563.200 Ausländer in Sachsen und Sachsen-Anhalt: Warum Migration zum zentralen AfD-Thema wird
In Sachsen und Sachsen-Anhalt lebten Ende 2025 zusammen 563.200 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. In Sachsen waren es 371.045, in Sachsen-Anhalt 192.155. Die Zahlen liegen im Vergleich zu vielen westdeutschen Ländern relativ niedrig – dennoch gehört Migration zu den wichtigsten politischen Themen der AfD, besonders im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wie viele Ausländer dort leben, sondern warum Migration politisch eine so große Bedeutung bekommen hat.
563.200 ausländische Staatsangehörige in Sachsen und Sachsen-Anhalt
Die Zahlen des Ausländerzentralregisters zeigen für Sachsen Ende 2025 insgesamt 371.045 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. In Sachsen-Anhalt waren es 192.155. Zusammengenommen ergibt das 563.200 Personen.
Dabei ist eine statistische Unterscheidung wichtig: „Ausländische Staatsangehörige“ und „Menschen mit Migrationsgeschichte“ sind nicht dasselbe. Wer eingebürgert wurde und einen deutschen Pass besitzt, wird in der Statistik der ausländischen Bevölkerung nicht mehr als Ausländer gezählt.
Auch innerhalb der beiden Länder ist die Entwicklung unterschiedlich. In Sachsen-Anhalt stieg die Zahl der ausländischen Staatsangehörigen innerhalb von zehn Jahren von 83.051 im Jahr 2015 auf 192.155 im Jahr 2025. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als 109.000 Menschen.
In Sachsen lag der Anteil der ausländischen Bevölkerung nach der Bevölkerungsfortschreibung Ende 2025 bei 8,4 Prozent. Die AZR-Zahl von 371.045 ist dabei nicht identisch mit der Bevölkerungsfortschreibung, weshalb bei Vergleichen die jeweilige statistische Quelle genannt werden sollte.
Warum Migration für die AfD trotzdem so wichtig ist
Dass Sachsen und Sachsen-Anhalt weniger Ausländer haben als beispielsweise Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Baden-Württemberg, bedeutet nicht, dass Migration dort politisch keine Rolle spielt.
Gerade in Sachsen-Anhalt ist Migration im aktuellen Wahlkampf ein zentrales Thema. Der Landtag wird am 6. September 2026 neu gewählt. In aktuellen Umfragen liegt die AfD deutlich vor der CDU; eine am 20. August veröffentlichte Übersicht des Deutschlandfunks beschreibt die Partei als führend und eine Alleinregierung zumindest rechnerisch als möglich.
Migration eignet sich für die AfD dabei als politisches Sammelthema. Die Partei verbindet Zuwanderung mit Fragen der inneren Sicherheit, staatlichen Kontrolle, Sozialleistungen, Integration und demografischen Entwicklung.
Im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt stehen unter anderem eine Begrenzung der Migration sowie eine „Abschiebe- und Remigrationsoffensive“. Die Partei argumentiert, die Aufnahmekapazitäten des Landes seien erschöpft.
Das erklärt allerdings noch nicht, warum das Thema bei Wählern so stark verfängt. Dafür müssen auch andere Faktoren betrachtet werden.
Die Zahl allein erklärt den politischen Erfolg nicht
563.200 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit sind eine beträchtliche Zahl. Sie sagt aber wenig darüber aus, wie Migration im Alltag tatsächlich erlebt wird.
Ein Teil der ausländischen Bevölkerung arbeitet, studiert, macht eine Ausbildung oder lebt bereits seit vielen Jahren in Deutschland. In Sachsen-Anhalt waren im Januar 2026 rund 70.000 Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, außerdem befanden sich rund 4.000 ausländische Jugendliche in einer Berufsausbildung.
Auch die Zusammensetzung ist vielfältig. In Sachsen-Anhalt stellten Ende 2025 Menschen mit ukrainischer Staatsangehörigkeit mit 38.950 Personen die größte ausländische Gruppe. Danach folgten Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit mit 29.165 und polnischer Staatsangehörigkeit mit 14.415.
Eine pauschale Bezeichnung dieser unterschiedlichen Gruppen als „Migranten“ würde deshalb wichtige Unterschiede verwischen.
