Südkorea wurde laut Außenminister nicht vorab über Trumps Militärpläne informiert
Südkoreas Außenminister Cho Hyun hat am Mittwoch erklärt, Seoul sei vorab nicht über Donald Trumps Entscheidung zur Einschränkung der gemeinsamen Militärübungen mit den USA informiert worden. Der US-Präsident hatte die geplante Verkürzung öffentlich angekündigt und dabei Südkoreas Weigerung mit seinen Bemühungen zur Denuklearisierung des Iran in Verbindung gebracht. Die Übungen auf der koreanischen Halbinsel gelten seit Jahrzehnten als zentraler Bestandteil des US-südkoreanischen Bündnisses.
Trump verkündet Kürzung der Militärübungen mit Südkorea öffentlich
Cho Hyun sagte vor dem außenpolitischen Ausschuss der südkoreanischen Nationalversammlung, weder die Regierung in Seoul noch US-Vertreter vor Ort hätten von Trumps Ankündigung auf der Plattform Truth Social gewusst.
„Weder unsere Regierung noch US-Beamte wussten, was Präsident Trump auf seiner Website Truth Social veröffentlicht hatte“, sagte der Außenminister. „Wir wurden nicht im Voraus benachrichtigt“, fügte er hinzu.
Trump hatte am Sonntag Verteidigungsminister Pete Hegseth angewiesen, die jährlichen gemeinsamen Übungen „deutlich zu reduzieren“. Der US-Präsident bezeichnete die Manöver als kostspielig und als „völlig unangemessen und feindselig“ gegenüber Nordkorea.
Zugleich stellte Trump einen direkten Zusammenhang zur Iran-Politik her. Er kritisierte, dass Seoul seine Bemühungen zur Denuklearisierung des Iran nicht unterstütze, und verwies gleichzeitig auf seine „sehr guten Beziehungen“ zum nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un.
Seoul und Washington beraten über konkrete Änderungen
Trotz der öffentlichen Überraschung arbeitet Südkorea nach Angaben Chos weiter mit den USA an den konkreten Anpassungen der Übungen. Die Entscheidung über den Umfang und die genaue Ausgestaltung sei noch Gegenstand gemeinsamer Beratungen.
Verteidigungsminister Ahn Gyu-back widersprach dabei teilweise dem Eindruck einer rein einseitigen Entscheidung. Er erklärte, er habe sich in „engen Konsultationen“ mit Washington befunden. „Da unser Verteidigungsminister an den Gesprächen teilgenommen hat, kann dies meiner Meinung nach nicht als einseitige Mitteilung gewertet werden“, sagte Ahn.
Damit ergibt sich ein differenzierteres Bild: Die politische Ankündigung Trumps kam für Seoul offenbar überraschend, während auf militärischer Ebene bereits Gespräche über die praktische Umsetzung liefen.
Militärübungen mit Südkorea haben für das Bündnis eine besondere Bedeutung
Die gemeinsamen Übungen zwischen Südkorea und den USA sind seit mehr als 70 Jahren ein Eckpfeiler des Bündnisses. Die militärische Partnerschaft entstand nach dem Koreakrieg, der 1953 mit einem Waffenstillstandsabkommen endete. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht.
Für die Einsatzbereitschaft der gemeinsamen Streitkräfte sind die Übungen deshalb von besonderer Bedeutung. Sie dienen unter anderem dazu, Abläufe zwischen den Streitkräften beider Länder zu koordinieren und die gemeinsame Reaktion auf einen möglichen Konflikt vorzubereiten.
Nordkorea betrachtet die Manöver dagegen regelmäßig als Vorbereitung einer Invasion und reagiert häufig mit militärischen Drohungen. In der vergangenen Woche führte Pjöngjang erneut ballistische Raketentests durch.
Auch die geplante Kommandoübergabe ist betroffen
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, ob die Einschränkungen die geplante Übergabe des operativen Kommandos an Südkorea beeinflussen könnten. Ahn Gyu-back warnte davor, dass die Übungen diesen langfristigen Prozess beeinträchtigen dürften.
Geplant ist, dass im Fall eines Krieges künftig ein südkoreanischer General das Kommando über die gemeinsamen US-amerikanisch-südkoreanischen Streitkräfte übernimmt. Die Vorbereitung auf diese mögliche Veränderung ist ein längerfristiges Projekt und hängt auch von der Fähigkeit beider Streitkräfte ab, ihre Abläufe gemeinsam zu trainieren.
Militärübungen USA-Südkorea enden sechs Tage früher
Die von Trump angekündigten Einschränkungen werden bereits in diesem Jahr umgesetzt. Südkorea teilte am Mittwoch mit, dass die aktuellen gemeinsamen Übungen am 21. August enden sollen.
Ursprünglich war das Ende für den 27. August vorgesehen. Damit werden die diesjährigen Manöver um sechs Tage verkürzt.
Die unmittelbare militärische Bedeutung dieser Änderung lässt sich noch nicht abschließend bewerten. Entscheidend wird sein, wie stark die konkreten Ausbildungsinhalte verändert werden und ob die Verkürzung eine einmalige Anpassung bleibt oder den Beginn einer dauerhaften Neuausrichtung der gemeinsamen Übungen markiert.
Für Südkorea steht dabei mehr auf dem Spiel als die Dauer eines einzelnen Manövers. Die Entwicklung berührt das Verhältnis zu seinem wichtigsten militärischen Verbündeten ebenso wie die Frage, wie eng Washington künftig Sicherheitszusagen und politische Erwartungen miteinander verknüpfen will.
Für Deutschland und Europa ist dieser Aspekt ebenfalls relevant. Die Debatte über die Verlässlichkeit amerikanischer Bündnisse beschränkt sich längst nicht mehr auf Europa. Was Washington gegenüber Seoul entscheidet, wird deshalb auch von europäischen Regierungen und Sicherheitspolitikern aufmerksam beobachtet werden.
Was als Nächstes entscheidend wird
Kurzfristig steht die konkrete Umsetzung der verkürzten Übungen im Mittelpunkt. Mittelfristig dürfte jedoch die Frage wichtiger sein, ob die USA ihre militärische Zusammenarbeit mit Südkorea dauerhaft verändern wollen.
Für Seoul entsteht dabei ein Balanceproblem: Das Land muss seine Verteidigungsfähigkeit und die enge Kooperation mit Washington sichern, während die US-Regierung zugleich deutlich macht, dass sie von ihren Verbündeten stärkere Unterstützung bei anderen außenpolitischen Zielen erwartet.
Die Verkürzung der Übungen ist deshalb nicht nur eine Frage von sechs Tagen. Sie wird zum Test dafür, wie belastbar das US-südkoreanische Bündnis unter veränderten politischen Prioritäten in Washington bleibt.
Mehr zum Thema „Asien„






