Russland: Banken verlieren Einlagen – immer mehr Menschen setzen auf Bargeld
In Russland ziehen Privatkunden zunehmend Geld von ihren Banken ab und legen ihre Ersparnisse stattdessen in Bargeld an. Im Juli meldeten mindestens 152 Banken einen Rückgang der Termineinlagen von Privatkunden – mehr als die Hälfte der 265 untersuchten Institute. Gleichzeitig stieg die im Umlauf befindliche Bargeldmenge seit Jahresbeginn um rund 2,4 Billionen Rubel. Die Entwicklung zeigt eine wachsende Präferenz für liquide Mittel außerhalb von Bankkonten.
Russland: Banken verlieren zunehmend Einlagen
Der Abfluss von Termineinlagen hat sich im Jahresverlauf verstärkt. Im Juni meldeten 138 Banken einen Rückgang, im Mai waren es 134 Institute. Im Juli stieg die Zahl auf mindestens 152 Banken.
Damit waren mehr als die Hälfte der 265 Kreditinstitute betroffen, deren Daten in der ausgewerteten Stichprobe berücksichtigt wurden. Zum Vergleich: Ähnliche Werte waren im November 2025 zu beobachten, als 154 Banken einen Rückgang meldeten. Im Juni 2024 lag die Zahl sogar bei 197 Instituten.
Die Untersuchung erfasste Banken, die vollständige Bilanzen auf der Website der russischen Zentralbank veröffentlichten und Einlagen von Privatkunden hielten. Zum 1. August waren in Russland insgesamt 301 Kreditinstitute tätig. Einige große Institute wurden wegen fehlender Daten nicht in die Auswertung aufgenommen.
Bargeld wird für Russen attraktiver
Parallel zum Rückgang der Bankeinlagen gewinnt Bargeld als Form der Geldaufbewahrung an Bedeutung. Im August erklärten 37 Prozent der Befragten, Bargeld sei die beste Möglichkeit, ihre Ersparnisse anzulegen.
Das ist der höchste Wert seit Herbst 2022. Gegenüber Juli stieg der Anteil um vier Prozentpunkte.
Gleichzeitig sank die Präferenz für Bankkonten um drei Prozentpunkte auf 36 Prozent. Damit erreichte der Anteil derjenigen, die Bankkonten als bevorzugte Anlageform betrachten, den niedrigsten Stand seit Dezember 2022.
Damit liegen Bargeld und Bankkonten erstmals in der aktuellen Entwicklung nahezu gleichauf. Die Zahlen deuten auf eine veränderte Haltung der Verbraucher gegenüber der Aufbewahrung ihrer Ersparnisse hin.
Geldmenge steigt um 2,4 Billionen Rubel
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Bargeldumlauf. Seit Anfang 2026 ist die Bargeldmenge in Russland um rund 2,4 Billionen Rubel gestiegen.
Allein im Juli kamen nach den vorliegenden Angaben rund 650 Milliarden Rubel hinzu. Umgerechnet entspricht dies etwa 103 Milliarden polnischen Złoty seit Jahresbeginn und rund 28 Milliarden Złoty im Juli.
Der starke Anstieg fällt zeitlich mit dem zunehmenden Rückgang der Termineinlagen bei Banken zusammen. Die vorliegenden Daten zeigen damit zwei parallele Entwicklungen: Während bei zahlreichen Banken Termineinlagen von Privatkunden zurückgehen, nimmt die Bargeldmenge im Umlauf zu.
Was hinter dem Bargeld-Trend steckt
Die Zahlen belegen einen deutlichen Anstieg der Bargeldpräferenz, erklären aber nicht allein, warum Verbraucher ihr Geld aus Bankeinlagen abziehen. Aus den vorliegenden Informationen lässt sich daher kein einzelner Grund für die Entwicklung ableiten.
Auffällig ist jedoch die Geschwindigkeit des Wandels. Noch im Juli bevorzugten 33 Prozent der Befragten Bargeld als Möglichkeit zur Aufbewahrung ihrer Ersparnisse. Einen Monat später waren es bereits 37 Prozent.
Für die Banken bedeutet eine solche Verschiebung, dass ihnen ein Teil der Einlagenbasis entzogen werden kann. Termineinlagen sind für Kreditinstitute eine wichtige Finanzierungsquelle. Wenn Kunden Geld stattdessen bar halten, steht es dem Bankensystem nicht auf dieselbe Weise für die Finanzierung anderer Geschäfte zur Verfügung.
Entwicklung ist auch für Europa relevant
Die Entwicklung in Russland ist auch außerhalb des Landes von wirtschaftlichem Interesse. Veränderungen bei Bankeinlagen und Bargeldhaltung können Hinweise darauf geben, wie Haushalte ihre finanzielle Sicherheit einschätzen und wie stark sie dem Bankensystem als Aufbewahrungsort für Ersparnisse vertrauen.
Gleichzeitig sollte der Anstieg der Bargeldmenge nicht automatisch als Zeichen einer akuten Bankenkrise interpretiert werden. Die vorliegenden Zahlen zeigen einen Trend bei Einlagen und Sparpräferenzen, liefern aber keinen Beleg für einen flächendeckenden Zusammenbruch des russischen Bankensystems.
Entscheidend wird deshalb sein, ob sich die Entwicklung in den kommenden Monaten fortsetzt. Bleibt die Bargeldpräferenz hoch und setzt sich der Rückgang der Termineinlagen fort, könnte dies für russische Banken und die Finanzierung der Wirtschaft zunehmend relevant werden.
Die größere Bedeutung
Der aktuelle Trend zeigt eine bemerkenswerte Verschiebung im Sparverhalten russischer Privathaushalte. Immer mehr Menschen bevorzugen Bargeld, während die Zahl der Banken mit rückläufigen Termineinlagen zunimmt.
Ob daraus eine dauerhafte Veränderung des Sparverhaltens entsteht, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Die Entwicklung im Sommer 2026 macht jedoch deutlich, dass Bargeld für russische Verbraucher wieder eine Bedeutung erreicht hat, die seit Jahren nicht mehr beobachtet wurde.






