Trump im Iran-Krieg ohne klare Strategie: Harvard-Professor Stephen Walt sieht die USA in einer Sackgasse
Der amerikanische Politikwissenschaftler und Harvard-Professor Stephen Walt hält die Strategie von Präsident Donald Trump im Iran-Krieg für zunehmend problematisch. Nach Walts Einschätzung schwächt die Unberechenbarkeit der US-Politik die Position Washingtons, statt den Druck auf Teheran wirksamer zu machen. Die Iraner hätten keinen ausreichenden Grund, den öffentlichen Aussagen Trumps zu vertrauen. Für die USA und ihre europäischen Partner ist die Einschätzung deshalb relevant, weil ein anhaltender Konflikt im Nahen Osten auch politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Folgen für Europa haben kann.
Trump Iran-Krieg: Walt sieht eine politische Pattsituation
Nach Einschätzung von Stephen Walt befindet sich der Iran-Krieg derzeit in einer Pattsituation. Beide Seiten hätten demnach ein Interesse daran, die Eskalation nicht weiter voranzutreiben, warteten aber gleichzeitig darauf, dass der jeweilige Gegner unter größeren politischen oder militärischen Druck gerät.
Gerade diese Situation macht Trumps Handlungsspielraum nach Walts Ansicht kleiner. Der US-Präsident habe angekündigt, die Vereinigten Staaten stärker zu machen. Einige seiner politischen Entscheidungen hätten jedoch nach Einschätzung des Harvard-Professors das Gegenteil bewirkt.
Walt kritisiert insbesondere die fehlende Berechenbarkeit der amerikanischen Strategie. Wenn Teheran nicht einschätzen könne, welche Schritte Washington als Nächstes unternehmen werde, könne dies die amerikanische Verhandlungsposition paradoxerweise schwächen.
Warum Iran Trumps Aussagen misstrauen könnte
Ein zentraler Punkt in Walts Argumentation ist die Glaubwürdigkeit amerikanischer Zusagen. Wenn sich die Position der US-Regierung häufig verändert oder widersprüchliche Signale ausgesendet werden, wird es für die iranische Führung schwieriger, langfristige Vereinbarungen mit Washington einzugehen.
Nach Walts Einschätzung haben die Iraner deshalb keinen ausreichenden Grund, den Worten des US-Präsidenten zu vertrauen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Teheran keine Gespräche führen würde. Es erschwert jedoch eine politische Lösung, wenn beide Seiten davon ausgehen müssen, dass Zusagen später wieder verändert werden könnten.
Für Europa ist diese Frage nicht nebensächlich. Deutschland und andere EU-Staaten sind wirtschaftlich und sicherheitspolitisch eng mit den Entwicklungen im Nahen Osten verbunden. Eine längere Auseinandersetzung könnte unter anderem die Energiepreise, internationale Handelswege und die europäische Außenpolitik beeinflussen.
Stephen Walt kritisiert auch die Nahostpolitik der USA
Walt beschränkt seine Kritik nicht auf den Iran-Krieg. Der Politikwissenschaftler äußert sich auch skeptisch über die politischen Möglichkeiten einer dauerhaften Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts.
Seiner Einschätzung zufolge seien weder die Republikaner noch die Demokraten in den USA bereit, ausreichend politischen Druck auf Israel auszuüben. Dadurch seien die Möglichkeiten Washingtons begrenzt, auf eine grundlegende politische Lösung hinzuwirken.
Walt verweist zudem auf die weiterhin starke Unterstützung für das Konzept eines „Großisraels“ in Israel. Diese Einschätzung ist eine politische Bewertung des Professors und keine Feststellung über die Position aller Israelis.
Was könnte als Nächstes passieren?
Die entscheidende Frage ist nach Walts Analyse, ob Washington und Teheran einen Weg aus der Pattsituation finden können. Dafür müsste zumindest ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen entstehen.
Eine weitere Eskalation könnte dagegen die politischen Spielräume beider Seiten weiter einschränken. Gleichzeitig würde ein längerer Krieg den Druck auf Regierungen erhöhen, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen des Konflikts zu begrenzen.
Für die europäischen Staaten ist deshalb nicht nur der militärische Verlauf wichtig. Entscheidend ist auch, ob sich aus dem Konflikt ein dauerhaftes diplomatisches Format entwickeln kann.
Was die Einschätzung für Europa bedeutet
Walts Analyse ist zunächst die Einschätzung eines einzelnen Politikwissenschaftlers und sollte nicht mit einer offiziellen Bewertung der US-Regierung oder europäischer Regierungen gleichgesetzt werden. Sie verdeutlicht jedoch ein grundsätzliches Problem moderner Außenpolitik: Militärische Stärke allein garantiert noch keinen politischen Ausweg aus einem Krieg.
Für Deutschland steht dabei besonders die Frage im Vordergrund, wie Europa auf einen länger anhaltenden Konflikt reagieren würde. Je länger die Auseinandersetzung dauert, desto größer können die Auswirkungen auf Energieversorgung, Preise, Migration, internationale Sicherheit und die transatlantischen Beziehungen werden.
Die entscheidende Entwicklung wird deshalb sein, ob aus der derzeitigen Pattsituation wieder diplomatische Bewegung entsteht. Sollte das nicht gelingen, könnte Trumps Fähigkeit, den Konflikt zu beenden, zunehmend selbst zum politischen Problem für Washington werden.
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