Andy Burnham sagt Termine nach Tod seines Vaters ab
Der britische Premierminister Andy Burnham hat nach dem Tod seines Vaters Roy seine Termine für Montag und Dienstag abgesagt. Unter anderem sollte Burnham am Dienstag auf der Konferenz des Gewerkschaftsdachverbands TUC in Brighton sprechen. Sein Vater litt an Alzheimer und lebte zuletzt in einem Pflegeheim. Der Tod berührt damit auch ein Thema, das Burnham seit Jahren politisch begleitet: die Situation der sozialen Pflege in Großbritannien.
Burnham zieht sich aus öffentlichen Terminen zurück
Burnham hatte für die beiden Tage mehrere öffentliche Auftritte geplant. Dazu gehörte insbesondere eine Rede bei der TUC-Konferenz in Brighton.
Nach Bekanntwerden des Todes seines Vaters sagte der Premierminister die Termine ab. Im britischen Unterhaus wurde zu Beginn der Sitzung am Montagnachmittag an Burnham und seine Familie erinnert. Parlamentspräsident Lindsay Hoyle erklärte, das gesamte Haus wolle ihnen in dieser schweren Zeit seine besten Wünsche übermitteln.
Auch aus den politischen Reihen erhielt Burnham Beileidsbekundungen. Wohnungsbauministerin Angela Rayner sprach Burnham und seiner Familie ihr Mitgefühl aus. Kemi Badenoch, Vorsitzende der Konservativen, bekundete ebenfalls ihr Beileid und betonte, wie schmerzhaft der Verlust des eigenen Vaters unabhängig vom Alter sein könne.
Sein Vater litt an Alzheimer
Roy Burnham war bereits schwer erkrankt. In einem Interview im Juli hatte Andy Burnham über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters gesprochen und erklärt, dass dieser deshalb nicht mehr mitbekommen habe, dass sein Sohn kurz davorstand, Premierminister zu werden.
Für Burnham war diese Erfahrung nach eigener Darstellung besonders schmerzhaft. Zugleich sah er die eigene politische Laufbahn als Ergebnis einer gemeinsamen Leistung seiner Familie – auch wenn sein Vater davon nichts mehr wusste.
Roy Burnham arbeitete als Fernmeldetechniker, seine Ehefrau Eileen als Sprechstundenhilfe in einer Hausarztpraxis. In seinem gemeinsam mit Steve Rotheram verfassten Buch „Head North“ beschrieb Burnham seine Kindheit im englischen Culcheth bei Warrington als von Musik, Leben, Lachen, Liebe und gegenseitigem Rückhalt geprägt.
Persönliche Erfahrung prägt Burnhams Pflegepolitik
Der Tod seines Vaters hat auch deshalb eine politische Dimension, weil Burnham sich wiederholt für eine bessere soziale Pflege eingesetzt hat. Seine Erfahrungen mit der Betreuung seines Vaters gehören zu den persönlichen Hintergründen dieser Position.
In einer seiner ersten Reden als Premierminister hob Burnham die Arbeit von Pflegekräften hervor. Er würdigte deren Können, Fürsorge und Professionalität und verwies dabei ausdrücklich auch auf jene Menschen, die sich um seinen Vater gekümmert hatten. Zugleich forderte er eine bessere Bezahlung für Pflegekräfte.
Damit steht hinter Burnhams Forderungen zur sozialen Pflege nicht nur eine politische Debatte über Finanzierung und Arbeitsbedingungen. Sie ist für ihn auch mit den Erfahrungen seiner eigenen Familie verbunden.
Der Verlust seines Vaters trifft den Premierminister deshalb in einer Phase, in der er zugleich die politische Verantwortung für das Land trägt. Für die kommenden Tage hat Burnham seine öffentlichen Verpflichtungen zunächst zurückgestellt, um bei seiner Familie zu sein.
Mehr zum Thema „Großbritannien„




