Mindestens 22 Tote nach russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf die Ukraine
Bei einer neuen Welle russischer Raketen- und Drohnenangriffe auf die Ukraine sind nach Angaben der ukrainischen Behörden mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Allein in der Hauptstadt Kiew wurden 15 Todesopfer und 56 Verletzte gemeldet. Die Angriffe erfolgten wenige Tage vor dem NATO-Gipfel in Ankara und verdeutlichen nach Einschätzung der ukrainischen Führung die zunehmenden Schwierigkeiten bei der Abwehr ballistischer Raketen. Für Deutschland und die NATO gewinnt die Debatte über zusätzliche Luftverteidigungssysteme damit erneut an Bedeutung.
Russland Raketenangriffe Ukraine: Schwere Schäden in Kiew
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland in der Nacht 351 Drohnen sowie 68 Raketen ein. Die Angriffe richteten sich überwiegend gegen Kiew. Nach Angaben der Behörden kamen neben den 15 Todesopfern in der Hauptstadt weitere sieben Menschen in der Region Kiew ums Leben, mindestens 29 weitere wurden verletzt.
Rettungskräfte suchten an mehreren zerstörten Wohngebäuden nach Überlebenden. Im Stadtbezirk Podilskyj stürzte ein Teil eines Wohnhauses ein, während im Bezirk Darnyzja mehrere Wohngebäude beschädigt wurden. Im Vorort Wyschnewe mussten nach Angaben des ukrainischen Katastrophenschutzes rund 600 Einwohner wegen der Gefahr durch Blindgänger evakuiert werden.
Der Verwaltungschef von Kiew, Tymur Tkatschenko, erklärte, die Angriffe hätten Wohnhäuser getroffen, in denen Menschen geschlafen oder ihrem Alltag nachgegangen seien.
Selenskyj fordert weitere Patriot-Abfangraketen
Die ukrainische Führung sieht insbesondere bei der Abwehr ballistischer Raketen erhebliche Defizite. Luftwaffensprecher Jurij Ihnat erklärte, dass Russland gezielt den weltweiten Mangel an Patriot-Abfangraketen ausnutze.
Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, das Thema auf dem bevorstehenden NATO-Gipfel erneut anzusprechen. Nach seinen Angaben könne sich die Ukraine zwar erfolgreich gegen viele Drohnen und Marschflugkörper verteidigen, verfüge jedoch nicht über ausreichende Mittel zur Abwehr ballistischer Raketen.
Auch Verteidigungsminister Mychajlo Fjodorow erklärte, Russland intensivere den Einsatz ballistischer Raketen in bislang unbekanntem Ausmaß. Weltweit würden monatlich weniger Patriot-Abfangraketen produziert, als Russland innerhalb desselben Zeitraums gegen die Ukraine einsetze.
Russland spricht von Vergeltung – Angaben nicht unabhängig überprüfbar
Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Angriffe seien eine Reaktion auf jüngste ukrainische Fernangriffe auf russisches Territorium. Nach russischer Darstellung richteten sich die Angriffe gegen Waffenfabriken, Drohnenproduktion, Einrichtungen zur Reparatur von Luftverteidigungssystemen sowie Energie- und Treibstoffinfrastruktur in Kiew und der umliegenden Region.
Diese Angaben konnten unabhängig nicht überprüft werden.
Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn des russischen Angriffskrieges mehr als 16.000 ukrainische Zivilisten getötet. Russland weist regelmäßig Vorwürfe zurück, gezielt zivile Ziele anzugreifen.
Ukraine greift erneut Ziele tief in Russland an
Parallel meldete das ukrainische Militär neue Angriffe auf russische Infrastruktur. Nach eigenen Angaben wurde die Ölraffinerie in Omsk in Westsibirien attackiert – rund 2.500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Der Gouverneur der Region bestätigte einen Drohnenangriff auf die Raffinerie, machte jedoch keine Angaben zum Ausmaß möglicher Schäden.
Nach Einschätzung des Ölmarktanalysten Gary Peach verfügt die Raffinerie über eine Verarbeitungskapazität von rund 460.000 Barrel pro Tag und zählt zu den wichtigsten Anlagen Russlands. Ein längerer Ausfall könnte die bereits bestehenden Versorgungsprobleme auf dem russischen Kraftstoffmarkt verschärfen.
Auch aus weiteren russischen Regionen wurden Drohnenangriffe gemeldet. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht 613 von insgesamt 625 ukrainischen Drohnen abgefangen zu haben. Diese Angaben konnten ebenfalls nicht unabhängig bestätigt werden.
Warum die Entwicklung wichtig ist
Die jüngsten Angriffe verdeutlichen die anhaltende Eskalation des Krieges und rücken die Luftverteidigung der Ukraine erneut in den Mittelpunkt internationaler Beratungen. Vor dem NATO-Gipfel wächst der Druck auf die westlichen Partner, über zusätzliche Unterstützung zu entscheiden. Gleichzeitig zeigen die wechselseitigen Angriffe auf Energie- und Militärinfrastruktur, dass sich der Konflikt zunehmend auch auf strategische Ziele weit hinter den jeweiligen Frontlinien ausweitet.
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