Russlands Terrorliste Minderjährige: Immer mehr Jugendliche geraten ins Visier des Kremls
Die Zahl Minderjähriger auf Russlands offizieller Liste der „Terroristen und Extremisten“ wächst deutlich. Besonders seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine werden immer mehr Jugendliche wegen mutmaßlicher Sabotage, regierungskritischer Aktivitäten oder angeblicher Unterstützung ukrainischer Gruppen verfolgt. Menschenrechtsorganisationen berichten von Fällen, in denen Teenager bereits mit 14 Jahren in das Register aufgenommen und mit schweren strafrechtlichen Konsequenzen konfrontiert werden.
Russlands Terrorliste Minderjährige: 14-Jährige werden als Terroristen eingestuft
Ein aktueller Fall sorgt in Russland für besondere Aufmerksamkeit: Viktor Kalinin aus Sankt Petersburg wurde wenige Monate nach seinem 14. Geburtstag in das Register von Rosfin Monitoring aufgenommen. Die russische Finanzaufsichtsbehörde führt dort die offizielle Liste der „Terroristen und Extremisten“, auf der inzwischen mehr als 21.000 Personen stehen.
Nach Angaben russischer Medien und eines Telegram-Kanals, der Änderungen im Register dokumentiert, soll Kalinin Anfang Juli festgenommen worden sein. Ihm wird vorgeworfen, ein Stellwerk an einer strategisch wichtigen Bahnstrecke in Sankt Petersburg in Brand gesetzt zu haben.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB erklärte demnach, der Jugendliche sei über einen Messenger-Dienst von einem unbekannten Auftraggeber angeleitet worden. Die Ermittler werfen ihm keinen einfachen Vandalismus, sondern einen terroristischen Akt vor. Darauf können in Russland Haftstrafen von zehn bis zwanzig Jahren folgen.
Warum landen Minderjährige auf der Terrorliste in Russland?
Nach Angaben der französischen Menschenrechtsorganisation Parubets Analytics wurden 2025 fast 400 Minderjährige in die russische Terrorliste aufgenommen. Das sei rund eineinhalb Mal mehr als im Vorjahr. Bereits in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 sei diese Zahl erneut erreicht worden.
Der überwiegende Teil dieser Fälle steht laut den Angaben im Zusammenhang mit der Zeit nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Rund 97 Prozent der registrierten Minderjährigen seien erst seit Februar 2022 auf der Liste erschienen.
Eine wichtige Altersgrenze spielt dabei eine zentrale Rolle: In Russland können Jugendliche ab 14 Jahren wegen Terrorismus angeklagt werden. Deshalb tauchen zahlreiche Betroffene genau ab diesem Alter in den offiziellen Registern auf.
Die Folgen sind für die Betroffenen und ihre Familien erheblich. Wer auf der Liste von Rosfin Monitoring steht, muss mit weitreichenden finanziellen Einschränkungen rechnen. Bankkonten können gesperrt werden, Immobiliengeschäfte werden erschwert und der Zugriff auf Einkommen kann eingeschränkt sein.
Vom Schulalltag in die Strafkolonie: Fälle junger Angeklagter
Hinter den Zahlen stehen Jugendliche, deren Leben durch Strafverfahren grundlegend verändert wurde. Einer der bekanntesten Fälle ist Arseni Turbin. Er wurde mit 15 Jahren von einem Militärgericht zu fünf Jahren Strafkolonie verurteilt.
Die Behörden warfen ihm vor, auf Anweisung der proukrainischen Legion „Freiheit Russlands“ Anti-Putin-Flugblätter verteilt zu haben. Turbin bestritt eine Mitgliedschaft und erklärte, aus eigener Überzeugung gehandelt zu haben. Die Menschenrechtsorganisation Memorial stufte ihn als politischen Gefangenen ein.
Auch der Fall des 16-jährigen Jegor Balaseikin sorgte international für Aufmerksamkeit. Nachdem ein Verwandter im Krieg gegen die Ukraine auf russischer Seite getötet worden war, warf der Jugendliche zwei Molotowcocktails auf Rekrutierungsbüros der Armee. Obwohl niemand verletzt wurde und der Sachschaden begrenzt blieb, werteten die Behörden die Tat als versuchten Terroranschlag. Das Urteil lautete auf sechs Jahre Haft.
Weitere Fälle betreffen Jugendliche, denen Brandanschläge auf Bahnanlagen vorgeworfen werden. Der 15-jährige Jegor Lauskis und der 16-jährige Artemi Doronin wurden nach einem Brand an einem Stellwerkskasten verurteilt. Nach Darstellung der Behörden hätten sie den Vorfall gefilmt, um ihn gegenüber einem angeblichen ukrainischen Auftraggeber zu dokumentieren.
Analyse: Warum der Umgang mit Jugendlichen in Russland international beobachtet wird
Die Entwicklung (Russlands Terrorliste Minderjährige) zeigt eine zunehmende Ausweitung russischer Terrorismus- und Extremismusgesetze auf sehr junge Menschen. Kritiker sehen darin ein Mittel, oppositionelles Verhalten und Widerstand gegen die Kriegspolitik des Kremls stärker zu verfolgen.
Gleichzeitig warnen europäische Sicherheitsbehörden davor, dass russische Akteure versuchen könnten, Jugendliche in Europa für Sabotageaktionen zu gewinnen. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen der tatsächlichen Gefahr von Manipulation junger Menschen und der Frage, ob Russland seine eigenen Strafgesetze nutzt, um politische Gegner einzuschüchtern.
Besonders aufmerksam beobachten Menschenrechtsorganisationen die mögliche weitere Verschärfung der Gesetzgebung. Ein 2024 eingebrachter Gesetzentwurf sollte das Mindestalter für die Strafverfolgung bei Sabotage von 16 auf 14 Jahre senken. Die Vorsitzende eines Duma-Ausschusses, Nina Ostanina, sprach sich zudem dafür aus, auch Zwölfjährige für bestimmte schwere Straftaten verantwortlich machen zu können.
Weiterführende Informationen
Die Entwicklung rund um Minderjährige auf russischen Terror- und Extremismuslisten steht für eine größere Veränderung im Verhältnis zwischen Staat, Jugend und politischem Widerspruch. Die kommenden Entscheidungen russischer Behörden und Gerichte werden zeigen, wie weit diese Praxis künftig ausgeweitet wird.
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