Studie untersucht möglichen Zusammenhang zwischen Eiern und Vorhofflimmern
Eine neue wissenschaftliche Untersuchung legt nahe, dass bestimmte Ernährungsgewohnheiten mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern in Verbindung stehen könnten. Im Mittelpunkt steht dabei Trimethylamin-N-oxid (TMAO), eine Substanz, die im Körper nach dem Abbau bestimmter Nährstoffe durch Darmbakterien entsteht. Die im Journal of Clinical Investigation veröffentlichte Studie deutet auf einen Zusammenhang zwischen erhöhten TMAO-Werten und Herzrhythmusstörungen hin. Für Menschen in Deutschland ist das Thema relevant, da Vorhofflimmern zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen zählt und das Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen kann. Die Forschenden betonen jedoch, dass ihre Ergebnisse keinen direkten Ursache-Wirkungs-Nachweis liefern.
Eier und Vorhofflimmern: Was die Studie zeigt
Wissenschaftler der Cleveland Clinic in den USA analysierten Blutproben von rund 5.000 Personen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Konzentration von Trimethylamin-N-oxid (TMAO), einer Verbindung, die entsteht, wenn Darmbakterien Nährstoffe wie Cholin und Carnitin abbauen.
Diese Nährstoffe kommen unter anderem in Eigelb, Rindersteak und Leber vor. Nach den Ergebnissen der Studie hatten Menschen mit den höchsten TMAO-Konzentrationen im Blut ein etwa 70 Prozent höheres Risiko für Vorhofflimmern als Personen mit den niedrigsten Werten.
Nach Angaben der Forschenden blieb dieser Zusammenhang auch bestehen, nachdem bekannte Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck und Übergewicht statistisch berücksichtigt worden waren.
Warum Vorhofflimmern medizinisch bedeutsam ist
Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz unregelmäßig schlägt. Die Erkrankung kann das Risiko für weitere Herz-Kreislauf-Komplikationen erhöhen und gilt als wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle.
Nach Angaben der British Heart Foundation haben Menschen mit Vorhofflimmern ein etwa fünffach höheres Schlaganfallrisiko als die Allgemeinbevölkerung. In Großbritannien leben den Angaben zufolge rund 1,5 Millionen Menschen mit dieser Erkrankung.
Die aktuelle Studie untersuchte jedoch nicht den Einfluss einzelner Lebensmittel direkt, sondern den Zusammenhang zwischen TMAO-Konzentrationen im Blut und dem Auftreten von Vorhofflimmern.
Welche Rolle TMAO spielt
Nach Angaben der Cleveland Clinic entsteht Trimethylamin-N-oxid, wenn Darmbakterien Nährstoffe wie Cholin und Carnitin verstoffwechseln. Diese Stoffe sind Bestandteil verschiedener Lebensmittel tierischen Ursprungs, darunter Eigelb, Rindfleisch und Leber.
Studienautor Robert Koeth, Elektrophysiologe an der Cleveland Clinic, erklärte, dass sich die derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten für Vorhofflimmern vor allem auf die Kontrolle der Erkrankung konzentrieren. Die neuen Forschungsergebnisse deuteten darauf hin, dass die Ernährung künftig auch für die Vorbeugung eine Rolle spielen könnte.
Zusätzlich berichten die Forschenden über Ergebnisse aus Tierversuchen. Demnach entwickelten Mäuse, deren Ernährung zu höheren TMAO-Werten führte, Vorhofflimmern schneller als Tiere mit normaler Ernährung.
Einordnung der Ergebnisse
Die Studie liefert Hinweise auf einen möglichen biologischen Zusammenhang zwischen TMAO und Vorhofflimmern, beweist jedoch nicht, dass der Verzehr von Eiern oder anderen einzelnen Lebensmitteln die Erkrankung verursacht. Beobachtungsstudien können Zusammenhänge aufzeigen, erlauben aber keine eindeutigen Aussagen über Ursache und Wirkung.
Ebenso lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten, dass Menschen vollständig auf Eier oder andere cholinhaltige Lebensmittel verzichten sollten. Die Forschenden weisen vielmehr darauf hin, dass künftig möglicherweise Therapien entwickelt werden könnten, die verhindern, dass Darmbakterien Cholin in TMAO umwandeln. Ein solcher Ansatz könnte das Risiko für Vorhofflimmern künftig beeinflussen, befindet sich nach den vorliegenden Informationen jedoch noch in der Forschung.
Bedeutung für Deutschland
Auch in Deutschland zählt Vorhofflimmern zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen im höheren Lebensalter. Die Studie unterstreicht die wachsende Bedeutung der Forschung zum Zusammenspiel von Ernährung, Darmmikrobiom und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zugleich machen die Ergebnisse deutlich, dass einzelne Lebensmittel nicht isoliert betrachtet werden sollten. Ob und in welchem Umfang Ernährungsempfehlungen künftig angepasst werden, wird von weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen abhängen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Fragen zu Ernährung oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
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