Anschlag auf Kraftwerk bei Jänschwalde: Polizei bestätigt Explosionen
Explosionen an einem wichtigen Knotenpunkt der Energieversorgung sorgen in Brandenburg für einen Großeinsatz. Am Dienstagmorgen wurden an einem Umspannwerk in Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße mehrere unkonventionelle Brand- und Sprengvorrichtungen entdeckt, von denen nach Polizeiangaben nicht alle detoniert waren. Die Anlage liegt unweit des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde, des größten Kraftwerks Brandenburgs. Ein Kraftwerksblock fiel nach dem Vorfall technisch aus, ein Stromausfall für die Bevölkerung konnte jedoch verhindert werden.
Anschlag auf Kraftwerk Jänschwalde: Explosionen und Sprengvorrichtungen bei Jänschwalde
Kurz vor 8 Uhr ging bei der Polizei ein Notruf von Mitarbeitern des Umspannwerks ein. Sie meldeten Beschädigungen an mehreren Oberleitungen der Anlage in Turnow-Preilack.
Rund 40 Minuten später bestätigten Einsatzkräfte die Schäden vor Ort. Gleichzeitig entdeckten sie mehrere verdächtige Gegenstände. Daraufhin wurden Spezialisten zur Entschärfung hinzugezogen.
Nach Angaben einer Sprecherin des Polizeipräsidiums Brandenburg handelte es sich um mehrere sogenannte unkonventionelle Brand- und Sprengvorrichtungen. Einige davon seien nicht explodiert.
Die Polizei nahm den Vorfall nach eigenen Angaben „sehr ernst“. Die Ermittlungen wurden vom Landeskriminalamt Brandenburg übernommen.
Nach Informationen der „Bild“ sollen bei dem Angriff auch selbstgebaute Pyrotechnik beziehungsweise Raketen verwendet worden sein. Die Polizei bestätigte diese konkrete Darstellung bislang nicht.
Kraftwerk Jänschwalde von technischem Ausfall betroffen
Das Umspannwerk in Turnow-Preilack hat für die regionale Energieversorgung eine besondere Bedeutung. Über die Anlage wird der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz eingespeist.
Der Betreiber LEAG geht nach dem Fund der Sprengvorrichtungen von einem Anschlag aus. Nach Angaben des Unternehmens kam es infolge des Vorfalls zu einem technischen Ausfall von Block B des Kraftwerks.
Ein Sprecher erklärte, der Angriff habe sich gegen das Umspannwerk gerichtet, über das der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugte Strom in das Übertragungsnetz von 50Hertz eingespeist werde. Ob der technische Ausfall tatsächlich unmittelbar mit dem Angriff zusammenhängt, wird derzeit geprüft.
Für die Bevölkerung hatte der Vorfall nach den bisher bekannten Informationen keine direkten Auswirkungen. Ein Stromausfall konnte verhindert werden.
50Hertz bestätigt Schäden an Leitungen
Auch der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz bestätigte am Dienstagmittag einen Vorfall. Nach Angaben des Unternehmens verursachten bislang unbekannte Täter mutmaßlich Sachbeschädigungen an mehreren Leitungen im Übertragungsnetz.
Dabei sei es zu einer kurzzeitigen Leitungsunterbrechung gekommen. Die Identität der Täter und deren mögliches Motiv sind bislang unbekannt.
50Hertz appellierte an die Bevölkerung, verdächtige Personen oder ungewöhnliche Vorkommnisse der Polizei zu melden. Die Ermittler müssen nun unter anderem klären, wie die Täter auf das Gelände gelangen konnten, welche Schäden tatsächlich entstanden und ob sämtliche aufgefundenen Vorrichtungen mit dem Angriff zusammenhängen.
Anschlag auf Kraftwerk Jänschwalde: Warum der Angriff auf die Energieinfrastruktur brisant ist
Der Vorfall ist nicht nur wegen der Schäden an einer einzelnen Anlage relevant. Das betroffene Umspannwerk steht in direktem Zusammenhang mit der Einspeisung des Stroms aus dem Kraftwerk Jänschwalde in das überregionale Netz.
Das Braunkohlekraftwerk verfügt nach Angaben der LEAG über eine installierte Leistung von 1.500 Megawatt und ist damit das größte Kraftwerk Brandenburgs. Ein Angriff auf die angeschlossene Infrastruktur kann deshalb grundsätzlich eine größere Bedeutung haben als eine gewöhnliche Sachbeschädigung.
Gleichzeitig sollte zwischen dem bekannten Schaden und möglichen weitergehenden Folgen unterschieden werden. Nach den bisher vorliegenden Informationen blieb die Stromversorgung der Bevölkerung stabil. Auch das tatsächliche Ausmaß des technischen Ausfalls und seine Ursache sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Ermittler untersuchen möglichen Anschlag
Im Mittelpunkt steht nun die Spurensicherung. Da mehrere verdächtige Brand- und Sprengvorrichtungen entdeckt wurden und Entschärfer eingesetzt werden mussten, wird der Tatort besonders gründlich untersucht.
Das Landeskriminalamt übernimmt die Ermittlungen. Die Beamten müssen unter anderem rekonstruieren, wann die Täter das Gelände erreicht haben könnten und wie die Beschädigungen an den Leitungen entstanden sind.
Noch ist nicht bekannt, wer hinter dem möglichen Anschlag steckt. Ebenso gibt es bislang keine gesicherten Angaben zu einem Motiv.
Für Brandenburg und die deutsche Energieinfrastruktur ist der Fall dennoch ein Warnsignal. Er zeigt, wie verwundbar kritische Anlagen grundsätzlich sein können – und wie wichtig es ist, Schäden schnell zu erkennen, verdächtige Gegenstände fachgerecht zu sichern und die Stromversorgung auch bei Störungen stabil zu halten.
Die Ermittlungen sollen nun klären, ob es sich tatsächlich um einen gezielten Anschlag handelte und wer dafür verantwortlich ist. Bis dahin bleiben die Hintergründe der Explosionen und der gefundenen Sprengvorrichtungen offen.
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