AfD plant Euro- und Schengen-Austritt: Was ein Kurswechsel für Deutschland und die EU bedeuten würde
Die AfD Euro Schengen Austritt-Forderung stellt zentrale Bestandteile der europäischen Integration infrage. In ihren Programmen fordert die Partei unter anderem eine Rückkehr zu nationalen Währungen und eine grundlegende Neuordnung der Europäischen Union. Auch beim Schengen-Raum verlangt sie Veränderungen und begründet dies vor allem mit Grenzschutz und nationaler Souveränität. Die Frage ist deshalb nicht nur, ob solche Forderungen politisch durchsetzbar wären, sondern auch, was ein deutscher Kurswechsel für Freizügigkeit, Handel und die Stabilität der EU bedeuten würde.
Was fordert die AfD bei Euro und EU?
Die europapolitischen Vorstellungen der AfD gehen deutlich über einzelne Reformen der EU hinaus. Im Bundestagswahlprogramm 2025 fordert die Partei eine „Rückkehr zu einem Europa der Vaterländer“ und eine grundlegende Veränderung der bestehenden europäischen Strukturen. Als langfristige Perspektive nennt sie eine neu zu gründende europäische Wirtschafts- und Interessengemeinschaft.
Beim Euro vertritt die AfD seit Jahren eine grundsätzlich ablehnende Position. In ihrem Grundsatzprogramm bezeichnet sie den Euro als Fehlkonstruktion und fordert, das „EURO-Experiment“ geordnet zu beenden. Sollte der Bundestag dem nicht folgen, soll nach Vorstellung der Partei über den Verbleib Deutschlands im Währungsverbund abgestimmt werden.
Damit geht es um mehr als eine Änderung der Geldpolitik. Deutschland würde bei einer Rückkehr zu einer nationalen Währung einen fundamentalen Schritt weg von einer der wichtigsten Säulen der europäischen Integration machen.
AfD und Schengen: Warum offene Grenzen zum Streitpunkt werden
Auch das Schengen-System steht bei der AfD unter Kritik. Die Partei argumentiert, dass die derzeitige Regelung die Kontrolle der europäischen Außengrenzen erschwere und Risiken für die innere Sicherheit schaffe. In ihrem Europawahlprogramm 2024 forderte sie deshalb eine Änderung des Schengener Abkommens.
Aktuell verbindet Alice Weidel das Thema ebenfalls mit der Migrationspolitik. Ende Juli 2026 erklärte sie angesichts der Situation an der spanischen Exklave Ceuta, notfalls müsse der Schengen-Raum ausgesetzt werden, wenn die europäischen Außengrenzen nicht ausreichend geschützt würden.
Das ist politisch ein wichtiger Unterschied: Eine zeitweise Aussetzung von Schengen ist nicht dasselbe wie ein dauerhafter Austritt. Die politische Stoßrichtung der AfD geht jedoch klar dahin, den Nationalstaat wieder stärker in den Mittelpunkt der Grenz- und Migrationspolitik zu stellen.
„Wenn Deutschland sich von Europa distanzieren will“
Der polnische Internationale-Beziehungen-Experte und ehemalige Diplomat Roman Kuźniar bewertet einen möglichen AfD-Kurs gegenüber Europa skeptisch. In dem von dir bereitgestellten Interview vertritt er die Ansicht, dass sich politische Forderungen verändern könnten, sobald eine Partei tatsächlich Regierungsverantwortung übernimmt.
Seine These erinnert an die Entwicklung anderer europäischer Rechtsparteien. Als Beispiel nennt er die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, die seiner Einschätzung nach als Regierungschefin pragmatischer agiere als manche ihrer früheren politischen Positionen vermuten ließen.
Kuźniar hält deshalb einen vollständigen Bruch Deutschlands mit den europäischen Strukturen nicht für zwangsläufig. Seine zugespitzte Formulierung lautet, Deutschland könne sich bei einem solchen Kurs „genauso gut zum Mars“ begeben.
Das ist allerdings eine politische Einschätzung des Experten und keine Prognose, die sich als Tatsache darstellen lässt.
AfD plant Euro- und Schengen-Austritt: Würde die EU einen deutschen Austritt überstehen?
Die kurze Antwort lautet: Die EU würde einen solchen Schritt wahrscheinlich nicht einfach unverändert überstehen.
Deutschland ist wirtschaftlich und politisch eines der wichtigsten Mitglieder der Europäischen Union. Ein Austritt aus dem Euro oder sogar aus der EU hätte daher Auswirkungen weit über Deutschland hinaus.
