Schlechter Schlaf trotz 8 Stunden: Studie sieht weit verbreitete Schlafprobleme bei Menschen über 50
Viele Menschen gehen davon aus, dass sechs bis acht Stunden Schlaf ausreichen, um sich am nächsten Morgen ausgeruht zu fühlen. Eine neue Studie der University of Edinburgh legt jedoch nahe, dass die Schlafdauer allein wenig über die tatsächliche Erholung aussagt. Die Untersuchung zeigt, dass ein großer Teil der über 50-Jährigen trotz der empfohlenen Schlafzeit unter einer schlechten Schlafqualität leidet. Auch für Deutschland ist das Thema relevant, da Schlafstörungen mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken verbunden sind und angesichts des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Schlechter Schlaf trotz 8 Stunden: Das zeigt die Studie
Für die in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung begleiteten Forschende 45 berufstätige Erwachsene im Alter zwischen 50 und 66 Jahren über einen Zeitraum von einem Jahr. Zur Datenerhebung wurden Smartwatches sowie Fragebögen zum Wohlbefinden eingesetzt, um Schlafdauer, nächtliches Aufwachen und die wahrgenommene Schlafqualität zu erfassen.
Die Ergebnisse fielen deutlich aus: Fast 90 Prozent der Teilnehmenden wachten regelmäßig mehrmals pro Nacht auf, obwohl die meisten durchschnittlich zwischen sechseinhalb und acht Stunden schliefen. Fast 70 Prozent litten unter anhaltenden und klinisch relevanten Schlafproblemen. Im Verlauf der Studie erfüllten rund 92 Prozent mindestens einmal die diagnostischen Kriterien für eine Schlafstörung.
Nach Einschätzung der Forschenden war das fehlende Erholungsgefühl vor allem auf wiederholte Unterbrechungen des Schlafs zurückzuführen – nicht auf eine zu kurze Schlafdauer.
Warum die Ergebnisse Aufmerksamkeit erhalten
Die in der Studie beobachtete Häufigkeit von Schlafproblemen liegt deutlich über bisherigen Schätzungen. Nach Angaben des britischen National Health Service (NHS) leidet etwa jeder dritte Mensch in Großbritannien an Schlaflosigkeit oder Schlafapnoe. Die Forschenden sehen ihre Ergebnisse deshalb als Hinweis darauf, dass Schlafprobleme bei Menschen über 50 ein wesentlich größeres Ausmaß haben könnten als bislang angenommen.
Als einen wichtigen Einflussfaktor nennen sie berufsbedingten Stress. Belastungen am Arbeitsplatz könnten sich bis in den Abend fortsetzen und die Fähigkeit beeinträchtigen, nachts ungestört zu schlafen. Aus Sicht der Wissenschaftler sollten Arbeitgeber und politische Entscheidungsträger der Schlafgesundheit daher größere Aufmerksamkeit schenken, um die Gesundheit älterer Beschäftigter langfristig zu fördern.
Schlafqualität wichtiger als Schlafdauer?
Ein bemerkenswerter Befund der Untersuchung besteht darin, dass viele Teilnehmende zunächst annahmen, sie würden zu wenig schlafen. Die Auswertung zeigte jedoch ein anderes Bild: Die meisten erreichten die empfohlene Schlafdauer, litten jedoch unter häufigen nächtlichen Unterbrechungen.
Dieser Unterschied ist für die Einordnung der Ergebnisse wichtig. Die Studie legt nahe, dass nicht allein die Anzahl der Schlafstunden entscheidend ist, sondern vor allem, ob der Schlaf über die Nacht hinweg ausreichend ungestört verläuft. Damit rückt die Schlafqualität stärker in den Mittelpunkt als die reine Schlafdauer.
Professor Athanasios Sanas, Hauptautor der Studie und Datenwissenschaftler, erklärte, er habe über viele Jahre Daten von Menschen mit Schlaf- und psychischen Erkrankungen analysiert, sei jedoch von der hohen Zahl bislang nicht erkannter Schlafprobleme in dieser Gruppe überrascht gewesen. Nach seiner Einschätzung zeigen die Ergebnisse außerdem, wie eng Gesundheit und Wohlbefinden mit einer ausgewogenen Work-Life-Balance verbunden sind.
Einordnung der Ergebnisse
Die Studie weist auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Arbeitsstress und Schlafproblemen hin. Gleichzeitig handelt es sich um eine vergleichsweise kleine Untersuchung mit 45 Teilnehmenden, sodass sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf die gesamte Bevölkerung übertragen lassen. Zudem belegt die Untersuchung keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Stress und Schlafstörungen, sondern beschreibt beobachtete Zusammenhänge innerhalb der untersuchten Gruppe.
Die Forschenden verweisen darauf, dass Schlaflosigkeit bereits mit verschiedenen schweren Erkrankungen wie Demenz, Depressionen und Krebs in Verbindung gebracht wurde. Die aktuelle Studie untersucht jedoch nicht diese Krankheiten selbst, sondern die Häufigkeit und Qualität von Schlafproblemen bei älteren Berufstätigen.
Bedeutung der Studie
Die Untersuchung verdeutlicht, dass ausreichende Schlafdauer allein kein verlässlicher Maßstab für erholsamen Schlaf ist. Wer trotz sechs bis acht Stunden Schlaf regelmäßig erschöpft aufwacht oder häufig nachts wach wird, sollte anhaltende Beschwerden medizinisch abklären lassen. Für eine alternde Gesellschaft wie Deutschland könnten Erkenntnisse über die Schlafqualität künftig eine wichtige Rolle für Prävention, Arbeitsfähigkeit und gesundes Altern spielen.
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