Belmondziak: Wie die polnischen Schattenjäger einen der gefährlichsten Gangster aufspürten
Marcin K., bekannt unter dem Namen „Belmondziak“ und dem Spitznamen „Wściekły“, galt laut polnischen Ermittlern als wichtiger Akteur der organisierten Kriminalität. Jahrelang versuchte er, sich dem Zugriff der Behörden zu entziehen. Schließlich spürten ihn Spezialisten der polnischen Polizei auf.
Seine Geschichte wird in dem Buch „Schattenjäger. Hinter den Kulissen der geheimnisvollsten Polizeieinheit“ des Onet-Journalisten Piotr Halicki beschrieben. Das Buch erschien im Juni und gibt Einblicke in die Arbeit einer Spezialeinheit, die nach besonders gefährlichen und schwer auffindbaren Straftätern sucht.
Belmondziak und die Bande von „Szkatuła“
Marcin K., alias „Belmondziak“ beziehungsweise „Wściekły“, ist der Halbbruder von Rafał S., der unter dem Namen „Szkatuła“ bekannt war.
Nach den in polnischen Medien und Ermittlungsakten beschriebenen Vorwürfen spielte Belmondziak eine wichtige Rolle innerhalb der Gruppierung seines Halbbruders. Zwischen 2008 und 2011 soll die sogenannte Szkatuła-Bande in großem Umfang mit Drogen gehandelt haben.
Dabei werden der Gruppe erhebliche Mengen an Marihuana, Amphetamin, Kokain und Heroin zugeschrieben. Darüber hinaus sollen Mitglieder Schutzgeld erpresst und gewaltsame Konflikte mit rivalisierenden kriminellen Gruppen geführt haben.
Die genannten Mengen und Vorwürfe stammen aus den polnischen Ermittlungen und Medienberichten. Sie sind entsprechend vom jeweiligen Verfahrensstand zu unterscheiden.
Ein Mann, der auf Gewalt setzte
Ein ehemaliger Warschauer Ermittler beschrieb den Unterschied zwischen den beiden Brüdern deutlich.
Während Rafał S. eher als Stratege und Intrigant wahrgenommen worden sei, habe Marcin K. stärker auf Gewalt und Einschüchterung gesetzt.
Nach Einschätzung der Ermittler konnte er sich auch gegenüber anderen bekannten Banden aus Warschau und Umgebung behaupten. Er soll kleinere Gruppen zusammengeführt und dadurch eine schlagkräftigere kriminelle Struktur aufgebaut haben.
Sein Ruf als besonders gewalttätiger Akteur spiegelte sich auch in seinem Spitznamen „Wściekły“ wider.
Jahrelang auf der Flucht
Die Ermittler gingen davon aus, dass Belmondziak zeitweise eine sogenannte „Box-Bande“ anführte. Besonders schwierig war für die Polizei, seinen Aufenthaltsort zu bestimmen.
Sein Halbbruder Rafał S. hatte sich zu dieser Zeit ebenfalls erfolgreich verborgen. Die Behörden gingen zeitweise sogar davon aus, dass er möglicherweise nicht mehr lebte.
Belmondziak gehörte laut den Ermittlern zu den wenigen Personen, die weiterhin persönlichen Kontakt zu ihm gehabt haben könnten.
Damit wurde Marcin K. für die Fahnder zu einem wichtigen Ansatzpunkt bei der Suche nach dem Netzwerk.
70 Mobiltelefone für mehr Sicherheit
Besonders ungewöhnlich war sein Umgang mit Mobiltelefonen.
Die Ermittler wussten nach Darstellung von Marcin, einem Mitglied der sogenannten Schattenjäger, dass Belmondziak etwa 70 Telefone besaß.
Der Grund dafür lag offenbar in der Tarnung seiner Kommunikation. Kriminelle Führungspersonen können mehrere Geräte und Nummern verwenden, um ihre Kommunikationswege zu verschleiern und die Zuordnung einzelner Kontakte zu erschweren.
„Ein Anruf, um eine Person zu kontaktieren“, beschreibt der Ermittler die dahinterstehende Logik.
Für Fahnder bedeutet ein solches Vorgehen eine zusätzliche Herausforderung: Selbst wenn eine Telefonnummer überwacht oder identifiziert wird, muss daraus nicht automatisch der tatsächliche Aufenthaltsort der gesuchten Person hervorgehen.
