Republikanischer Senator fordert Trump zur Absetzung von Pete Hegseth auf
US-Senator Thom Tillis aus North Carolina hat Präsident Donald Trump aufgefordert, Pete Hegseth als Chef des US-Verteidigungsapparats abzusetzen. Der Vorstoß des Republikaners erfolgte wenige Tage nach dem Rücktritt von Heeresminister Dan Driscoll und verschärft die Debatte über die Führung des US-Militärs. Tillis wirft Hegseth „inept management“ vor und kritisiert einen aus seiner Sicht entstandenen Führungsvakuum an der Spitze der Streitkräfte. Für Deutschland ist der Streit relevant, weil die USA der wichtigste militärische Partner innerhalb der NATO sind.
Tillis fordert einen neuen Pentagon-Chef
Tillis veröffentlichte seine Forderung am 2. September. Der Senator erklärte, er habe eine derart schlechte Führung der Soldatinnen und Soldaten bislang nicht erlebt. Hegseth sei nach seiner Einschätzung stärker mit Kulturkämpfen beschäftigt, statt sich auf die Verteidigungsfähigkeit und das Wohlergehen der Streitkräfte zu konzentrieren.
Besonders bemerkenswert ist der Vorstoß, weil Tillis selbst Republikaner ist und Hegseths Ernennung zunächst unterstützt hatte. Hegseth wurde im Januar 2025 mit 51 zu 50 Stimmen vom Senat bestätigt; Vizepräsident J. D. Vance gab damals die entscheidende Stimme ab.
Inzwischen hat sich Tillis zu einem der lautstärkeren republikanischen Kritiker des Verteidigungsministers entwickelt. Bereits im Juni kritisierte er Hegseth wegen des geplanten Ausscheidens des hochrangigen Generals Christopher „C. D.“ Donahue und warnte vor negativen Folgen für die Moral innerhalb der Streitkräfte.
Der Rücktritt von Dan Driscoll verschärft die Krise
Unmittelbarer Anlass für Tillis‘ neue Attacke war der Rücktritt von Heeresminister Dan Driscoll. Driscoll reichte am 31. August sein Rücktrittsschreiben ein; sein Ausscheiden erfolgte nach Monaten berichteter Spannungen mit Hegseth.
Nach Berichten von Axios hatte Driscoll den Eindruck, dass seine Modernisierungsinitiativen blockiert würden. Zugleich habe Hegseths Vorgehen gegen hochrangige Generäle für zusätzliche Unruhe gesorgt. Sein Rücktritt bedeutet, dass die US-Armee zeitweise ohne vom Senat bestätigte zivile und militärische Führung dastand.
Am 3. September ernannte Trump anschließend Adam Telle zum kommissarischen Heeresminister. Telle war zuvor als Assistant Secretary of the Army for Civil Works tätig und hatte während Trumps erster Amtszeit im Weißen Haus gearbeitet.
Damit ist der Personalstreit im Pentagon keineswegs beendet. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die zahlreichen Veränderungen in der militärischen Führung noch als politischer Kurswechsel oder bereits als Belastung für die institutionelle Stabilität bewertet werden müssen.
Hegseths Kurs sorgt seit Monaten für Streit
Hegseth verfolgt seit seinem Amtsantritt einen grundlegenden Umbau des US-Militärs. Zu seinen erklärten Prioritäten gehören eine stärkere Konzentration auf Kampfkraft, militärische Einsatzbereitschaft und eine Rückkehr zu einer von ihm betonten „Warrior Culture“. Das Verteidigungsministerium beschreibt ihn inzwischen offiziell als Secretary of War, nachdem die Bezeichnung des Ministeriums im September 2025 geändert wurde.
Seine Amtszeit wurde zugleich von mehreren Kontroversen begleitet. Besonders bekannt wurde die sogenannte Signal-Affäre im März 2025, als Einzelheiten einer geplanten US-Militäroperation gegen die Huthi im Jemen in einem Signal-Chat mit einem Journalisten landeten. Später veröffentlichte The Atlantic den vollständigen Chatverlauf, der unter anderem konkrete Angaben zu den geplanten Angriffen enthielt.
Auch der Umgang mit militärischen Führungskräften ist zunehmend umstritten. Unter Hegseth kam es zu Entlassungen und Rücktritten ranghoher Offiziere und ziviler Verantwortlicher. Kritiker sehen darin eine Schwächung institutioneller Erfahrung, während Hegseth und seine Unterstützer den Umbau als notwendigen Schritt zur Modernisierung und Neuausrichtung des Militärs darstellen.
Warum der Streit auch Deutschland betrifft
Die Auseinandersetzung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die USA militärisch stark gefordert sind. Nach Angaben aktueller Berichte dauert der Krieg mit Iran seit dem 28. Februar 2026 an; zugleich gibt es Sorgen über die Belastung militärischer Ressourcen und Munitionsbestände. Tillis argumentiert, dass sich die Art moderner Kriegsführung unter anderem durch die Erfahrungen aus der Ukraine und dem Iran-Konflikt verändert habe.
Für Deutschland ist die Stabilität der amerikanischen Militärführung deshalb von unmittelbarer Bedeutung. Die Bundesrepublik ist auf eine enge Zusammenarbeit mit den USA innerhalb der NATO angewiesen, insbesondere bei Abschreckung, Aufklärung, Logistik und der gemeinsamen Verteidigungsplanung.
Noch ist nicht absehbar, ob Trump der Forderung seines Parteikollegen folgen wird. Die öffentliche Kritik eines republikanischen Senators zeigt jedoch, dass Hegseths Führungsstil inzwischen nicht mehr nur von politischen Gegnern infrage gestellt wird. Entscheidend dürfte sein, ob weitere Mitglieder der Republikanischen Partei ähnliche Bedenken äußern und ob Trump weiterhin hinter seinem Verteidigungsminister steht.
Die Entwicklung zeigt, dass die Debatte über Pete Hegseth inzwischen über einzelne politische Kontroversen hinausgeht. Im Kern steht die Frage, ob der von der Trump-Regierung eingeleitete Umbau der US-Streitkräfte die militärische Handlungsfähigkeit stärkt – oder durch den Verlust erfahrener Führungskräfte neue Risiken schafft.
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