Kreml droht Kiew mit Angriffen „Tag und Nacht“ nach ukrainischen Drohnenattacken
Der Kreml droht der Ukraine mit einer weiteren Verschärfung der Angriffe auf Kiew. Präsidentensprecher Dmitri Peskow erklärte am Montag, die russische Seite werde auf ukrainische Drohnenangriffe auf Logistikzentren des Onlinehändlers Ozon und andere kommerzielle Einrichtungen mit weiteren Schlägen reagieren. Die Reaktionen seien in Kiew bereits „Tag und Nacht“ zu spüren und würden anhalten, sagte Peskow.
Für die Ukraine bedeutet dies eine weitere Eskalation des weitreichenden Drohnenkriegs, bei dem beide Seiten zunehmend Infrastruktur weit hinter der Front angreifen.
Kreml droht Kiew mit Angriffen als Vergeltung
Peskow stellte die russischen Angriffe ausdrücklich als Reaktion auf ukrainische Drohnenoperationen dar. Nach seinen Angaben könnten die Attacken auf kommerzielle und logistische Einrichtungen jedoch die militärische Lage an der Front nicht entscheidend verändern. Die ukrainischen Angriffe seien nicht in der Lage, die Entwicklung des Kriegsgeschehens wesentlich zu beeinflussen, behauptete der Kremlsprecher.
Hintergrund sind mehrere ukrainische Drohnenangriffe auf Ozon, Russlands zweitgrößten Onlinehändler. Ozon bestätigte Angriffe auf mehrere Logistikzentren. Am Montag wurden nach Angaben des Unternehmens unter anderem Anlagen in Machatschkala in Dagestan und in der Region Krasnodar getroffen; weitere Standorte wurden wegen der Drohnengefahr evakuiert. Seit Samstag wurden insgesamt sechs Ozon-Standorte zum Ziel.
Bei einem Angriff auf ein Ozon-Zentrum in Machatschkala brach ein Feuer aus, mehrere Menschen wurden verletzt. Auch ein Logistikzentrum in Enem in der Region Krasnodar geriet in Brand. Ozon setzte den Betrieb an betroffenen Standorten teilweise aus.
Ukraine weitet Angriffe auf russische Logistik aus
Die Attacken auf Ozon sind Teil einer breiteren ukrainischen Strategie. Zuvor waren bereits zahlreiche Logistikzentren des Konkurrenten Wildberries angegriffen worden. Nach Angaben der ukrainischen Seite wurden 15 der größten Logistikzentren von Wildberries getroffen; anschließend rückte Ozon in den Fokus.
Auch russische Ölraffinerien gehören seit Monaten zu den wichtigsten Zielen ukrainischer Langstreckendrohnen. Reuters berichtete, dass ukrainische Angriffe wiederholt Raffinerien und Industrieanlagen in verschiedenen russischen Regionen getroffen haben. Die Angriffe haben laut Reuters zu erheblichen Störungen der russischen Treibstoffversorgung beigetragen.
Der wirtschaftliche Druck ist dabei ein wesentlicher Teil der ukrainischen Strategie. Kiew versucht, Logistik, Energieversorgung und andere Strukturen zu treffen, die nach ukrainischer Darstellung zur Aufrechterhaltung der russischen Kriegswirtschaft beitragen.
Bei Ozon geht es deshalb aus Sicht der Ukraine nicht ausschließlich um gewöhnlichen Onlinehandel. Kiew argumentiert, dass in solchen Logistiknetzwerken auch sogenannte Dual-Use-Güter transportiert werden können, die sowohl zivil als auch militärisch verwendet werden können. Russland weist diese Darstellung zurück und bezeichnet die angegriffenen Einrichtungen als zivile Infrastruktur.
Putin kündigt Angriffe auf wirtschaftlich empfindliche Bereiche an
Auch Wladimir Putin hatte die ukrainischen Drohnenangriffe zuletzt als Eskalation bezeichnet. In einem Interview erklärte der russische Präsident, die Ukraine habe durch Angriffe auf russische zivile und logistische Infrastruktur eine neue Entwicklung ausgelöst.
