Netanjahu zu Trump: Israel entscheidet weiter selbst über seine Verteidigung im Gaza-Konflikt
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat erklärt, dass Israel trotz der engen Beziehung zu US-Präsident Donald Trump seine Sicherheitsentscheidungen weiterhin eigenständig treffen werde. Netanjahu bezeichnete Trump als Freund und als wichtigen Unterstützer Israels im Weißen Haus, machte aber zugleich deutlich, dass mögliche Vereinbarungen über den Gazastreifen nicht über Israels grundlegende Sicherheitsinteressen gestellt würden. Die Haltung Israels ist auch für Deutschland und die Europäische Union von Bedeutung, da die Gespräche über Gaza und eine mögliche regionale Stabilisierung Auswirkungen auf die europäische Nahost-Politik haben.
Netanjahu zu Trump und Gaza: Sicherheitsinteressen bleiben entscheidend
Netanjahu erklärte, Israel werde seine derzeitigen Militärpositionen im Gazastreifen erst dann aufgeben, wenn die Hamas ihre Waffen vollständig niederlege. Nach seinen Angaben gehen Trump und sein Umfeld davon aus, dass eine Entwaffnung der Hamas und eine Beendigung militärischer Aktivitäten im Gazastreifen erreicht werden könnten.
Der israelische Regierungschef verwies darauf, dass Israel einen von anderer Seite vorgelegten Entwurf abgelehnt und eigene Vorschläge zurückgeschickt habe. Damit unterstrich er, dass Jerusalem bei möglichen Vereinbarungen nicht nur auf internationale Erwartungen reagieren, sondern eigene Bedingungen einbringen will.
Für die deutsche Außenpolitik ist diese Position relevant, weil Berlin seit Beginn des Konflikts auf eine politische Lösung, den Schutz der israelischen Sicherheit und zugleich auf die Verbesserung der humanitären Lage im Gazastreifen setzt. Jede Veränderung der israelischen Strategie kann Auswirkungen auf diplomatische Gespräche in Europa und im Nahen Osten haben.
US-Friedensplan für Gaza bringt bislang keinen Durchbruch
Nach Angaben von US-Vertretern steht der aktuelle Vorschlag im Zusammenhang mit Präsident Trumps 20-Punkte-Friedensplan. Demnach hatte Israel den Plan grundsätzlich im vergangenen Jahr akzeptiert. Gleichzeitig war von US-Seite die Erwartung geäußert worden, dass eine Ablehnung des neuen Vorschlags durch Israel zu einer deutlichen Reaktion Trumps führen könnte.
Der Plan des Friedensrates sieht einen israelischen Rückzug auf die sogenannte Gelbe Linie im Gazastreifen vor. Dort war im Oktober 2025 ein Waffenstillstands- und Geiselabkommen geschlossen worden. Später weitete Israel seine Kontrolle nach den vorliegenden Angaben auf etwa 60 Prozent des Gazastreifens aus.
Vorgesehen sind außerdem ein sofortiger Stopp israelischer Militäroperationen und ein schrittweiser Abzug der Truppen, sobald die Hamas mit der Übergabe von Waffen beginnt. Die Gespräche darüber verliefen bislang jedoch ohne Einigung.
Gespräche zwischen Israel und den USA bleiben schwierig
Hochrangige Vertreter des Friedensrates trafen sich am Montag in Jerusalem mit Netanjahu, um für eine Annahme des Plans zu werben. Das Treffen führte jedoch zu keinen erkennbaren Fortschritten.
Die unterschiedlichen Positionen zeigen einen zentralen Konflikt zwischen dem politischen Ziel der USA, eine Vereinbarung für Gaza voranzubringen, und Israels Forderung nach langfristigen Sicherheitsgarantien. Während Washington auf eine Entwaffnung der Hamas und eine neue politische Perspektive für den Gazastreifen setzt, betrachtet die israelische Regierung bestimmte Sicherheitsfragen als nicht verhandelbar.
Ein weniger beachteter Aspekt ist dabei die Rolle der militärischen Ausgangslage: Die Frage eines Rückzugs hängt nicht allein von diplomatischen Zusagen ab, sondern auch davon, ob Israel ausreichende Garantien für eine dauerhafte Beendigung bewaffneter Aktivitäten sieht.
Fortsetzung der Operationen und offene Fragen für Europa
Netanjahu erklärte, die israelische Armee habe weiterhin den Auftrag, alle notwendigen Maßnahmen zur Verteidigung des Landes und seiner Bürger zu ergreifen. Die militärischen Operationen sollen demnach fortgesetzt werden.
Für Deutschland und andere EU-Staaten bleibt entscheidend, ob es gelingt, zwischen Sicherheitsanforderungen Israels, einer möglichen politischen Zukunft für den Gazastreifen und der humanitären Situation der Zivilbevölkerung zu vermitteln. Die Bundesregierung verfolgt die Entwicklungen aufmerksam, da der Konflikt auch Auswirkungen auf internationale Beziehungen, Sicherheitsfragen und die Stabilität der Region hat.
Die nächsten Schritte hängen vor allem davon ab, ob Israel und die USA ihre unterschiedlichen Vorstellungen über Reihenfolge und Bedingungen eines möglichen Abkommens annähern können. Solange zentrale Fragen wie die Entwaffnung der Hamas und ein dauerhafter Sicherheitsrahmen ungeklärt bleiben, ist ein umfassender Durchbruch nicht absehbar.
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