Giorgia Meloni knackt Italien-Rekord: Regierung seit 1413 Tagen im Amt
Giorgia Meloni steht kurz davor, einen historischen Rekord in Italien zu brechen. Am 4. September 2026 wird ihre Regierung seit 1413 Tagen ohne Unterbrechung im Amt sein – länger als jedes andere Kabinett seit Gründung der italienischen Republik im Jahr 1946. Für ein Land, das über Jahrzehnte für häufige Regierungswechsel bekannt war, ist die anhaltende Stabilität eine bemerkenswerte politische Entwicklung.
Melonis Regierung übersteht den italienischen Regierungswechsel-Zyklus
Als Meloni 2022 Ministerpräsidentin wurde, rechneten viele politische Gegner mit einem schnellen Ende ihrer Amtszeit. Italien galt als politisch schwer regierbar und war an wechselnde Koalitionen und kurzlebige Regierungen gewöhnt.
Doch Melonis Regierung blieb bestehen. Am 4. September übertrifft sie mit 1413 aufeinanderfolgenden Tagen im Amt die bisherige Bestmarke für ein einzelnes Kabinett seit Gründung der Republik.
Dabei muss zwischen Regierungsdauer und persönlicher Amtszeit unterschieden werden. Silvio Berlusconi war zusammengerechnet mehr als neun Jahre Ministerpräsident und verbrachte damit deutlich länger im Palazzo Chigi als Meloni bisher. Keines seiner einzelnen Kabinette blieb jedoch so lange ununterbrochen im Amt wie die derzeitige Regierung Melonis.
Von der Außenseiterin zur wichtigen Stimme in Europa
Melonis politische Entwicklung hat auch außerhalb Italiens für Überraschung gesorgt. Einst als besonders radikale und „gefährlichste Frau Europas“ bezeichnet, gehört sie inzwischen zu den wichtigen politischen Akteuren innerhalb der Europäischen Union.
Der auffälligste Unterschied zu früheren Erwartungen ist die Stabilität ihrer Regierung. Während Meloni im Amt blieb, wechselte Frankreich fünfmal den Premierminister, Großbritannien hatte vier Regierungschefs und Deutschland zwei Bundeskanzler.
Für die europäische Politik ist diese Kontinuität nicht nebensächlich. Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone und spielt bei Fragen der europäischen Wirtschafts-, Migrations- und Sicherheitspolitik eine wichtige Rolle. Eine stabile Regierung kann innerhalb der EU langfristiger planen und verhandeln als eine Regierung, die ständig um ihre parlamentarische Mehrheit kämpfen muss.
Meloni bleibt auch gegenüber Trump selbstbewusst
Auch das Verhältnis zu den USA stellte Meloni vor politische Herausforderungen. Zuletzt gab es Spannungen im Verhältnis zu Donald Trump, dennoch blieb die italienische Regierungschefin politisch standfest.
Meloni gilt dabei als Politikerin, die sich nicht leicht öffentlich unter Druck setzen lässt. Ihre selbstbewusste Art hat ihr auch in sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit eingebracht.
Immer wieder werden spontane Gesichtsausdrücke der Ministerpräsidentin zu Memes. Ein besonders viel beachteter Moment entstand bei einer Begegnung mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und verbreitete sich anschließend millionenfach im Internet.
Der Vergleich mit Deutschland fällt trotzdem deutlich aus
Aus deutscher Perspektive relativiert sich der italienische Rekord allerdings schnell. Helmut Kohl regierte Deutschland 16 Jahre, ebenso Angela Merkel. Meloni erreicht mit ihrem Rekord also vor allem eine historische Marke innerhalb der italienischen Republik.
Den Vergleich mit Olaf Scholz kann sie dagegen bereits für sich entscheiden. Mit 1413 Tagen im Amt wird Meloni deutlich länger Regierungschefin gewesen sein als Scholz Bundeskanzler war, der insgesamt 1245 Tage regierte.
Der eigentliche Erfolg liegt jedoch weniger in der Zahl selbst als in ihrer politischen Bedeutung. Melonis Regierung hat eine politische Kultur überstanden, in der Regierungswechsel lange als beinahe normal galten.
Stabilität statt Revolution
Melonis politisches Projekt bestand nach der vorliegenden Einschätzung nicht darin, Italien durch eine radikale Revolution umzugestalten. Der größere Erfolg könnte vielmehr darin liegen, eine Regierung über einen ungewöhnlich langen Zeitraum zusammenzuhalten.
Das erklärt auch, warum der Rekord über die reine Statistik hinausgeht. Für Italien bedeutet eine stabile Regierung mehr Kontinuität bei politischen Entscheidungen und innerhalb der europäischen Zusammenarbeit.
Meloni hat damit eine Erwartung widerlegt, die ihr zu Beginn ihrer Amtszeit häufig entgegengebracht wurde: dass eine weitere Regierung in Rom nur kurz Bestand haben würde.
Die größere Bedeutung
Der Rekord macht Meloni zu einer der beständigsten Regierungschefinnen der italienischen Nachkriegsgeschichte. Entscheidend wird nun sein, ob sie diese Stabilität auch in politische Ergebnisse übersetzen kann.
Für Italien und die EU ist die Entwicklung vor allem deshalb relevant, weil politische Kontinuität in Rom über viele Jahre keine Selbstverständlichkeit war. Melonis bisher größte Leistung könnte deshalb weniger in einem einzelnen politischen Vorhaben liegen als in etwas, das in Italien lange besonders schwierig war: im Amt zu bleiben und eine Regierung zusammenzuhalten.






