US-Armee in Führungskrise: Hegseth setzt während des Iran-Krieges auf einen radikalen Umbau
Die US-Armee befindet sich in einer ungewöhnlichen Führungssituation: Seit der Absetzung von General Randy George im April gibt es keinen dauerhaft eingesetzten Stabschef des Heeres. Verteidigungsminister Pete Hegseth hat zudem weitere hochrangige Offiziere aus ihren Ämtern entfernt, während die US-Streitkräfte im Nahen Osten intensiv eingesetzt werden. Für Deutschland ist die Entwicklung relevant, weil die USA der wichtigste militärische Akteur innerhalb der NATO sind und Veränderungen in der amerikanischen Armeeführung auch die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses betreffen können. Die personellen Umbrüche sorgen deshalb über Washington hinaus für Aufmerksamkeit.
US-Armee Führungskrise trifft das Heer während des Krieges
Die Entlassung von General Randy George am 2. April erfolgte mitten im Krieg gegen Iran. George war seit September 2023 Stabschef der US-Armee und hätte sein reguläres vierjähriges Mandat erst 2027 beendet. Hegseth forderte ihn jedoch auf, seinen Posten mit sofortiger Wirkung aufzugeben. Das Pentagon bestätigte anschließend Georges Ausscheiden.
Gemeinsam mit George wurden General David Hodne, der das neu geschaffene Training and Transformation Command leitete, sowie Generalmajor William Green Jr., Chef des Army Chaplain Corps, abgesetzt. Der genaue Grund für die Entlassungen wurde zunächst nicht öffentlich genannt.
Die Folgen sind ungewöhnlich weitreichend. General Christopher LaNeve übernahm die Aufgabe des kommissarischen Stabschefs. Er war zuvor Hegseths militärischer Berater und wurde erst im Februar zum stellvertretenden Stabschef der Armee bestätigt. Damit vereint er zwei zentrale Führungsfunktionen.
Besonders auffällig ist der Zeitpunkt. Während der Iran-Kriegsoperationen müssen Truppen verlegt, Waffen bereitgestellt und Luft- und Raketenabwehrsysteme koordiniert werden. Gleichzeitig versucht die Armee, ihre Strukturen und Ausrüstung an eine Kriegsführung anzupassen, in der Drohnen und präzisionsgelenkte Waffen eine immer größere Rolle spielen.
Hegseth hat die militärische Führung grundlegend verändert
Die Veränderungen beschränken sich nicht auf die Army. Seit Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump wurden zahlreiche Spitzenoffiziere entlassen oder zum vorzeitigen Ausscheiden gedrängt. Unter anderem verloren der frühere Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff, General Charles Q. Brown Jr., sowie hochrangige Führungskräfte von Navy, Air Force und Coast Guard ihre Posten.
Auch innerhalb des Heeres hatte Hegseth bereits vor Georges Entlassung eingegriffen. General James Mingus musste seinen Posten als stellvertretender Stabschef vorzeitig verlassen. Anschließend wurde Christopher LaNeve für die Position nominiert und im Februar vereidigt.
Die Personalentscheidungen haben damit eine Führungsebene verändert, die normalerweise auf langfristige Kontinuität angewiesen ist. Gerade bei der Armee ist dies bedeutsam, weil die Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzbereitschaft von Soldaten über Jahre geplant werden.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, wie schnell die Armee ihre Strukturen verändern soll. George war maßgeblich an einer Transformation beteiligt, mit der das Heer schneller neue Technologien und Waffen in die Truppe bringen wollte. Dazu gehörten auch Änderungen bei Fahrzeugen und Flugzeugen sowie eine stärkere Orientierung an Erfahrungen aus modernen Konflikten.
Streit über Führung, Politik und militärische Standards
Die Hintergründe von Georges Entlassung sind weiterhin Gegenstand von Berichten. Nach Angaben der Washington Post gab es in seinen letzten Wochen im Amt mehrere Konfliktpunkte mit Hegseth. Dazu gehörten unter anderem Fragen zu Beförderungen von Offizieren sowie eine Untersuchung nach einem umstrittenen Hubschrauberflug vor dem Haus des Musikers Kid Rock.
George soll darauf bestanden haben, dass die Untersuchung des Hubschraubervorfalls fortgesetzt wird. Hegseth stoppte die Untersuchung hingegen und hob die Maßnahmen gegen die beteiligten Besatzungen auf. Ob dieser Konflikt tatsächlich entscheidend für Georges Entlassung war, ist öffentlich nicht abschließend geklärt.
Der Vorgang hat im US-Kongress parteiübergreifend Kritik ausgelöst. Kritiker befürchten, dass eine häufige Auswechslung erfahrener Militärführer gerade während laufender Operationen Wissen und Kontinuität schwächt.
Auch die weitere Zukunft von Armeeminister Dan Driscoll sorgt für Unsicherheit. Nach einem aktuellen Bericht des Wall Street Journal wird erwartet, dass Driscoll bis Ende 2026 aus dem Amt ausscheiden könnte. Sollte es dazu kommen, hätte die Army innerhalb kurzer Zeit sowohl auf ziviler als auch auf militärischer Ebene neue Führung.
Die größere Bedeutung
Für Europas Verbündete wird entscheidend sein, ob der Umbau der US-Armee zu einer schlagkräftigeren und technologisch moderneren Streitkraft führt oder ob die wiederholten Führungswechsel wertvolle Erfahrung und Kontinuität kosten. Während Washington diese Frage intern austrägt, bleiben die Anforderungen an die US-Streitkräfte hoch.
Die Entwicklung ist damit auch ein Signal an die europäischen NATO-Staaten: Je stärker sich die amerikanische Militärführung verändert, desto wichtiger wird für Europa die Fähigkeit, eigene Verteidigungsaufgaben zuverlässig zu übernehmen und gleichzeitig eng mit den USA zusammenzuarbeiten.
Mehr zum Thema „US-Armee in Führungskrise„