Die Schattenjäger nehmen die Spur auf
Die polnischen „Schattenjäger“ sind auf die Fahndung nach besonders schwer auffindbaren Straftätern spezialisiert.
Ihre Aufgabe besteht nicht nur darin, einen Verdächtigen zu identifizieren. Entscheidend ist vielmehr, seinen Aufenthaltsort möglichst genau zu bestimmen und einen Zugriff so zu planen, dass Gefahren für Beamte und unbeteiligte Personen minimiert werden.
Im Fall von Belmondziak war diese Arbeit besonders schwierig, weil der Gesuchte über längere Zeit untergetaucht war und offenbar zahlreiche Maßnahmen ergriff, um seine Kommunikation und Bewegungen zu verschleiern.
Zugriff in Otwock
Im Oktober 2009 gelang den Ermittlern schließlich der Zugriff.
Beamte des Warschauer Zentralbüros für Ermittlungen hatten den Aufenthaltsort von Belmondziak ermittelt und wollten ihn in Otwock stoppen.
Doch die Festnahme verlief nicht wie geplant.
Als die Beamten versuchten, das Fahrzeug anzuhalten, soll Belmondziak mit seinem Auto auf die Polizisten zugefahren sein. Die Beamten schossen daraufhin auf die Reifen.
Der Gesuchte verließ anschließend das Fahrzeug und versuchte zu Fuß zu fliehen.
Den Ermittlern gelang es schließlich, ihn festzunehmen.
Mehrere Haftbefehle
Zum Zeitpunkt seiner Festnahme wurde Marcin K. aufgrund mehrerer Haftbefehle gesucht.
Nach den vorliegenden Angaben bestanden drei Haftbefehle polnischer Staatsanwaltschaften sowie ein Europäischer Haftbefehl des Bezirksgerichts Warschau.
Die Vorwürfe bezogen sich unter anderem auf schwere Straftaten gegen Personen, Drogendelikte, Freiheitsberaubung und Erpressung.
Ein Teil der Ermittlungen betraf den Verdacht, dass zwischen 2000 und 2009 Personen in besonders schwierigen Lebenssituationen entführt worden seien.
Festnahme verändert die Polizeiarbeit
Die Operation gegen Belmondziak hatte nach Darstellung des Buches auch Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der polnischen Fahndung.
Nach der Operation wurde eine spezielle Abteilung für Verfolgungsoperationen eingerichtet. Die Erfahrungen aus der Suche nach besonders schwer erreichbaren Tatverdächtigen flossen damit in eine stärker spezialisierte Polizeiarbeit ein.
Der Fall zeigt zugleich, wie schwierig die Fahndung nach Personen sein kann, die über ein gut ausgebautes Unterstützungsnetzwerk verfügen und bewusst versuchen, möglichst wenige Spuren zu hinterlassen.
Was den Fall besonders macht
Die Geschichte von Belmondziak ist weniger wegen einzelner spektakulärer Details bemerkenswert als wegen der Methoden, mit denen die Fahnder einen über lange Zeit untergetauchten Verdächtigen schließlich lokalisieren konnten.
Viele Mobiltelefone, wechselnde Kommunikationswege und ein Netzwerk von Kontakten können eine Fahndung erheblich erschweren.
Die Arbeit spezialisierter Einheiten besteht deshalb häufig aus vielen einzelnen Informationsfragmenten. Erst wenn diese miteinander verbunden werden, entsteht ein ausreichend genaues Bild für einen Zugriff.
Fazit
Der Fall Belmondziak gehört zu den aufsehenerregenden Fahndungsgeschichten der polnischen organisierten Kriminalität. Marcin K. soll eine wichtige Rolle im Umfeld der Szkatuła-Bande gespielt haben und wurde wegen schwerer Vorwürfe gesucht.
Nach jahrelanger Fahndung gelang es den polnischen Ermittlern, seine Spur aufzunehmen und ihn schließlich in Otwock festzunehmen. Der Einsatz verdeutlicht zugleich die besondere Herausforderung, vor der Polizeieinheiten stehen, wenn gesuchte Personen ihre Kommunikation gezielt verschleiern und über längere Zeit untertauchen.
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