Besonders kompliziert wäre die Währungsfrage. Der Euro ist nicht lediglich ein Zahlungsmittel, das Deutschland jederzeit durch eine neue D-Mark ersetzen könnte. Er ist Bestandteil eines umfassenden rechtlichen und institutionellen Systems, das die Europäische Zentralbank, die nationalen Zentralbanken, Banken, Unternehmen und Finanzmärkte miteinander verbindet.
Ein deutscher Austritt aus dem Euro würde deshalb erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Fragen aufwerfen. Dazu gehörten unter anderem die Behandlung bestehender Verträge, Bankguthaben, Schulden, Staatsanleihen und grenzüberschreitender Zahlungen.
Die konkreten Folgen wären allerdings davon abhängig, wie ein solcher Austritt rechtlich und politisch umgesetzt würde. Deshalb wäre es unseriös, bereits heute einen bestimmten wirtschaftlichen Ausgang vorherzusagen.
Was ein Ende von Schengen für den Alltag bedeuten könnte
Noch unmittelbarer wäre die Frage der Grenzkontrollen. Der Schengen-Raum ermöglicht es Millionen Menschen, sich innerhalb großer Teile Europas ohne reguläre Kontrollen an den Binnengrenzen zu bewegen.
Ein dauerhafter deutscher Rückzug würde daher insbesondere Pendler, Urlauber, Unternehmen und den grenzüberschreitenden Warenverkehr betreffen. Für Menschen, die täglich zwischen Deutschland und Frankreich, Polen, Österreich, den Niederlanden oder anderen Nachbarstaaten unterwegs sind, könnten zusätzliche Kontrollen längere Reisezeiten und mehr bürokratischen Aufwand bedeuten.
Auch Unternehmen wären betroffen. Die europäische Wirtschaft basiert in hohem Maß auf grenzüberschreitenden Lieferketten. Verzögerungen an Grenzen können deshalb nicht nur Reisende, sondern auch Logistik, Produktion und Handel beeinflussen.
Gleichzeitig muss zwischen einem Austritt aus Schengen und vorübergehenden Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Systems unterschieden werden. Staaten können unter bestimmten Voraussetzungen bereits heute Kontrollen an Binnengrenzen durchführen.
Der entscheidende Punkt: Wahlkampfforderung oder Regierungspolitik?
Genau hier liegt der Kern der Debatte. Eine Partei kann im Wahlkampf weitreichende Veränderungen fordern. Regieren bedeutet dagegen, diese Forderungen mit Verfassung, europäischen Verträgen, internationalen Verpflichtungen und wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen.
Die AfD selbst hält ihre europapolitischen Ziele für notwendig. In ihrem Grundsatzprogramm schreibt sie, Deutschland solle souverän bleiben und lehnt eine Entwicklung der EU zu einem Bundesstaat ab. Sollte sich eine grundlegende Reform innerhalb des bestehenden Systems nicht verwirklichen lassen, strebt die Partei dort ausdrücklich einen deutschen EU-Austritt beziehungsweise eine Auflösung der EU und die Gründung einer neuen europäischen Wirtschaftsgemeinschaft an.
Damit ist die Sorge vor einem möglichen Bruch nicht vollständig aus der Luft gegriffen. Gleichzeitig ist ein konkreter Austritt weder automatisch die Folge eines Wahlerfolgs noch kurzfristig umsetzbar.
AfD Euro Schengen Austritt: Was bedeutet das für Deutschland?
Für deutsche Bürger wäre ein solcher Kurswechsel nicht nur eine abstrakte europapolitische Frage. Er könnte Reisen, Arbeit, Studium, Handel, Geldanlagen und die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Nachbarstaaten betreffen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht allein, ob die EU einen deutschen Kurswechsel „überleben“ würde. Sie lautet auch, welchen Preis Deutschland selbst für einen Rückzug aus zentralen europäischen Strukturen zahlen müsste.
Die AfD will Europa nicht vollständig abschaffen. Ihr Ziel ist vielmehr ein anderes Europa: weniger Zentralisierung, mehr nationale Souveränität und eine stärkere Rolle der einzelnen Staaten. Der Konflikt besteht darin, dass gerade Deutschland wirtschaftlich und politisch besonders eng mit seinen europäischen Nachbarn verflochten ist.
Sollte eine künftige Bundesregierung tatsächlich versuchen, Euro, Schengen oder sogar die EU-Mitgliedschaft grundlegend infrage zu stellen, wäre das deshalb ein historischer Einschnitt. Ob daraus ein kontrollierter Umbau oder eine schwere europäische Krise entstünde, würde wesentlich davon abhängen, wie weit die politischen Forderungen tatsächlich umgesetzt würden.
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