Putin kündigte zugleich an, Russland werde besonders empfindliche Bereiche der ukrainischen Wirtschaft ins Visier nehmen. Dazu zählte er ausdrücklich die Agrarproduktion und deren Exporte. Seine Darstellung, wonach die russischen Angriffe die ukrainische Wirtschaft treffen und zugleich die militärischen Fähigkeiten Kiews schwächen sollen, bildet den politischen Hintergrund für Peskows aktuelle Drohung.
Der Kreml stellt die Angriffe damit als Teil einer gegenseitigen Vergeltungslogik dar. Für die ukrainische Bevölkerung bedeutet diese Entwicklung jedoch vor allem, dass zivile und wirtschaftliche Infrastruktur weiter zum Schauplatz des Krieges wird.
Von Raffinerien bis zu Onlinehändlern
Die Dimension der ukrainischen Drohnenoffensive hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verändert. Ziele liegen teilweise weit von der Front entfernt und umfassen Raffinerien, Häfen, Industrieanlagen und Logistikzentren.
Bereits Ende Juli wurden mehrere Wildberries-Lagerhäuser getroffen. Reuters berichtete damals von mindestens sieben beschädigten Standorten und erheblichen Auswirkungen auf die Lagerkapazität des Unternehmens.
Mitte August kam es zudem zu einem schweren Angriff auf ein Logistikzentrum nahe Moskau. Russische Behörden meldeten dabei mehrere Tote. Die russische Seite behauptete, eine außergewöhnlich große Zahl ukrainischer Drohnen abgefangen zu haben. Die Angaben über abgefangene Drohnen lassen sich unabhängig nicht vollständig überprüfen.
Die wirtschaftlichen Folgen sind inzwischen unmittelbar sichtbar. Nach den aktuellen Angriffen auf Ozon verlor die Aktie des Unternehmens am Montag zeitweise rund zwölf Prozent an der Moskauer Börse.
Warum die Eskalation für Europa wichtig ist
Die neue Drohung aus Moskau fällt in eine Phase, in der sich der Krieg zunehmend zu einem Schlagabtausch über große Entfernungen entwickelt. Die Ukraine versucht, die russische Kriegswirtschaft durch Angriffe auf Energie- und Logistikstrukturen unter Druck zu setzen. Russland reagiert mit verstärkten Angriffen auf ukrainische Städte und Infrastruktur.
Für Deutschland und Europa ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen relevant. Je weiter die Angriffe in das jeweilige Hinterland reichen, desto größer wird das Risiko für wirtschaftliche Infrastruktur, Energieversorgung, Transportwege und die zivile Bevölkerung.
Zugleich erhöht die Eskalation den politischen Druck auf die europäischen Unterstützer der Ukraine. Die europäischen Staaten stehen vor der Frage, wie sie Kiew militärisch unterstützen können, ohne eine weitere Ausweitung des Konflikts zu provozieren.
Kreml droht Kiew mit Angriffen: Was jetzt entscheidend wird
Die zentrale Frage ist, ob Moskau seine Ankündigung tatsächlich in eine dauerhaft intensivierte Angriffskampagne gegen Kiew umsetzt. Peskows Formulierung deutet zumindest auf die Absicht hin, den Druck auf die ukrainische Hauptstadt weiter aufrechtzuerhalten.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung um Ozon und Wildberries, dass die Ukraine ihre Strategie gegen die russische Logistik fortsetzt. Damit entsteht eine Eskalationsspirale: Angriffe auf russische Infrastruktur werden mit russischen Schlägen gegen ukrainische Ziele beantwortet, worauf Kiew wiederum versucht, die wirtschaftlichen Kosten für Russland zu erhöhen.
Für die Menschen in Deutschland ist vor allem die weitere Entwicklung der Infrastrukturangriffe entscheidend. Je stärker Energie, Häfen, Logistik und Industrie in den Mittelpunkt des Krieges rücken, desto größer werden die möglichen indirekten Auswirkungen auf europäische Märkte und die Sicherheitslage des Kontinents.
Die Drohung des Kremls markiert damit nicht nur eine neue verbale Eskalation. Sie zeigt, wie stark sich der Krieg inzwischen auf die wirtschaftliche Infrastruktur beider Länder ausgeweitet hat. Der Kampf um Logistik, Energie und industrielle Kapazitäten wird damit zu einem immer wichtigeren Bestandteil des Konflikts.
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