Marokko fordert „Befreiung“ von Ceuta – Spanien weist Gebietsansprüche zurück
Marokkos Minister, Ahmed Toufiq, hat erneut den Anspruch seines Landes auf die spanische Exklave Ceuta bekräftigt und die Stadt als „besetztes“ sowie marokkanisches Gebiet bezeichnet. Die Äußerungen fielen bei einer offiziellen Veranstaltung im Königspalast in Rabat in Anwesenheit von König Mohammed VI. und sorgen für neue Spannungen zwischen Marokko und Spanien. Madrid stellte bereits klar, dass Ceuta und Melilla spanische Städte und integrale Bestandteile Spaniens seien. Für die Europäische Union ist der Streit besonders relevant, weil die beiden Städte an der nordafrikanischen Außengrenze der EU liegen.
Marokko Ceuta Gebietsanspruch: Neue Forderungen aus Rabat
Toufiq erklärte nach Angaben marokkanischer Medien, Ceuta müsse „befreit“ werden. Er bezeichnete die Stadt als marokkanisches Territorium und stellte damit einen Gebietsanspruch auf eine Stadt, die politisch zu Spanien gehört.
Besondere Bedeutung erhält die Aussage durch den Ort und den Rahmen der Veranstaltung. Nach Angaben des marokkanischen Portals Assahifa äußerte sich der Minister während einer institutionellen Veranstaltung unter dem Vorsitz des Monarchen.
Es handelt sich zudem nicht um einen isolierten Vorstoß. Bereits wenige Tage zuvor hatte der marokkanische Justizminister Abdellatif Ouahbi in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender 2M ähnliche Ansprüche auf Ceuta und Melilla erhoben.
Ouahbi sprach von „historischen und geografischen Rechten“ Marokkos und äußerte zugleich die Hoffnung auf einen Dialog mit Spanien über den Status der beiden Städte.
Spanien weist den Gebietsanspruch zurück
Die spanische Regierung reagierte auf die Äußerungen mit einer klaren Position. Das spanische Außenministerium teilte der marokkanischen Regierung mit, dass Ceuta und Melilla spanische Städte seien und einen integralen Bestandteil Spaniens bildeten.
Damit stehen sich weiterhin zwei grundsätzlich unterschiedliche Positionen gegenüber. Marokko betrachtet die beiden Städte als Gebiete, die historisch zu seinem Territorium gehören sollen. Spanien weist diese Auffassung zurück und behandelt Ceuta und Melilla als Teil seines Staatsgebiets.
Der Streit ist nicht neu, gewinnt aber durch die jüngsten Äußerungen mehrerer Mitglieder der marokkanischen Regierung an politischer Aufmerksamkeit.
Für die EU ist die Frage besonders sensibel. Ceuta und Melilla liegen an der nordafrikanischen Küste und sind zugleich spanische Gebiete. Damit befinden sich dort EU-Außengrenzen unmittelbar gegenüber Marokko.
Migration verschärft die Lage in Ceuta
Die neuen Gebietsansprüche fallen zudem in eine Phase, in der Ceuta mit erheblichen migrationspolitischen Herausforderungen konfrontiert ist.
Nach den vorliegenden Angaben gelangten am 30. und 31. Juli rund 80.000 Menschen nach Ceuta. Demnach nutzten sie eine Situation aus, in der marokkanische Grenzbeamte ihre Kontrollen zeitweise nicht ausreichend durchsetzten.
In den darauffolgenden Tagen wurden mehr als 70.000 Menschen nach Marokko zurückgebracht. Dennoch blieb die Situation angespannt. Tausende Menschen hielten sich dem Bericht zufolge weiterhin in der Stadt auf und suchten unter anderem an Straßen, Stränden und Friedhöfen Schutz.
Die spanische Regierung übernahm anschließend wieder die Kontrolle über die Situation in der Exklave. Gleichzeitig kam es zu Demonstrationen von Einwohnern, die eine schnelle Rückführung der Migranten forderten.
Marokko Ceuta Gebietsanspruch – Die humanitäre Dimension
Neben der politischen Auseinandersetzung gibt es eine erhebliche humanitäre Dimension. Die Menschenrechtsorganisation Caminando Fronteras schätzte, dass bei der Massenüberquerung Ende Juli mindestens 145 Migranten ums Leben kamen.
Die Zahl verdeutlicht das Risiko, das mit großen und unkontrollierten Grenzbewegungen verbunden ist. Gleichzeitig zeigt die Situation, wie eng in Ceuta Migrationspolitik, Grenzsicherung und die Beziehungen zwischen Spanien und Marokko miteinander verbunden sind.
Für Spanien ist Ceuta deshalb weit mehr als eine lokale Frage. Die Stadt liegt an einer der sensibelsten Grenzen Europas und ist zugleich Gegenstand eines langjährigen territorialen Konflikts.
Marokko Ceuta Gebietsanspruch: Was bedeutet die Entwicklung für Spanien und die EU?
Die jüngsten Aussagen marokkanischer Minister müssen nicht zwangsläufig eine unmittelbare Veränderung des Status von Ceuta bedeuten. Sie erhöhen jedoch den politischen Druck und können die ohnehin komplizierten Beziehungen zwischen Madrid und Rabat belasten.
Besonders relevant ist dabei, dass die Forderungen von verschiedenen Mitgliedern der marokkanischen Regierung innerhalb kurzer Zeit geäußert wurden. Dass eine der Aussagen bei einer Veranstaltung unter Beteiligung von König Mohammed VI. fiel, verleiht ihr zusätzliches politisches Gewicht.
Für Deutschland und andere EU-Staaten ist die Entwicklung vor allem wegen der Bedeutung Spaniens für die gemeinsame europäische Grenz- und Migrationspolitik relevant. Jede größere Krise in Ceuta kann Auswirkungen auf die Zusammenarbeit zwischen der EU und Marokko sowie auf den Umgang mit Migration an der europäischen Außengrenze haben.
Gleichzeitig bleibt der territoriale Status nach spanischer Auffassung eindeutig: Ceuta gehört zu Spanien. Die jüngsten Forderungen aus Rabat ändern daran zunächst nichts, zeigen aber, dass der Streit um die nordafrikanischen Exklaven weiterhin politisch präsent ist.
Mehr zum Thema „Spanien„