Warum die AfD gerade jetzt auf Migration setzt
Der politische Zeitpunkt spielt eine entscheidende Rolle. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet in weniger als zwei Wochen statt, und die AfD versucht, aus ihrer derzeitigen Stärke einen Regierungsanspruch abzuleiten.
Reuters berichtete am 23. August, dass die AfD Sachsen-Anhalt als möglichen Ausgangspunkt für einen größeren bundespolitischen Erfolg betrachtet. In den dort genannten Umfragen lag sie bei 41 Prozent, die CDU bei 24 Prozent.
Migration ist dabei nicht das einzige Thema. Die AfD spricht ebenso über wirtschaftliche Probleme, Energiepreise, Ost-West-Unterschiede, politische Repräsentation und ihre Kritik an den etablierten Parteien.
Migration hat jedoch einen besonderen Vorteil für die Partei: Sie ermöglicht eine klare Abgrenzung von CDU, SPD, Grünen und Linken und bietet der AfD die Möglichkeit, sich als grundsätzlich andere politische Kraft darzustellen.
Der interessante Widerspruch im Osten
Gerade hier liegt der vielleicht interessanteste Punkt: Die politische Bedeutung von Migration entspricht nicht automatisch ihrem statistischen Anteil an der Bevölkerung.
Sachsen-Anhalt gehört weiterhin zu den Bundesländern mit vergleichsweise wenigen Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Gleichzeitig ist Migration laut MDR bei vielen Menschen im Land eines der drängendsten politischen Themen.
Das bedeutet nicht, dass die Sorgen der Bevölkerung grundsätzlich unbegründet sind. Wohnraum, Integration, Schulen, kommunale Finanzen, Sicherheitsfragen und die Aufnahme von Geflüchteten können reale Herausforderungen darstellen.
Es bedeutet aber ebenso wenig, dass die Zahl von 192.155 Ausländern in Sachsen-Anhalt automatisch erklärt, warum die AfD bei 41 Prozent liegt. Wahlentscheidungen entstehen aus einer Kombination verschiedener Faktoren.
Migration als Symbol für größere Unzufriedenheit
Für einen Teil der AfD-Wählerschaft kann Migration deshalb auch als Symbol für eine umfassendere Unzufriedenheit mit der Politik dienen. Die Debatte handelt dann nicht ausschließlich von der Frage, wie viele Menschen nach Deutschland kommen.
Sie berührt auch das Gefühl, dass der Staat seine Grenzen nicht ausreichend kontrolliert, dass politische Entscheidungen zu weit von den Bürgern entfernt getroffen werden oder dass sich wirtschaftliche und soziale Probleme verschärfen.
Die AfD versucht, diese unterschiedlichen Unzufriedenheiten unter einem politischen Dach zusammenzuführen. Migration ist dafür besonders geeignet, weil das Thema unmittelbar mit staatlicher Kontrolle, Identität und der Frage verbunden wird, wer dauerhaft zur Gesellschaft gehören soll.
Was die Zahlen tatsächlich zeigen
Die Fakten erlauben eine nüchterne Bilanz: Ende 2025 lebten in Sachsen 371.045 und in Sachsen-Anhalt 192.155 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Zusammen waren es 563.200. Gleichzeitig ist die ausländische Bevölkerung in beiden Ländern langfristig gewachsen, besonders deutlich in Sachsen-Anhalt.
Diese Zahlen erklären jedoch nicht allein den Erfolg der AfD. Sie zeigen vielmehr, dass die politische Debatte über Migration nicht ausschließlich von der absoluten Zahl der ausländischen Bevölkerung bestimmt wird.
Für die AfD ist Migration ein strategisch wichtiges Thema, weil sie damit mehrere politische Konfliktlinien gleichzeitig ansprechen kann. Für die anderen Parteien besteht die Herausforderung darin, auf konkrete Probleme bei Migration und Integration zu reagieren, ohne die gesamte Debatte auf eine einzige Bevölkerungsgruppe zu reduzieren.
Gerade Sachsen-Anhalt zeigt damit, wie stark politische Wahrnehmung und statistische Realität auseinanderfallen können. Die 563.200 ausländischen Staatsangehörigen sind eine wichtige Zahl – aber sie sind nicht allein die Erklärung für die Stärke der AfD.
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