USA und Iran: Gespräche festgefahren – Straße von Hormus bleibt zentraler Streitpunkt
Die Gespräche zwischen den USA und Iran kommen im Konflikt um die Straße von Hormus weiterhin nicht entscheidend voran. US-Präsident Donald Trump behauptet, die USA hätten die „vollständige Kontrolle“ über die strategische Wasserstraße, während Teheran dies entschieden zurückweist und eine vollständige Öffnung an politische Bedingungen knüpft. Parallel versuchen Oman und Pakistan, neue Verhandlungen beziehungsweise eine Regelung für den Schiffsverkehr zu ermöglichen. Für Deutschland ist die Entwicklung besonders relevant, weil durch die Straße von Hormus ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Flüssigerdgastransports läuft.
USA Iran Gespräche: Warum der Durchbruch ausbleibt
Der zentrale Streitpunkt ist derzeit die Kontrolle und Nutzung der Straße von Hormus. Iran erklärt, die Wasserstraße bleibe blockiert, solange Washington nicht auf zentrale Forderungen Teherans eingeht. Die iranische Behörde für die Straße von Hormus erklärte am Mittwoch, wiederholte Aussagen amerikanischer Regierungsvertreter über eine Öffnung änderten nichts an der tatsächlichen Situation.
Trump hält dagegen an seiner Darstellung fest, die USA hätten die vollständige Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge. Damit stehen sich zwei grundsätzlich unterschiedliche Darstellungen gegenüber. Eine unabhängige Bestätigung, dass eine Seite die Straße vollständig kontrolliert, lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.
Iranische Vertreter betonen zugleich, dass Schiffe derzeit nur unter bestimmten Bedingungen passieren könnten. Außenminister Abbas Araghchi warf Washington am Donnerstag eine Fehlkalkulation vor und bezeichnete das amerikanische Vorgehen in der Straße von Hormus als besonders problematisch.
Oman versucht, den Schiffsverkehr wieder möglich zu machen

Eine direkte Verhandlung zwischen Washington und Teheran findet nach iranischer Darstellung derzeit nicht statt. Stattdessen konzentrieren sich die wichtigsten laufenden Gespräche auf Iran und Oman, das bei der Suche nach einer Regelung für den Schiffsverkehr vermittelt.
Im Mittelpunkt stehen sichere Routen, über die Handelsschiffe die Meerenge passieren könnten. Nach iranischen Angaben haben die beiden Seiten bereits Koordinaten für solche Schifffahrtswege vereinbart. Eine solche Einigung würde allerdings nicht automatisch bedeuten, dass die Straße vollständig und ohne weitere politische Bedingungen geöffnet wird.
Genau darin liegt das Problem: Eine technische Lösung für sichere Schifffahrtsrouten und eine politische Vereinbarung über die vollständige Öffnung sind zwei unterschiedliche Fragen.
Katar unterstützt die Vermittlungsbemühungen. Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Majed al-Ansari, erklärte, die Gespräche zwischen Iran und Oman seien weit fortgeschritten und Ziel der Vermittler sei eine möglichst schnelle Wiederaufnahme des Handelsverkehrs.
Pakistan versucht, USA und Iran wieder an den Verhandlungstisch zu bringen
Auch Pakistan bemüht sich um eine diplomatische Lösung. Nach Angaben aus dem vorliegenden Bericht arbeitet Islamabad daran, die USA und Iran wieder direkt an den Verhandlungstisch zu bringen.
Innenminister Mohsin Naqvi führte dazu Gespräche mit hochrangigen iranischen Vertretern. Zuvor hatten die USA und Iran bereits Gespräche geführt, bevor die diplomatischen Bemühungen durch die erneute militärische Eskalation ins Stocken gerieten.
Der entscheidende Unterschied zur aktuellen Oman-Initiative: Während Oman vor allem beim Schiffsverkehr durch Hormus vermittelt, soll Pakistan helfen, die Grundlage für umfassendere Gespräche über das Ende des Konflikts zu schaffen.
Die Forderungen liegen weit auseinander
Teheran hat zuletzt mehrere Bedingungen für eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus genannt. Dazu gehören nach den vorliegenden Angaben ein Ende amerikanischer Drohungen und Angriffe, die Aufhebung der US-Seeblockade, der Abzug amerikanischer Militärkräfte aus der Region, Entschädigungszahlungen, die Aufhebung von Sanktionen und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte.
Washington verfolgt dagegen eine eigene Linie. Trump erklärte, auch Iran müsse für Schäden aufkommen, die nach seiner Darstellung durch iranische Handlungen entstanden seien. Damit stehen sich Forderungen nach finanzieller Entschädigung von beiden Seiten gegenüber.
Besonders schwierig ist die Frage, welche Verpflichtungen aus der am 17. Juni geschlossenen Absichtserklärung tatsächlich bestehen. Iran wirft den USA vor, die Vereinbarung durch spätere Angriffe verletzt zu haben. Deshalb hält Teheran direkte Gespräche derzeit für nicht sinnvoll.
Was bedeutet der Streit für Europa?
Die Bedeutung geht weit über den Nahen Osten hinaus. Die Straße von Hormus gehört zu den wichtigsten Energieverkehrswegen der Welt. In Friedenszeiten wird durch die Meerenge ein erheblicher Anteil des weltweiten Öl- und LNG-Handels transportiert.
Bleibt der Schiffsverkehr dauerhaft eingeschränkt, kann das deshalb Auswirkungen auf Energiepreise und Transportkosten haben. Für deutsche Haushalte und Unternehmen wäre insbesondere eine länger anhaltende Verteuerung von Öl und Gas relevant.
Gleichzeitig ist Vorsicht bei kurzfristigen Prognosen angebracht. Der weitere Verlauf hängt nicht nur von den USA und Iran ab, sondern auch von Oman, den Golfstaaten, der internationalen Schifffahrt und der militärischen Lage in der Region.
Was passiert als Nächstes?
Kurzfristig dürfte die wichtigste Entwicklung aus den Gesprächen zwischen Iran und Oman kommen. Eine Einigung über sichere Schifffahrtsrouten könnte zumindest einen begrenzten Handelsverkehr ermöglichen. Ob daraus eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus entsteht, bleibt dagegen offen.
Parallel steht die Frage im Raum, ob Pakistan tatsächlich eine neue Gesprächsrunde zwischen Washington und Teheran vermitteln kann. Dafür müssten beide Seiten ihre derzeit weit auseinanderliegenden Positionen zumindest teilweise aufeinander zubewegen.
Der entscheidende Punkt ist damit weniger die Frage, wer öffentlich die „Kontrolle“ über Hormus beansprucht. Entscheidend ist, ob eine Vereinbarung gefunden wird, die Schifffahrt ermöglicht, Sicherheitsinteressen berücksichtigt und gleichzeitig die politischen Forderungen beider Seiten entschärft.
Für Deutschland und Europa bleibt die Entwicklung deshalb eng zu beobachten. Je länger die Unsicherheit an einem der wichtigsten Energieverkehrswege der Welt anhält, desto größer wird das Risiko weiterer wirtschaftlicher Folgen – und desto schwieriger wird eine Rückkehr zu normalen Handelsbedingungen.
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