Hamas stimmt Fahrplan für zweite Phase des Gaza-Waffenstillstands zu
Hamas stimmt zweiter Phase des Gaza-Waffenstillstandsabkommens zu: Bei Gesprächen im ägyptischen El-Alamein hat die palästinensische Organisation nach eigenen Angaben einem Fahrplan für die nächste Phase des Gaza-Abkommens zugestimmt. Im Mittelpunkt stehen die Umsetzung weiterer Vereinbarungen, ein Ende der Kämpfe und die Voraussetzungen für einen dauerhaften Waffenstillstand. US-Gesandter Jared Kushner traf dabei erstmals mit Hamas-Führer Khalil al-Hayya zusammen. Der entscheidende Unsicherheitsfaktor bleibt Israel: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Teile des US-Plans bislang abgelehnt.
Was bedeutet die Zustimmung der Hamas?
Nach Angaben der Hamas verständigten sich die Delegationen in Ägypten gemeinsam mit den Vermittlern und Vertretern der beteiligten Garantiestaaten auf einen Fahrplan für die zweite Phase. Die Hamas verlangt zugleich, dass die Vermittler und die US-Regierung Israel zur vollständigen Umsetzung seiner Verpflichtungen aus der ersten Phase bewegen.
Damit ist der Übergang in die zweite Phase noch nicht gleichbedeutend mit einem endgültigen Friedensschluss. Der weitere Prozess hängt davon ab, ob die beteiligten Parteien die vorgesehenen Schritte tatsächlich umsetzen und bestehende Streitpunkte überwinden können.
Der US-gestützte Plan sieht unter anderem eine dauerhafte Beendigung der Kämpfe, die Entwaffnung der Hamas, einen schrittweisen Abzug israelischer Truppen sowie den Wiederaufbau des Gazastreifens vor. Zudem soll die Verwaltung des Gebiets auf eine palästinensische technokratische Struktur übergehen.
Treffen von Jared Kushner und Khalil al-Hayya
Eine zentrale Entwicklung der Gespräche war das direkte Treffen zwischen Jared Kushner, dem US-Gesandten und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, und Hamas-Führer Khalil al-Hayya. An den Gesprächen in Ägypten waren außerdem Vertreter Ägyptens, Katars und der Türkei sowie des von den USA geschaffenen „Board of Peace“ beteiligt.
Für Kushner ist das Treffen Teil eines erneuten diplomatischen Vorstoßes, nachdem die Umsetzung der nächsten Phase des Gaza-Plans ins Stocken geraten war. Am Montag soll er nach Gesprächen mit den Vermittlern in Ägypten auch mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zusammentreffen.
Gerade diese Gesprächsrunde ist entscheidend. Hamas hat ihre Zustimmung zu dem Fahrplan bekräftigt, während Israel wesentliche Bestandteile des Vorschlags bislang nicht akzeptiert hat. Netanjahu fordert insbesondere eine vollständige Entwaffnung der Hamas und hat den aktuellen US-Plan öffentlich kritisiert.
Waffenstillstand bleibt trotz neuer Bewegung fragil
Die neue diplomatische Bewegung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Lage im Gazastreifen weiterhin angespannt ist. Trotz des im Oktober 2025 vereinbarten Waffenstillstands gab es nach Angaben von Reuters weiterhin israelische Luftangriffe. Hamas wiederum wirft Israel Verstöße gegen die Vereinbarung vor.
Die Forderung der Hamas, die Angriffe auf Palästinenser und die israelischen Militäroperationen im Gazastreifen zu beenden, ist deshalb nicht nur eine politische Bedingung, sondern ein zentraler Streitpunkt für die Umsetzung der nächsten Phase. Gleichzeitig verlangt Israel Sicherheitsgarantien und die vollständige Entwaffnung der Hamas.
Der bereits im Juli vereinbarte Rahmen für die zweite Phase sah vor, dass die Entwaffnung schrittweise erfolgen und mit dem israelischen Truppenabzug verknüpft werden soll. Vorgesehen sind dabei unter anderem die Stilllegung schwerer Waffen, militärischer Produktionsstätten, Waffenlager und des Tunnelsystems.
Was jetzt für Gaza und die Region auf dem Spiel steht
Die jüngste Einigung ist deshalb vor allem ein diplomatischer Fortschritt, noch kein Durchbruch. Entscheidend wird sein, ob Hamas und Israel gleichzeitig bereit sind, die jeweils geforderten Schritte einzuleiten. Die bisherigen Differenzen zeigen, wie schwierig die Verbindung von Entwaffnung, israelischem Rückzug, Sicherheitsfragen und einer neuen Verwaltung für Gaza ist.
Für die Europäische Union und damit auch für Deutschland ist die Entwicklung relevant, weil ein stabilerer Waffenstillstand die humanitäre Lage im Gazastreifen verbessern und die Voraussetzungen für Wiederaufbau schaffen könnte. Zugleich würde eine dauerhafte Vereinbarung die regionale Sicherheitslage beeinflussen und könnte den diplomatischen Druck auf europäische Staaten verändern.
Die nächsten Gespräche zwischen Kushner und Netanjahu dürften deshalb entscheidend sein. Sollte Israel den Fahrplan akzeptieren, könnte der Prozess in die nächste konkrete Umsetzungsphase eintreten. Bleibt die israelische Ablehnung bestehen, dürfte die nun erzielte Zustimmung der Hamas allein nicht ausreichen, um das Abkommen voranzubringen.
Hamas stimmt zweiter Phase des Gaza-Waffenstillstandsabkommens zu. Ein möglicher Schritt nach vorn – aber noch kein Durchbruch
Die Zustimmung der Hamas zum Fahrplan für die zweite Phase eröffnet eine neue diplomatische Möglichkeit. Ob daraus tatsächlich ein stabiler Waffenstillstand und ein politischer Übergang im Gazastreifen entstehen, hängt jedoch maßgeblich von der Reaktion Israels und der Fähigkeit der Vermittler ab, die unterschiedlichen Bedingungen zusammenzuführen.
Für die Menschen im Gazastreifen steht dabei weit mehr als ein Verhandlungstext auf dem Spiel: Es geht um ein Ende der Kämpfe, humanitäre Hilfe, Sicherheit und die Möglichkeit, mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Für die internationale Diplomatie beginnt damit die nächste, möglicherweise entscheidende Bewährungsprobe.
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