Eltern am Handy: Häufiges Scrollen kann die Sprachentwicklung von Kindern beeinflussen
Nicht nur die Bildschirmzeit von Kindern könnte für ihre Entwicklung eine Rolle spielen: Eine norwegische Studie zeigt, dass auch die Handy-Nutzung der Eltern mit der Sprachentwicklung ihrer Kinder zusammenhängen kann. Kinder im Alter von fünf Jahren, deren Eltern besonders viel Zeit am Smartphone verbrachten, zeigten eine langsamere Entwicklung des Wortschatzes. Der Zusammenhang mit der Sprachkompetenz war dabei stärker als jener zwischen der eigenen Gerätenutzung der Kinder und ihren Sprachfähigkeiten. Für Familien bedeutet das vor allem, dass die Aufmerksamkeit der Erwachsenen selbst ein wichtiger Teil des digitalen Umfelds von Kindern sein könnte.
Handy-Nutzung der Eltern beeinflusst die Kommunikation
Smartphones und Tablets können im Familienalltag leicht zu einer Ablenkung werden. Wer während gemeinsamer Zeit regelmäßig Nachrichten liest, durch soziale Medien scrollt oder andere Inhalte auf dem Smartphone betrachtet, steht dem Kind in diesen Momenten weniger für Gespräche zur Verfügung.
Gerade im frühen Kindesalter ist die Kommunikation mit Erwachsenen eine wichtige Möglichkeit, neue Wörter zu lernen und sprachliche Zusammenhänge zu verstehen. Gespräche, Fragen und gemeinsame Aktivitäten bieten Kindern zahlreiche Gelegenheiten, ihren Wortschatz zu erweitern.
Die Forscher aus Norwegen vermuten deshalb, dass nicht allein der Bildschirm selbst entscheidend ist. Vielmehr könnte die Zeit, in der Eltern durch ihr Smartphone weniger mit ihren Kindern interagieren, die sprachliche Entwicklung beeinflussen.
747 Kinder über mehrere Jahre untersucht
Die im Fachmagazin JAMA Pediatrics veröffentlichte Studie begleitete 747 norwegische Kinder über einen Zeitraum von drei Jahren. Die Kinder wurden vom fünften bis zum achten Lebensjahr beobachtet.
Zu Beginn machten die Eltern Angaben darüber, wie viel Zeit ihre Kinder durchschnittlich vor Bildschirmen verbrachten und ob sie ein eigenes Smartphone oder Tablet besaßen. Zusätzlich wurden sie nach ihrer eigenen Nutzung sozialer Medien gefragt und gebeten, die auf ihren Smartphones erfasste Bildschirmzeit anzugeben.
Die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder wurden jährlich untersucht. Im Alter von fünf, sechs und sieben Jahren absolvierten sie Tests, bei denen unter anderem geprüft wurde, wie viele Wörter sie verstanden und wie sicher sie grammatische Strukturen beherrschten.
Ein wichtiger Aspekt der Untersuchung war, dass die Forscher nicht lediglich die Sprachfähigkeiten zu einem einzigen Zeitpunkt miteinander verglichen. Sie betrachteten vielmehr, wie sich die Fähigkeiten der Kinder über die Jahre entwickelten.
Handy-Nutzung der Eltern: Besonders auffällig war der Wortschatz
Nach Angaben der Forscher war ein höherer Smartphone-Konsum der Eltern mit einer langsameren Entwicklung des Wortschatzes verbunden. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem andere mögliche Einflussfaktoren berücksichtigt wurden.
Dazu gehörten beispielsweise das Haushaltseinkommen und der Bildungsstand der Eltern. Damit versuchten die Wissenschaftler auszuschließen, dass die beobachteten Unterschiede allein auf soziale oder familiäre Rahmenbedingungen zurückzuführen waren.
