„Nein, nicht nach Marokko“: 12-jähriger Junge verhindert Abschiebung an der Grenze zu Ceuta
Ein weinender 12-jähriger Junge hat an der Grenze zwischen der spanischen Exklave Ceuta und Marokko für einen bewegenden Einsatz gesorgt. Nachdem Zeugen und ein Militärkommandant bemerkten, dass der Minderjährige ohne Begleitung unterwegs war, wurde seine Rückführung gestoppt. Nach spanischem Recht dürfen unbegleitete minderjährige Migranten nicht unmittelbar abgeschoben werden.
Vorfall an der Grenze zu Ceuta
Der Zwischenfall ereignete sich am Grenzübergang zwischen Ceuta und Marokko, wo die Behörden weiterhin mit den Folgen eines starken Zustroms von Migranten zu kämpfen haben.
Augenzeugen berichteten, der Junge sei weinend umhergelaufen und habe immer wieder gerufen: „Nein, nicht nach Marokko!“
Zunächst war unklar, warum sich das Kind in der Nähe des Grenzübergangs aufhielt.
Zeugen erkennen die Situation
Mehrere anwesende Frauen halfen dabei, die Worte des Jungen zu übersetzen. Dabei wurde deutlich, dass der 12-Jährige ohne Eltern oder andere erwachsene Begleitpersonen unterwegs war.
Ein zuständiger Oberstleutnant ordnete daraufhin an, die geplante Rückführung sofort zu stoppen.
Nach den geltenden spanischen Kinderschutzbestimmungen dürfen unbegleitete minderjährige Migranten nicht unmittelbar an der Grenze zurückgewiesen werden.
Jugendamt übernimmt die Betreuung
Ein Beamter der Guardia Civil brachte den Jungen anschließend in die Obhut des Jugendamtes.
Nach Angaben spanischer Medien wurde der Minderjährige zudem vom Roten Kreuz medizinisch versorgt und anschließend zurück in eine Betreuungseinrichtung in Ceuta gebracht.
Ceuta steht weiter unter Druck
Die autonome Stadt Ceuta erlebt seit dem jüngsten Anstieg der Migration eine angespannte humanitäre Situation.
Nach Angaben der Stadt werden derzeit mehr als 800 unbegleitete Minderjährige in Notunterkünften und Betreuungseinrichtungen versorgt. Gleichzeitig gehen Behörden davon aus, dass sich weitere Kinder und Jugendliche bislang noch nicht registriert haben.
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Familien suchen vermisste Angehörige
Nach Informationen der Nachrichtenagentur EFE werden derzeit mindestens 44 Menschen, überwiegend Minderjährige und Jugendliche, von ihren Familien gesucht.
Viele Angehörige versuchen über soziale Medien und lokale Medien in Spanien und Marokko, Hinweise auf ihre vermissten Kinder zu erhalten.
Save the Children warnt vor Überlastung
Die Hilfsorganisation Save the Children sieht das Kinderschutzsystem in Ceuta an seiner Belastungsgrenze.
Nach Angaben der Organisation verfügt die Stadt eigentlich über deutlich weniger Plätze für schutzbedürftige Minderjährige. Durch die jüngsten Ankünfte sei die Kapazität inzwischen um ein Vielfaches überschritten worden.
Die Organisation fordert deshalb eine schnelle Identifizierung aller unbegleiteten Kinder sowie ihre Unterbringung in sicheren Einrichtungen mit medizinischer und psychosozialer Betreuung.
Warum unbegleitete Minderjährige besonders geschützt sind
Nach spanischem Recht genießen unbegleitete ausländische Minderjährige besonderen Schutz.
Bevor über ihren Aufenthaltsstatus entschieden werden kann, müssen die Behörden zunächst ihre Identität feststellen und sicherstellen, dass ihre Rechte gewahrt bleiben. Eine sofortige Abschiebung ist in solchen Fällen grundsätzlich nicht zulässig.
Fazit
Der Fall des 12-jährigen Jungen macht deutlich, vor welchen humanitären Herausforderungen Ceuta derzeit steht. Während die Behörden versuchen, den starken Migrationsdruck zu bewältigen, rückt zugleich der Schutz unbegleiteter Minderjähriger in den Mittelpunkt. Der Vorfall zeigt, wie entscheidend die korrekte Identifizierung schutzbedürftiger Kinder an den europäischen Außengrenzen ist.
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