Studie: Weniger Zucker in der Kindheit könnte das Demenzrisiko im Alter verringern
Wie stark die Ernährung in den ersten Lebensjahren die Gesundheit Jahrzehnte später beeinflusst, beschäftigt die Forschung seit Langem. Eine neue Studie liefert nun Hinweise darauf, dass ein hoher Zuckerkonsum in der frühen Kindheit mit einem erhöhten Demenzrisiko im späteren Leben zusammenhängen könnte. Die in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlichte Untersuchung basiert auf historischen Daten aus Großbritannien. Für Menschen in Deutschland ist das Thema relevant, da Ernährungsempfehlungen für Kinder und Schwangere regelmäßig diskutiert werden. Die Forschenden betonen jedoch ausdrücklich, dass ihre Ergebnisse keinen direkten Ursache-Wirkungs-Nachweis liefern.
Zucker in der Kindheit: Was die Studie untersucht hat
Für die Untersuchung analysierten Wissenschaftler der Hong Kong University of Science and Technology Gesundheitsdaten von 64.737 in Großbritannien geborenen Menschen. Die Forschenden nutzten dabei eine besondere historische Situation: die Zuckerrationierung während und nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Teilnehmenden wurden danach eingeteilt, ob Zucker bereits vor ihrer Geburt sowie im ersten oder zweiten Lebensjahr rationiert war oder ob sie keinen entsprechenden Einschränkungen ausgesetzt waren.
Ab einem Durchschnittsalter von 55 Jahren wertete das Forschungsteam die Krankenakten der Teilnehmenden über einen Zeitraum von 15 Jahren aus, um festzustellen, bei wem eine Demenz diagnostiziert wurde.
Von den 15.256 Personen, die vor der Geburt und während der ersten beiden Lebensjahre nur eingeschränkten Zugang zu Zucker hatten, entwickelten nach den vorliegenden Daten rund zwei Prozent eine Demenz.
Hinweise auf langfristige Auswirkungen der frühen Ernährung
Studienleiter Professor Jiazhen Zheng erklärte, die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass eine geringere Zuckeraufnahme in der frühen Kindheit langfristig positive Auswirkungen auf die Gehirngesundheit haben könnte. Nach seiner Einschätzung unterstreichen die Daten die mögliche Bedeutung der Ernährung in den ersten Lebensjahren für das Demenzrisiko viele Jahrzehnte später.
Die Studie verweist außerdem auf einen möglichen Zusammenhang während der Schwangerschaft. Den Angaben zufolge könnte ein geringerer Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel durch Schwangere das spätere Demenzrisiko ihrer Kinder um etwa 20 Prozent senken.
Diese Beobachtungen beruhen auf den statistischen Auswertungen der untersuchten Bevölkerungsgruppen und stellen nach Angaben der Forschenden keinen Beweis für einen direkten Schutzeffekt dar.
Warum die Ergebnisse mit Vorsicht zu bewerten sind
Ein wesentlicher Aspekt der Untersuchung ist ihre wissenschaftliche Einordnung. Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass ihre Analyse nicht nachweist, dass weniger Zucker Demenz unmittelbar verhindert. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die Zusammenhänge beschreibt, jedoch keine Kausalität belegen kann.
Dennoch sehen Fachleute die Ergebnisse im Einklang mit weiteren wissenschaftlichen Hinweisen darauf, dass Zucker und der Blutzuckerstoffwechsel die Funktion des Gehirns beeinflussen könnten.
Die Studie verweist zudem auf frühere Untersuchungen, nach denen Menschen mit dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten ein um 69 Prozent höheres Risiko haben könnten, an Alzheimer zu erkranken. Die aktuelle Untersuchung überprüfte diesen Zusammenhang jedoch nicht selbst, sondern nennt ihn als ergänzenden wissenschaftlichen Kontext.
Bedeutung für Deutschland
Auch in Deutschland empfehlen Fachgesellschaften und Gesundheitsorganisationen, den Konsum zugesetzten Zuckers insbesondere bei Kindern möglichst gering zu halten. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse liefern einen weiteren möglichen Hinweis darauf, dass eine ausgewogene Ernährung nicht nur kurzfristige Auswirkungen auf Gewicht oder Stoffwechsel haben könnte, sondern unter Umständen auch langfristig für die Gehirngesundheit bedeutsam ist.
Gleichzeitig reichen die vorliegenden Daten nicht aus, um bestehende Ernährungsempfehlungen allein auf Grundlage dieser Studie grundlegend zu verändern. Weitere Untersuchungen werden erforderlich sein, um die beobachteten Zusammenhänge in anderen Bevölkerungsgruppen zu überprüfen und mögliche biologische Mechanismen besser zu verstehen.
Bedeutung der Studie
Die Untersuchung erweitert die wissenschaftliche Diskussion über den Einfluss früher Ernährung auf die Gesundheit im Alter. Sie deutet darauf hin, dass der Zuckerkonsum in Schwangerschaft und früher Kindheit langfristig mit dem Demenzrisiko zusammenhängen könnte. Zugleich machen die Forschenden deutlich, dass ihre Ergebnisse als Hinweis und nicht als Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zu verstehen sind. Weitere Forschung wird notwendig sein, bevor sich daraus konkrete Aussagen zur Demenzprävention ableiten lassen.
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