Auch die eigene Gerätenutzung der Kinder spielte eine Rolle. Fünfjährige Kinder, die über ein eigenes Tablet oder Smartphone verfügten, wiesen zunächst geringere Sprachkenntnisse auf als Gleichaltrige ohne solche Geräte.
Interessanterweise verschwand dieser Unterschied bis zum siebten Lebensjahr. Das deutet darauf hin, dass die Zusammenhänge zwischen digitaler Mediennutzung und Sprachentwicklung nicht zwangsläufig dauerhaft sind.
Warum gemeinsame Aufmerksamkeit so wichtig ist
Die Forscher sehen eine mögliche Erklärung in der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern. Smartphones können die Aufmerksamkeit der Erwachsenen unterbrechen, selbst wenn sie nur für kurze Zeit genutzt werden.
Für ein Kind kann ein solcher Moment bedeuten, dass ein Gespräch nicht weitergeführt wird, eine Frage unbeantwortet bleibt oder eine gemeinsame Aktivität unterbrochen wird. Über viele Situationen hinweg könnte sich dadurch die Menge an sprachlicher Interaktion verringern.
Dabei geht es nicht darum, jede Smartphone-Nutzung in Gegenwart eines Kindes als problematisch einzustufen. Entscheidend ist vielmehr, wie häufig das Gerät die gemeinsame Aufmerksamkeit verdrängt.
Was Eltern aus den Ergebnissen mitnehmen können
Die Studienergebnisse sprechen nicht für ein grundsätzliches Verbot von Smartphones im Familienalltag. Sie legen jedoch nahe, dass Eltern ihre eigene Bildschirmzeit bewusster betrachten sollten.
Besonders während gemeinsamer Mahlzeiten, beim Spielen, Vorlesen oder bei Gesprächen kann es sinnvoll sein, das Smartphone bewusst beiseitezulegen. Dadurch entsteht mehr Raum für direkte Kommunikation und gemeinsame Aufmerksamkeit.
Auch die norwegische Regierung hatte Anfang des Jahres vor einem übermäßigen Fernsehkonsum bei Kindern gewarnt und für Zwei- bis Fünfjährige eine Begrenzung der Bildschirmzeit auf maximal eine Stunde täglich empfohlen.
Die frühe Kindheit ist eine wichtige Entwicklungsphase
Die Forscher weisen darauf hin, dass ein großer Teil der Gehirnentwicklung bereits in den ersten Lebensjahren stattfindet. Deshalb ist diese Phase für den Erwerb sprachlicher Fähigkeiten besonders bedeutsam.
Kinder lernen Sprache nicht nur durch das Hören von Wörtern, sondern auch durch den direkten Austausch mit anderen Menschen. Sie reagieren auf Fragen, beobachten Gesichtsausdrücke, stellen selbst Fragen und lernen, wie Sprache in unterschiedlichen Situationen eingesetzt wird.
Genau diese Interaktionen können durch häufige digitale Ablenkungen im Alltag reduziert werden. Das macht die Smartphone-Nutzung der Eltern zu einem interessanten, bislang weniger beachteten Faktor in der Diskussion über Bildschirmzeit.
Die größere Bedeutung
Die norwegische Untersuchung erweitert die Debatte über Kinder und digitale Medien um eine entscheidende Perspektive. Nicht nur die Frage, wie lange ein Kind selbst auf einen Bildschirm schaut, könnte relevant sein, sondern auch, wie häufig ein Smartphone die Aufmerksamkeit seiner Eltern beansprucht.
Die Ergebnisse beweisen nicht, dass elterliche Handynutzung allein eine verzögerte Sprachentwicklung verursacht. Sie zeigen jedoch einen Zusammenhang, der für den Familienalltag praktisch relevant sein kann: Wenn Eltern während gemeinsamer Zeit weniger auf den Bildschirm und mehr auf ihre Kinder schauen, entstehen mehr Möglichkeiten für direkte Kommunikation – und damit auch für Sprachelernen.
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