Migranten in Ceuta berichten von Schlägen statt Schutz – Lage beruhigt sich nur langsam
Die Lage in Ceuta hat sich nach dem Massenansturm von mindestens 50.000 Migranten in der vergangenen Woche etwas beruhigt. Dennoch sitzen weiterhin Menschen an mehreren Orten der spanischen Exklave fest. Dramatische Stimmen aus Ceuta beschreiben, dass sie statt Schutz nur Schläge erhalten haben. Viele wollen unter keinen Umständen nach Marokko zurückkehren. Für Deutschland und die EU stellt der anhaltende Druck an der südlichen Außengrenze eine erneute Belastung der Migrationspolitik und möglicher Sekundärbewegungen dar.
Migranten in Ceuta: „Wir kehren nicht nach Marokko zurück“
Rahmatallah aus dem Sudan, der über Ägypten, Libyen, Algerien und Marokko nach Ceuta geflohen ist, sagt klar:
„Wir kehren unter keinen Umständen nach Marokko zurück. Marokkaner sind Diebe, sogar die Polizei. Sie haben uns alles genommen.“
Er und seine sudanesischen Freunde sind seit drei Jahren unterwegs. Ihr Ziel ist Europa, vorzugsweise Spanien. Dort hofften sie auf leichte Arbeit, schnelle Papiere und die Möglichkeit, Familien nachzuholen. An die gefährliche Mittelmeerüberfahrt, die „Harka“, wollen sie vorerst nicht denken. Zuerst müsse etwas zu essen gefunden werden – zuletzt hatte Rahmatallah am Donnerstag gegessen, bevor er in Marokko ins Meer ging.
Der 19-jährige Adam aus Marokko verbrachte sechs Tage in Ceuta. Er kam mit seinen beiden Schwestern. „Statt Schutz haben wir nur Schläge einstecken müssen“, berichtet er.
Seine frühere Zeit als undokumentierter Einwanderer in der Schweiz beschreibt er als „wie ein Sommerurlaub“ in Thun, Bern und Basel. Dennoch will er nicht dorthin zurück – wie die meisten Migranten, mit denen die Schweizer Zeitung Blick in Ceuta sprach. Der Grund: „Es ist verdammt schwer, überhaupt dorthin zu kommen.“ Adam hatte 2021 einen Monat auf den Straßen der Schweiz verbracht und behauptet, anschließend acht Monate in Abschiebehaft gewesen zu sein. Jetzt will er nach Italien. „Dort ist das Leben für uns viel ruhiger als hier.“
Rückführungen und anhaltende Anspannung in der Exklave
Am Wochenende brachten spanische Grenzbeamte zahlreiche marokkanische Migranten zur Grenze zurück und schickten sie nach Hause. Die Straßen aus Ceuta waren voller Soldaten, die schweigend den Marsch der erschöpften Menschen beobachteten. Viele wirkten ausgelaugt, ihre Blicke leer. Im Zentrum der Stadt ist inzwischen Ruhe eingekehrt. Ein Schild auf einer Wiese warnt vor hohen Geldstrafen für nicht beseitigte Hundehinterlassenschaften – von 750 bis 1.500 Euro. Währenddessen bleiben Strände und Straßen der nördlichen Exklave weiterhin voller Migranten.
Die meisten der in den letzten Tagen Angekommenen kehrten am Sonntag nach Marokko zurück. Einige halten sich jedoch weiterhin in den Hügeln um die Stadt auf. Die Guardia Civil sucht das Meer vor dem Strand – dem Ankunftsort vieler Migranten – nach weiteren Leichen ab. Spanische Behörden meldeten, dass die Zahl der Todesopfer auf 72 gestiegen ist. Es handelt sich um Menschen, die ertrunken oder in der Panik beim Versuch, den Wellenbrecher zu überqueren, zu Tode getrampelt wurden.
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Angst unter Bewohnern und europäische Dimension
Nach dem Zustrom wächst die Angst in Ceuta. Bewohner bewaffnen sich. Am Wochenende wirkte die Stadt nicht mehr wie eine Stadt in der Krise, doch die Sorge über die jüngsten Ereignisse hält an. Für die Europäische Union und Deutschland bleibt die Lage in der spanischen Exklave relevant: Sie zeigt erneut, wie schnell Migrationsbewegungen an den Außengrenzen eskalieren und welche humanitären sowie sicherheitspolitischen Folgen daraus entstehen können. Erfahrungen einzelner Migranten mit Aufenthalten in der Schweiz oder Hoffnungen auf Italien und Spanien deuten auf mögliche Weiterreisen innerhalb Europas hin.
Die Situation in Ceuta unterstreicht die anhaltende Herausforderung an Europas südlicher Flanke. Solange Menschen in den Hügeln und an den Stränden ausharren und die Rückkehr nach Marokko für viele keine Option darstellt, bleibt der Druck auf die spanischen Behörden und die europäische Migrationssteuerung bestehen.
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