen führen – oder die Konfrontation weiter verschärfen.
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