Selenskyj will Russland mit 1.000 Drohnen pro Tag angreifen – Ukraine erhöht den Druck
Wolodymyr Selenskyj will die ukrainischen Drohnenangriffe auf Russland massiv ausweiten. Der ukrainische Präsident kündigte in seiner Ansprache am Freitag an, künftig mindestens 1.000 Drohnen pro Tag einsetzen zu wollen – mehr als dreimal so viele wie die bisher genannten rund 300. Gleichzeitig gehen die russischen Angriffe auf ukrainische Städte und Regionen weiter und forderten innerhalb von 24 Stunden mehrere Todesopfer.
1.000 Drohnen pro Tag: Selenskyj setzt auf neue Dimension des Luftkriegs
„Es müssen mehr sein“, erklärte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache. Er sprach von einem konkreten Ziel, das die Ukraine erreichen werde.
Mit der angekündigten Zahl würde Kiew den Umfang seiner Drohnenangriffe erheblich steigern. Selenskyj begründet die verstärkte Offensive mit den weiterhin tödlichen russischen Angriffen auf die Ukraine.
Die ukrainische Armee griff nach Angaben Selenskyjs zuletzt unter anderem eine Ölraffinerie in der russischen Region Jaroslawl an. Der Standort liegt etwa 1.000 Kilometer von der Front entfernt.
Damit zeigt sich eine Entwicklung, die den Charakter des Krieges zunehmend prägt: Angriffe finden nicht mehr ausschließlich in unmittelbarer Nähe der Front statt. Ukrainische Drohnen erreichen auch Ziele tief im russischen Staatsgebiet.
Selenskyj reagiert auch auf Kontakte zwischen Washington und Moskau
Besondere Aufmerksamkeit erregten gleichzeitig Berichte über einen Besuch des US-Geheimdienstchefs John Ratcliffe in Moskau.
Selenskyj erklärte, Kiew habe von amerikanischer Seite Informationen über Treffen erhalten, die in den vergangenen Tagen in Moskau stattgefunden hätten. Details nannte der ukrainische Präsident nicht.
Der Kreml bestätigte den Besuch Ratcliffes und erklärte, der US-Geheimdienstchef habe Gespräche mit russischen Geheimdienstmitarbeitern geführt. Ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin habe es nach Angaben des Kremls jedoch nicht gegeben.
Der direkte Kontakt hochrangiger Geheimdienstmitarbeiter fällt in eine Phase, in der die Friedensverhandlungen festgefahren sind. Welche konkreten Ergebnisse die Gespräche in Moskau hatten, bleibt nach den vorliegenden Angaben offen.
Russische Angriffe fordern weitere Todesopfer
Während Kiew seine Angriffe auf russisches Gebiet ausweiten will, wird die Ukraine weiterhin von russischen Luft- und Artillerieangriffen getroffen.
In der Region Kiew wurde nach Angaben des Gouverneurs Tymur Tkatschenko am frühen Freitagmorgen mindestens eine Person getötet. Zwei weitere Menschen wurden verletzt.
In der Region Sumy starb nach Angaben der regionalen Militärverwaltung ein 61-jähriger Mann bei einem Drohnenangriff. Sieben weitere Menschen wurden verletzt, vier von ihnen mussten ins Krankenhaus.
Auch Cherson wurde von russischen Luft- und Artillerieangriffen getroffen. Nach Angaben des dortigen Gouverneurs Oleksandr Prokudin starb ein 61-jähriger Mann, elf weitere Menschen wurden verletzt, darunter ein Kind.
In der Region Charkiw kamen bei einem Beschuss ein 26-jähriger Mann und eine 38-jährige Frau ums Leben. 13 weitere Menschen, darunter zwei Kinder, wurden verletzt.
Ukraine greift Ziele tief in Russland an
Nach Angaben Selenskyjs hat der ukrainische Militärgeheimdienst zuletzt eine hohe Wirksamkeit bei Angriffen auf militärische Produktionsanlagen und Ölinfrastruktur tief im russischen Territorium festgestellt.
Kiew sieht darin eine Möglichkeit, Russlands Treibstoffversorgung und Exporterlöse zu beeinträchtigen. Außerdem habe es erhebliche Schäden an der Produktion von Feststoffraketenmotoren gegeben.
Die ukrainische Strategie zielt damit zunehmend darauf, nicht nur militärische Ziele nahe der Front zu treffen. Energieanlagen und Produktionsstandorte im russischen Hinterland werden ebenfalls zu möglichen Zielen.
Für den weiteren Kriegsverlauf könnte diese Entwicklung wichtig werden. Je weiter die Ukraine ihre Drohnenreichweite und die Zahl der eingesetzten Systeme erhöht, desto größer wird der Druck auf russische Infrastruktur – gleichzeitig steigt aber auch die Gefahr einer weiteren Eskalation.
Ein Krieg, der immer tiefer in Russland reicht
Selenskyjs Ankündigung von 1.000 Drohnen pro Tag ist deshalb mehr als eine bloße Erhöhung einer militärischen Kennzahl. Sie signalisiert den Anspruch Kiews, den Krieg zunehmend auch auf die strategische Tiefe Russlands auszudehnen.
Ob die Ukraine dieses Ziel tatsächlich dauerhaft erreichen kann, lässt sich anhand der vorliegenden Informationen nicht beurteilen. Fest steht jedoch: Während die diplomatischen Kontakte zwischen Washington und Moskau weitergehen, setzt Kiew gleichzeitig auf eine deutliche Verstärkung seiner militärischen Mittel.
Für die Menschen in der Ukraine bedeutet das keine Entspannung. Die russischen Angriffe gehen weiter, während Kiew versucht, Moskau mit immer weiter reichenden Drohnenangriffen unter Druck zu setzen.
Der Krieg verschiebt damit seine Grenzen erneut – und die Front verläuft längst nicht mehr nur dort, wo sich die Soldaten gegenüberstehen.
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