EU und Apple führen konstruktive Gespräche nach Streit um Siri-KI in Europa
Nach wochenlangen Spannungen über die Einführung der neuen KI-Version von Siri in Europa haben die Europäische Kommission und Apple wieder den Dialog aufgenommen. EU-Technologiekommissarin Henna Virkkunen und Apple-Chef Tim Cook führten nach Angaben der Europäischen Kommission einen „konstruktiven“ Austausch über gemeinsame Themen. Für Millionen iPhone- und iPad-Nutzer in Deutschland und der Europäischen Union ist das Gespräch von besonderer Bedeutung, da weiterhin unklar ist, wann die erweiterten KI-Funktionen von Siri in Europa verfügbar sein werden.
EU und Apple suchen nach Lösungen im Siri-Streit
Ein Sprecher der Europäischen Kommission bestätigte am Mittwoch das Treffen zwischen Henna Virkkunen und Tim Cook. Nach Angaben der Kommission handelte es sich um einen konstruktiven Austausch über Themen von gemeinsamem Interesse, an denen beide Seiten weiterarbeiten wollen.
Dem Gespräch war ein öffentlicher Konflikt vorausgegangen. Apple hatte im vergangenen Monat erklärt, dass die Einführung der verbesserten Siri-Funktionen auf iPhones und iPads in der Europäischen Union zunächst verschoben werde. Das Unternehmen machte europäische Wettbewerbsregeln dafür verantwortlich und argumentierte, diese erschwerten die Bereitstellung der neuen KI-Funktionen.
Die Europäische Kommission wies diese Darstellung zurück. Aus Sicht der Behörde habe Apple die für die europäischen Vorgaben notwendige Interoperabilität bislang nicht ausreichend umgesetzt. Deshalb liege die Verantwortung für die Verzögerung beim Unternehmen selbst.
Digital Markets Act bleibt zentraler Streitpunkt
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht der Digital Markets Act (DMA). Das europäische Gesetz soll den Wettbewerb im digitalen Markt stärken, großen Technologieunternehmen Grenzen setzen und Verbraucherinnen und Verbrauchern mehr Auswahl ermöglichen.
Apple erklärte, der DMA habe das Unternehmen dazu gezwungen, mehrere neue Funktionen in der Europäischen Union später bereitzustellen. Neben der KI-Version von Siri betrifft dies nach Unternehmensangaben auch die iPhone-Bildschirmspiegelung auf den Mac, die Live-Übersetzung mit AirPods sowie standortbezogene Funktionen in Apple Maps.
Verstöße gegen den Digital Markets Act können mit Geldbußen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes eines Unternehmens geahndet werden.
Warum der Konflikt für Deutschland relevant ist
Für Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland bedeutet der Streit, dass mehrere angekündigte Apple-Funktionen weiterhin nicht verfügbar sind. Während neue KI-Dienste in anderen Märkten schrittweise eingeführt werden, müssen europäische Kunden auf eine Einigung zwischen Apple und den EU-Behörden warten.
Auch wirtschaftlich besitzt der europäische Markt für Apple erhebliche Bedeutung. Nach Unternehmensangaben entfielen im vergangenen Geschäftsjahr nahezu 27 Prozent des weltweiten Umsatzes auf Europa. Eine separate Ausweisung der Umsätze innerhalb der Europäischen Union nimmt Apple jedoch nicht vor.
Der Konflikt zeigt zugleich den grundsätzlichen Spannungsbogen zwischen Innovation und Regulierung. Während die Europäische Union auf offene digitale Märkte und gleiche Wettbewerbsbedingungen setzt, argumentiert Apple, dass bestimmte regulatorische Anforderungen die Einführung neuer Technologien verzögern können.
Wie es nun weitergeht
Das Treffen zwischen Henna Virkkunen und Tim Cook deutet darauf hin, dass beide Seiten den Dialog fortsetzen wollen. Konkrete Ergebnisse oder Vereinbarungen wurden bislang jedoch nicht bekanntgegeben.
Ob und wann die neuen Siri-KI-Funktionen sowie weitere verschobene Apple-Dienste in der Europäischen Union verfügbar sein werden, bleibt damit offen. Solange keine Einigung erzielt wird, dürften sowohl die Umsetzung des Digital Markets Act als auch die technischen Anforderungen an die Interoperabilität im Mittelpunkt weiterer Gespräche stehen.
Bedeutung über den aktuellen Streit hinaus
Der Konflikt zwischen der Europäischen Union und Apple verdeutlicht, wie stark europäische Digitalgesetze inzwischen die Einführung neuer Technologien beeinflussen können. Die kommenden Verhandlungen dürften daher nicht nur für Apple, sondern auch für andere internationale Technologieunternehmen richtungsweisend sein, die ihre KI- und Softwaredienste auf dem europäischen Markt anbieten möchten.
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