Trump verkürzt Militärübungen mit Südkorea – Seoul gerät unter Druck
Die USA und Südkorea verkürzen ihre jährlichen gemeinsamen Militärübungen deutlich. Das Manöver „Ulchi Freedom Shield“ begann am 17. August und soll nun bereits am 21. August enden – ursprünglich war es bis zum 27. August geplant. Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump dürfte die militärische Lage auf der koreanischen Halbinsel kurzfristig kaum verändern, hat aber politische Bedeutung: Südkorea sieht darin auch ein Signal im Zusammenhang mit seiner Zurückhaltung gegenüber dem US-geführten Vorgehen gegen Iran. Für Deutschland ist der Vorgang vor allem deshalb relevant, weil er Fragen nach der Verlässlichkeit amerikanischer Bündniszusagen aufwirft.
Militärübungen Südkorea werden um fast eine Woche verkürzt
Nach Angaben des südkoreanischen Generalstabs wurde die Dauer des Manövers auf Vorschlag der US-Seite angepasst. Neben der Verkürzung soll auch der Umfang bestimmter Feldübungen reduziert werden. Das US-Verteidigungsministerium betont zugleich, dass die militärische Einsatzbereitschaft und die Ausbildungsziele trotz der Änderungen erhalten bleiben sollen.
Trump hatte zuvor angeordnet, die Übungen „substanziell“ zu reduzieren. Als Gründe nannte er unter anderem die Kosten der Manöver und seine Einschätzung, dass die Übungen gegenüber Nordkorea ein unnötig feindseliges Signal aussendeten. Zugleich verwies er auf sein gutes persönliches Verhältnis zu Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.
Die jährliche Übung dient der militärischen Vorbereitung der Verbündeten. Sie umfasst unter anderem die gemeinsame Planung und Simulation von Reaktionen auf Bedrohungen durch Nordkorea. Die Verkürzung bedeutet daher nicht, dass das Manöver vollständig abgesagt oder die militärische Zusammenarbeit beendet wurde.
Seoul erfuhr offenbar erst nachträglich von der Entscheidung
Besonders bemerkenswert ist der politische Umgang mit der Änderung. Südkoreas Außenminister Cho Hyun erklärte am 19. August vor einem parlamentarischen Ausschuss, weder die südkoreanische Regierung noch US-Vertreter seien im Vorfeld über die Entscheidung informiert gewesen. Seoul habe von Trumps Ankündigung über dessen soziale Medien erfahren.
Cho äußerte zudem die Sorge, Trumps Anordnung könne teilweise dazu dienen, Südkorea zu einer stärkeren Unterstützung der amerikanischen Politik gegenüber Iran zu bewegen. Trump hatte selbst auf die Weigerung Seouls verwiesen, sich an den US-Bemühungen zur „Denuklearisierung“ Irans zu beteiligen.
Damit verbindet sich die militärische Entscheidung mit einer zweiten Ebene: Washington setzt offenbar stärker auf politischen Druck, um die Interessen der USA gegenüber einem Verbündeten durchzusetzen.
Was die Entscheidung für die Sicherheit bedeutet
Militärisch dürfte die unmittelbare Wirkung der Verkürzung begrenzt sein. Die Übungen finden statt, und die USA erklären, dass wesentliche Ausbildungsziele erhalten bleiben. Sicherheitsexperten warnen jedoch davor, den Wert regelmäßiger gemeinsamer Übungen zu unterschätzen, weil sie die Zusammenarbeit und Einsatzbereitschaft der Verbündeten stärken.
Politisch ist die Entwicklung deshalb wichtiger als die eingesparten Übungstage. Südkorea muss sich darauf einstellen, dass Washington seine militärische Unterstützung stärker mit anderen politischen Erwartungen verknüpft. Zugleich könnte die Entscheidung neue Diskussionen über die Eigenständigkeit der südkoreanischen Verteidigung auslösen.
Für Europa ist das ein bemerkenswertes Signal. Die USA sind auch für die europäische Sicherheitsordnung ein zentraler Bündnispartner. Wenn Washington militärische Kooperation mit einem langjährigen Verbündeten kurzfristig verändert und dabei politische Forderungen als Begründung anführt, dürfte dies auch in europäischen Hauptstädten genau beobachtet werden.
Der Blick nach vorn
Unklar bleibt, ob die Verkürzung eine einmalige Anpassung bleibt oder Teil einer längerfristigen Veränderung der US-Sicherheitspolitik in Ostasien wird. Gleichzeitig versucht Trump, die Beziehungen zu Kim Jong Un wieder stärker für diplomatische Kontakte zu nutzen.
Für Seoul entsteht damit ein schwieriger Balanceakt: Das Land bleibt auf die enge militärische Zusammenarbeit mit den USA angewiesen, muss zugleich aber mit einer amerikanischen Regierung umgehen, die Bündnispolitik stärker mit unmittelbaren politischen Erwartungen verbindet.
Die nächsten Schritte Washingtons und Seouls werden daher entscheidender sein als die sechs Tage, um die das diesjährige Manöver verkürzt wurde. Die eigentliche Frage lautet, ob daraus eine dauerhafte Veränderung der amerikanisch-südkoreanischen Sicherheitsbeziehung entsteht.
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