Fünf Tassen Kaffee täglich: Studie findet weniger gefährliches Bauchfett
Fünf Tassen Kaffee täglich stehen in einer neuen finnischen Studie mit einem geringeren Anteil an Körper- und viszeralem Fett in Verbindung. Forschende der Universität Oulu untersuchten 2.264 Menschen im Alter von 46 Jahren und stellten fest, dass Personen mit einem Kaffeekonsum von mindestens fünf Tassen pro Tag im Durchschnitt weniger Körperfett und mehr Skelettmuskelmasse hatten als Nicht-Kaffeetrinker. Der entscheidende Haken: Die Untersuchung zeigt einen Zusammenhang, aber nicht, dass Kaffee tatsächlich Bauchfett abbaut.
Fünf Tassen Kaffee und weniger viszerales Fett
Für die im European Journal of Nutrition veröffentlichte Untersuchung wertete das Forschungsteam Daten der Northern Finland Birth Cohort 1966 aus. Die 2.264 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden nach ihrem üblichen Kaffeekonsum eingeteilt: 70 tranken keinen Kaffee, 296 konsumierten ein bis zwei Tassen täglich, 822 drei bis vier und 1.076 mindestens fünf Tassen pro Tag.
Bei den Personen mit dem höchsten Kaffeekonsum stellten die Forschenden einen niedrigeren Körperfettanteil, eine geringere Fettmasse und weniger viszerales Fett fest. Gleichzeitig war ihre Skelettmuskelmasse höher. Der Body-Mass-Index unterschied sich dagegen kaum zwischen den Gruppen.
Gerade dieser Unterschied ist interessant: Zwei Menschen können einen ähnlichen BMI haben, aber eine völlig unterschiedliche Körperzusammensetzung. Ein höherer Muskelanteil und weniger Fettgewebe lassen sich durch den BMI allein nicht erkennen.
Was ist viszerales Bauchfett?
Viszerales Fett liegt nicht direkt unter der Haut, sondern befindet sich im Bauchraum rund um die inneren Organe. Es gilt als metabolisch besonders relevant und wird mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken in Verbindung gebracht.
Die finnische Studie fand bei höherem Kaffeekonsum eine günstigere Körperzusammensetzung, obwohl sich klassische Maße wie BMI und Taillenumfang zwischen den Kaffeekonsumgruppen kaum unterschieden. Die Forschenden weisen allerdings selbst darauf hin, dass die Bestimmung der Körperzusammensetzung in ihrer Untersuchung indirekt erfolgte.
Das macht die Ergebnisse interessant, aber auch erklärungsbedürftig: Weniger Gewicht auf der Waage bedeutet nicht automatisch weniger gesundheitlich relevantes Fett.
Warum Kaffee diesen Zusammenhang haben könnte
Die Studie untersuchte nicht nur Körpermaße. Zusätzlich analysierten die Wissenschaftler Blutproben und betrachteten unter anderem Stoffwechselmarker, Insulin sowie Sexualhormone.
Bei Männern war ein höherer Kaffeekonsum unter anderem mit einem günstigeren Glukose- und Insulinprofil verbunden. Außerdem fanden die Forschenden geschlechtsspezifische Zusammenhänge bei Testosteron und dem Sexualhormon-bindenden Globulin (SHBG). Bei Frauen waren die hormonellen Zusammenhänge weniger ausgeprägt.
Welche Bestandteile des Kaffees für die beobachteten Zusammenhänge verantwortlich sein könnten, ist allerdings noch nicht geklärt. Die Autoren betonen, dass weitere Längsschnitt- und Interventionsstudien erforderlich sind, um einen ursächlichen Zusammenhang nachzuweisen.
Bedeutet das: Je mehr Kaffee, desto gesünder?
Nein. Genau hier ist Vorsicht bei der Interpretation wichtig.
Die finnische Untersuchung war querschnittlich angelegt. Sie zeigt also, dass bestimmte Merkmale bei Menschen mit unterschiedlichem Kaffeekonsum gemeinsam auftreten. Sie beweist nicht, dass fünf Tassen Kaffee dazu führen, dass viszerales Fett verschwindet.
Auch frühere Forschung liefert kein einfaches Bild. Eine 2023 veröffentlichte Studie mit 1.483 Menschen mit metabolischem Syndrom fand beispielsweise einen Zusammenhang zwischen einer Erhöhung auf einen moderaten Kaffeekonsum und geringeren Mengen an Körper-, Rumpf- und viszeralem Fett. Ein Anstieg auf einen hohen Konsum zeigte dagegen keinen entsprechenden Zusammenhang.
Das spricht gegen die Idee, Kaffee einfach als Mittel zum Abnehmen zu betrachten.
Der überraschende Punkt: Der BMI erzählt nicht die ganze Geschichte
Eine der interessanteren Beobachtungen der neuen Studie ist, dass der BMI trotz der Unterschiede bei Körperfett und Muskelmasse ähnlich war. Das unterstreicht eine bekannte Schwäche des BMI: Er unterscheidet nicht zwischen Fett- und Muskelmasse.
Für die Beurteilung der Gesundheit kann deshalb die Verteilung des Körperfetts wichtiger sein als eine einzelne Zahl auf der Waage. Die finnischen Forschenden sehen in ihren Ergebnissen Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Kaffeekonsum und einer günstigeren Körperzusammensetzung.
Für Verbraucher bedeutet das aber nicht, dass sie ihren Kaffeekonsum auf fünf Tassen erhöhen sollten. Wer Kaffee gut verträgt, kann ihn als Bestandteil seiner Ernährung betrachten – die Studie liefert jedoch keinen Beleg dafür, dass ein hoher Konsum gezielt Bauchfett reduziert.
Kaffee ist interessant – aber kein Bauchfett-Killer
Die finnischen Daten liefern einen weiteren Hinweis darauf, dass Kaffeekonsum mit Stoffwechsel und Körperzusammensetzung zusammenhängen könnte. Besonders auffällig ist die Kombination aus weniger Körper- und viszeralem Fett sowie mehr Muskelmasse bei ähnlichem BMI.
Ob Kaffee diese Veränderungen tatsächlich verursacht, bleibt jedoch offen. Wer wegen der Studie nun fünf Tassen am Tag trinken möchte, sollte deshalb nicht mit einem automatischen Abbau von Bauchfett rechnen.
Was von der Studie bleibt
Die Untersuchung macht vor allem deutlich, dass Kaffeekonsum und Körperzusammensetzung enger miteinander verbunden sein könnten als bisher angenommen. Der beobachtete Zusammenhang ist wissenschaftlich interessant, reicht aber noch nicht für die Empfehlung aus, gezielt mehr Kaffee zu trinken.
Fünf Tassen sind daher kein bewiesenes Rezept gegen Bauchfett. Die entscheidende Frage für die Forschung lautet vielmehr, ob Kaffee selbst die Veränderungen verursacht – oder ob andere Faktoren erklären, warum starke Kaffeetrinker in dieser Untersuchung eine günstigere Körperzusammensetzung aufwiesen.
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