Imran Khan soll für fast einen Monat ins Krankenhaus verlegt werden
Pakistans Oberstes Gericht hat die Verlegung des inhaftierten ehemaligen Premierministers Imran Khan vom Adiala-Gefängnis in Rawalpindi in das Shifa International Hospital in Islamabad angeordnet. Der 73-Jährige soll dort bis zur nächsten Anhörung am 16. September bleiben. Hintergrund sind medizinische Bedenken, darunter schwankender Blutdruck, Angstzustände und Auffälligkeiten bei Puls und Herzfunktion. Zugleich entschied das Gericht über Besuchs- und Kontaktrechte seiner Familie – ein Punkt, der den politischen Streit um Khan zusätzlich verschärft.
Oberstes Gericht ordnet Verlegung von Imran Khan an
Das dreiköpfige Richtergremium wies am Dienstag an, Khan innerhalb von zwei Tagen aus dem Gefängnis in das Krankenhaus zu bringen. Nach Angaben seines Anwalts Uzair Bhandari soll dort ein Ärzteteam seine Behandlung überwachen.
Zu dem Team gehören unter anderem Khans Schwester, Dr. Uzma Khan, und sein Leibarzt, Dr. Faisal Sultan. Damit erhält Khan nach Angaben seines Anwalts die Möglichkeit, von Ärzten begleitet zu werden, deren Einbindung seine Partei seit Monaten gefordert hatte.
Das Gericht genehmigte zugleich Besuche der Familie im Krankenhaus. Außerdem soll Khan mit seinen Söhnen sprechen dürfen, die im Ausland leben. Die nächste Anhörung wurde für den 16. September angesetzt; bis dahin soll der ehemalige Regierungschef nach der gerichtlichen Anordnung im Krankenhaus bleiben.
Für Khan ist die Entscheidung besonders bedeutsam. Seit seiner Verurteilung im August 2023 verbrachte er den überwiegenden Teil seiner Haftzeit im Gefängnis. Nach Angaben seines Anwalts wäre dies der längste Zeitraum, den er seit seiner Verurteilung außerhalb einer Haftanstalt verbringt.
Imran Khan Krankenhaus: Gesundheit wird zum Streitpunkt
Auslöser für die aktuelle Entscheidung war ein Bericht des Leiters des Adiala-Gefängnisses, den dieser am Montag dem Gericht vorlegte. Darin wurde eine kardiologische Untersuchung Khans vom 10. August beschrieben.
Das Gutachten dokumentierte demnach schwankenden Blutdruck und Angstzustände. Diese wurden laut dem vorgelegten Bericht mit dem eingeschränkten Kontakt zu Khans Familie in Verbindung gebracht.
Während der Anhörung hinterfragte das Gericht den Bericht und befragte den pakistanischen Generalstaatsanwalt zu dessen Lücken. Nach den im Verfahren angesprochenen medizinischen Befunden waren Puls und Herzfunktion Khans nicht normal; zudem seien bereits lebenswichtige Organe beeinträchtigt.
Die Verlegung kommt nach mehreren früheren Versuchen. Seit Februar hatten Gerichte entsprechende Anträge zweimal abgelehnt. Das Oberste Gericht von Islamabad hatte stattdessen eine Untersuchung durch ein medizinisches Gutachtergremium angeordnet.
Die Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI), die von Khan gegründete Oppositionspartei, sieht sich durch die aktuelle Entscheidung in ihrer bisherigen Position bestätigt. Zulfi Bukhari, ein hochrangiger PTI-Politiker, erklärte gegenüber Al Jazeera, eine medizinische Versorgung innerhalb des Gefängnissystems könne eine gründliche Untersuchung durch unabhängige Spezialisten seiner Wahl nicht ersetzen.
Zugang zu Khan wird zum politischen Druckmittel
Hinter dem Streit über Khans Behandlung steht längst mehr als eine medizinische Frage. Die PTI betrachtet den Zugang zu ihrem inhaftierten Parteigründer zunehmend als Voraussetzung für eine Wiederaufnahme der Gespräche mit der Regierung.
Die Regierung hat ihrerseits ihre Bemühungen um einen Dialog wieder aufgenommen. Bisher blieb eine Einigung jedoch aus. Die politische Auseinandersetzung über Khan verbindet sich damit zunehmend mit Fragen nach seinen Haftbedingungen, seinem Zugang zu Angehörigen und der Möglichkeit, mit seinen politischen Unterstützern zu kommunizieren.
Regierungsvertreter weisen den Vorwurf zurück, Khan werde medizinisch unzureichend versorgt. Rana Sanaullah, Berater des Premierministers, erklärte am Montag im Senat, Khan erhalte die bestmögliche medizinische Behandlung. Seiner Darstellung zufolge bestätige sein Gesundheitszustand die von der PTI geäußerten Befürchtungen nicht.
Zugleich betonte die Regierung, eine Verlegung aus dem Gefängnis müsse richterlich genehmigt werden und liege nicht im Ermessen der Exekutive. Gerade dieser Punkt zeigt, wie stark die medizinische Frage inzwischen mit dem politischen Konflikt verknüpft ist.
Imran Khan im Krankenhaus- Was die Entscheidung für Pakistans Politik bedeutet
Die unmittelbare Folge des Urteils ist zunächst klar: Khan erhält für mehrere Wochen Zugang zu einer spezialisierten medizinischen Behandlung außerhalb des Gefängnisses und zugleich mehr Kontakt zu seiner Familie. Politisch könnte die Entscheidung der PTI neue Argumente für ihre Forderungen nach verbesserten Haft- und Zugangsbedingungen liefern.
Entscheidend wird sein, wie sich die Situation bis zum 16. September entwickelt. Dann steht nicht nur die weitere medizinische Behandlung Khans im Mittelpunkt. Auch die Frage, ob der Zugang zu ihm zu einer Voraussetzung für politische Gespräche wird, dürfte die Auseinandersetzung zwischen PTI und Regierung weiter prägen.
Die PTI hat für den 27. September landesweite Proteste angekündigt. Damit zeichnet sich bereits ein weiterer politischer Konfliktpunkt ab, während die Regierung und die Opposition gleichzeitig versuchen, den ins Stocken geratenen Dialog wieder aufzunehmen.
Für Beobachter außerhalb Pakistans ist der Fall deshalb vor allem wegen seiner Verbindung von Justiz, Haftbedingungen, Gesundheitsversorgung und politischem Konflikt relevant. Die aktuelle Gerichtsentscheidung beendet diese Auseinandersetzung nicht – sie verschiebt vielmehr die Bedingungen, unter denen sie in den kommenden Wochen geführt wird.
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