Waldbrände weltweit: Warum einzelne Feuer nicht den globalen Trend zeigen
Waldbrände haben in diesem Sommer erneut für Schlagzeilen gesorgt: In Frankreich, Griechenland und Spanien standen große Flächen in Flammen, während Rauch aus kanadischen Bränden bis nach New York zog. Auch Deutschland war betroffen, unter anderem bei Monschau und im Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig zeichnet sich bei der weltweit verbrannten Fläche ein anderes Bild ab: Nach den von Klimaökonom Björn Lomborg angeführten Satellitendaten liegt sie deutlich unter früheren Durchschnittswerten. Das bedeutet jedoch nicht, dass einzelne Regionen nicht mit zunehmenden Brandrisiken konfrontiert sein können.
Waldbrände weltweit: Die globale Brandfläche ist zurückgegangen
Lomborg verweist auf Daten des europäischen Erdbeobachtungssystems Copernicus. Nach seiner Darstellung lag die weltweit verbrannte Fläche bis zum 19. August 2026 rund 41 Prozent unter dem Normalwert.
Besonders deutlich soll der Rückgang demnach in Afrika, Nordamerika und Südamerika ausfallen. Lomborg spricht für diese Kontinente von sehr niedrigen Werten und kommt zu dem Schluss, dass die Welt insgesamt derzeit weniger Fläche durch Feuer verliert.
Eine wichtige Einschränkung ist allerdings nötig: Eine globale Statistik über verbrannte Flächen sagt nicht automatisch etwas darüber aus, wie gefährlich einzelne Waldbrände für Menschen sind. Ein Feuer in der Nähe einer Stadt kann erhebliche Schäden verursachen, selbst wenn die weltweit verbrannte Gesamtfläche gleichzeitig sinkt.
Warum die Schlagzeilen ein anderes Bild vermitteln können
Die Wahrnehmung des Brandgeschehens wird stark von besonders schweren Ereignissen geprägt. Wenn in einem dicht besiedelten europäischen Urlaubsgebiet große Feuer ausbrechen oder Rauch kilometerweit transportiert wird, erreichen die Bilder schnell ein internationales Publikum.
Das kann zu einem verzerrten Eindruck führen, wenn gleichzeitig weniger spektakuläre Brände in dünn besiedelten Regionen statistisch stärker ins Gewicht fallen. Genau auf diesen Unterschied zwischen regionalen Ereignissen und globalen Trends zielt Lomborgs Kritik.
Nach seinen Angaben lagen die USA bis zum 5. August 20 Prozent unter ihrem Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2025. Für Asien nennt er einen Rückgang von 41 Prozent und für Afrika von 44 Prozent.
Die Zahlen stammen aus einer Interpretation von Satellitendaten. Für eine Bewertung des langfristigen Brandrisikos müssen jedoch weitere Faktoren berücksichtigt werden – etwa Temperatur, Niederschlag, Vegetation, Landnutzung und die Entwicklung einzelner Regionen.
Was der Rückgang der Feuer mit der Landnutzung zu tun hat
Ein häufig übersehener Punkt bei globalen Waldbrandstatistiken ist die Veränderung der Landnutzung. Ein erheblicher Teil der weltweit verbrannten Fläche entfällt nicht auf spektakuläre Waldbrände, sondern auf Feuer in Grasland und Savannen.
Der Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski verweist in diesem Zusammenhang auf einen langfristigen Rückgang solcher Brände. Als mögliche Gründe nennt er veränderte Landnutzung, schnellere Feuerwehreinsätze und eine Verringerung von Rodungsfeuern.
Das ist für die Interpretation globaler Zahlen entscheidend. Wenn beispielsweise in großen Regionen Afrikas oder Südamerikas weniger Savannen- und Graslandflächen brennen, kann die globale Brandfläche erheblich sinken, während gleichzeitig das Risiko schwerer Waldbrände in bestimmten Teilen Europas steigt.
Globaler Rückgang und regional steigendes Risiko schließen sich daher nicht grundsätzlich aus.
Klimawandel bleibt ein wichtiger Faktor
Lomborg bestreitet nach eigenen Angaben nicht den Klimawandel. Er räumt ein, dass höhere Temperaturen und trockenere Bedingungen die Voraussetzungen für bestimmte Waldbrände verschärfen können.
Seine Kritik richtet sich vielmehr gegen die Vorstellung, dass eine teure Klimapolitik allein die effektivste Möglichkeit sei, Menschen unmittelbar vor Waldbränden zu schützen. Er setzt stärker auf Maßnahmen, die direkt an der Brandentstehung und Waldpflege ansetzen.
Dazu gehören nach seiner Einschätzung eine bessere Forstwirtschaft, kontrollierte Feuer und weitere Maßnahmen zur Brandprävention.
Diese Argumentation sollte allerdings nicht mit der Aussage gleichgesetzt werden, dass der Klimawandel für Waldbrände keine Rolle spiele. Die beiden Fragen sind voneinander zu trennen: Wie groß ist die weltweit verbrannte Fläche? und wie verändern sich die Bedingungen für gefährliche Brände in einer bestimmten Region?
Deutschland zeigt einen ähnlichen langfristigen Trend
Auch für Deutschland wird in dem vorliegenden Zusammenhang auf einen langfristigen Rückgang der von Bränden betroffenen Fläche verwiesen. Als mögliche Gründe werden strengere Vorsorgemaßnahmen und eine veränderte forstliche Bewirtschaftung genannt.
Das steht nicht im Widerspruch zu schweren Einzelereignissen. Brände wie jene im Raum Monschau oder im Hürtgenwald können für die betroffene Bevölkerung, Einsatzkräfte und Natur erhebliche Folgen haben, selbst wenn die Gesamtfläche Deutschlands langfristig weniger stark von Feuer betroffen ist.
Für Deutschland ist deshalb vor allem die regionale Entwicklung relevant. Entscheidend sind nicht allein globale Durchschnittswerte, sondern auch die Frage, wo Wälder besonders trocken sind, wie gut sie bewirtschaftet werden und wie schnell Feuer erkannt und bekämpft werden können.
Waldbrände weltweit: Was die Daten tatsächlich aussagen
Die vorliegenden Zahlen liefern einen wichtigen Hinweis gegen eine allzu einfache Erzählung: Mehr spektakuläre Waldbrandbilder bedeuten nicht automatisch, dass weltweit immer mehr Land verbrennt.
Gleichzeitig wäre es ebenso verkürzt, aus sinkenden globalen Brandflächen zu schließen, Waldbrände seien durch den Klimawandel generell kein zunehmendes Problem. Globale Durchschnittswerte können regionale Entwicklungen verdecken.
Für Leser in Deutschland ist deshalb die Kombination beider Perspektiven entscheidend. Die langfristige Entwicklung der Brandflächen, die Ursachen der Brände und die regionalen Auswirkungen müssen getrennt betrachtet werden.
Die überraschend niedrige globale Brandfläche ist damit vor allem eines: ein Hinweis darauf, dass die Entwicklung komplexer ist, als es die Bilder einzelner Katastrophen vermuten lassen. Für den Schutz vor Waldbränden bleiben Prävention, Waldmanagement und ein leistungsfähiger Katastrophenschutz ebenso relevant wie die Beobachtung klimatischer Veränderungen.
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