Nach dem FCAS-Aus: Frankreich sucht ein neues Kampfflugzeug – und Schweden rückt ins Zentrum
Der europäische Traum vom gemeinsamen Kampfflugzeug ist gescheitert. Jahrelang sollten Frankreich, Deutschland und Spanien im Future Combat Air System (FCAS) die nächste Generation europäischer Luftstreitkräfte entwickeln. Doch Streit zwischen den beteiligten Industriekonzernen legte das Projekt lahm. Nun richtet sich der Blick von Paris nach Norden – nach Schweden.
Am Freitag machte ein Sprecher des Élysée-Palastes deutlich, dass Frankreich für eine Zusammenarbeit mit Stockholm beim Bau eines Kampfflugzeugs der neuen Generation offen ist. Die Botschaft kommt wenige Tage vor dem Besuch von Präsident Emmanuel Macron in Schweden. Und sie zeigt, dass Paris nach dem Ende von FCAS offenbar nicht lange auf der Suche nach neuen Möglichkeiten bleiben will.
Nach dem Scheitern von FCAS sucht Frankreich in Schweden einen neuen Partner für ein Kampfflugzeug
Die Geschichte beginnt mit einem Projekt, das Europas technologische Unabhängigkeit stärken sollte. Frankreich, Deutschland und Spanien wollten gemeinsam ein neues Kampfflugzeugsystem entwickeln. Doch aus dem europäischen Gemeinschaftsprojekt wurde zunehmend ein Streit zwischen Industriepartnern.
Besonders die französische Dassault Aviation und Airbus Defence and Space gerieten über die Ausgestaltung des Programms aneinander. Nach rund zehn Jahren kam das Projekt schließlich im Frühjahr dieses Jahres zum Ende.
Für Frankreich ist das ein strategischer Rückschlag. Ein modernes Kampfflugzeug bedeutet nicht nur militärische Stärke. Dahinter stehen hochspezialisierte Arbeitsplätze, Triebwerkstechnologie, Forschung, Fertigungskapazitäten und jahrzehntelang aufgebaute industrielle Fähigkeiten.
Nun könnte Schweden ins Spiel kommen.
Paris entdeckt Gemeinsamkeiten mit Stockholm
Frankreich sieht offenbar mehr als nur einen möglichen Ersatz für einen verlorenen Partner. Nach Einschätzung eines französischen Beamten verfolgen beide Länder bei ihren künftigen Flugzeugen teilweise ähnliche Vorstellungen.
Gesucht werden demnach relativ kleine Kampfflugzeuge. Gleichzeitig verfügt Frankreich über Fähigkeiten, die für ein solches Projekt entscheidend sein könnten – insbesondere bei Flugzeugtriebwerken.
Genau hier liegt ein möglicher Anknüpfungspunkt. Während der schwedische Rüstungskonzern Saab mit der Gripen bereits einen eigenen Kampfjet der vierten Generation produziert, basiert dessen Triebwerk auf Kerntechnologie des US-Unternehmens GE Aerospace.
Frankreich besitzt dagegen mit Safran einen eigenen wichtigen Triebwerkshersteller. Für Paris könnte eine Zusammenarbeit deshalb nicht nur ein neues Flugzeugprojekt bedeuten, sondern auch die Möglichkeit, europäische Technologie stärker miteinander zu verbinden.
Noch gibt es allerdings keinen Vertrag. Der französische Beamte stellte ausdrücklich klar, dass bislang keine formelle Vereinbarung über eine gemeinsame Entwicklung getroffen wurde.
Zwei Konkurrenten, die sich trotzdem respektieren
Auf den ersten Blick wirkt eine Partnerschaft zwischen Saab und Dassault ungewöhnlich. Beide Unternehmen bauen Kampfflugzeuge und stehen damit auf dem internationalen Markt miteinander im Wettbewerb.
Doch gerade diese Konkurrenz könnte eine Zusammenarbeit interessant machen. Der französische Beamte beschrieb die beiden Unternehmen als Hersteller mit einem ähnlichen Ansatz und gegenseitigem Respekt. Zudem habe es bereits in der Vergangenheit Kooperationen gegeben.
Für Schweden wäre eine Annäherung an Frankreich ebenfalls strategisch interessant. Stockholm besitzt mit Saab eine eigene industrielle Kompetenz, muss aber gleichzeitig entscheiden, wie die nächste Generation seiner Kampfflugzeuge entwickelt und finanziert werden soll.
Die Entscheidung hat Zeit. Schweden wird voraussichtlich bis September 2027 über die nächsten Schritte seines Kampfflugzeugprogramms entscheiden.
Frankreich Schweden Kampfflugzeug Und Deutschland?
Für Berlin ist die Entwicklung unangenehm. Deutschland verliert mit dem Ende von FCAS nicht nur einen wichtigen gemeinsamen französischen Partner, sondern muss gleichzeitig beobachten, wie Paris nun neue industrielle Beziehungen aufbaut.
Nach dem Scheitern des Projekts hat Deutschland ebenfalls Kontakt zu Schweden aufgenommen. Damit beginnt ein Wettbewerb um Stockholm, der für die Zukunft der europäischen Luftfahrtindustrie entscheidend werden könnte.
Denn Schweden ist mehr als ein möglicher Käufer oder Partner. Das Land verfügt über jahrzehntelange Erfahrung mit der Entwicklung eigener Kampfflugzeuge und hat mit Saab einen Hersteller, der in diesem Bereich bereits eigenständig arbeitet.
Für Europa stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage: Soll die nächste Generation militärischer Luftfahrt wieder in großen multinationalen Programmen entstehen – oder setzen einzelne Staaten künftig stärker auf kleinere, flexiblere Partnerschaften?
Ein neuer Kampf um Europas Kampfflugzeug-Zukunft
Die Annäherung zwischen Paris und Stockholm steht noch ganz am Anfang. Es gibt weder einen fertigen Vertrag noch ein beschlossenes gemeinsames Flugzeug.
Doch politisch ist das Signal bereits deutlich. Frankreich sucht nach dem Ende von FCAS neue Optionen – und Schweden gehört zu den Ländern, die dabei ganz oben auf der Liste stehen.
Für Deutschland könnte daraus ein neuer Wettbewerb entstehen. Für Schweden eröffnet sich die Möglichkeit, zwischen mehreren europäischen Partnern zu wählen.
Und für Europas Rüstungsindustrie beginnt damit möglicherweise ein neues Kapitel: Nicht mehr die Frage, ob FCAS noch gerettet werden kann, steht im Mittelpunkt. Entscheidend wird vielmehr sein, wer nach dem Scheitern des Projekts die nächste europäische Allianz für das Kampfflugzeug der Zukunft schmiedet.
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